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Experten informieren über Rollatoren und andere Hilfsmittel

Sicher unterwegs im Alter

Lengerich

Längst gehören Rollatoren zum gewohnten Straßenbild. Doch wie ist es, sich mit einem solchen Hilfsmittel zu bewegen? Ein Aktionstag in Lengerich gibt die Möglichkeit, es einmal auszuprobieren.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Josef Leugermann und Andrea Kamphaus Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es ist definitiv ein ungewohntes Gefühl, das erste Mal in seinem Leben einen Rollator zu benutzen. Die kurze Tour auf einer kleinen Teststrecke auf dem Parkplatz an der Ecke Bodelschwinghstraße/Schulstraße vermittelt einen Eindruck davon, wie es ist, auf ein solches Hilfsmittel angewiesen zu sein. Die Möglichkeit dazu bietet die Falken-Apotheke mit ihrer zweitägigen Aktion „Mobilität im Alter“, die am Donnerstag startete und heute fortgesetzt wird.

Andrea Kamphaus schaut beim Rollator-Neuling, ob alles einigermaßen passt. Die Füße stehen zwischen den Hinterrädern, der Körper ist aufrecht, die Hände umfassen die beiden Griffe. Die Expertin gibt grünes Licht, es kann losgehen. Eine kleine Rampe führt auf die Teststrecke, die bewusst ein wenig holprig angelegt wurde, um ein Gefühl für den Rollator-Alltag in der Stadt zu vermitteln. Der Rollator ist überraschend leicht und lässt sich problemlos auch auf engem Raum manövrieren, diese Erkenntnis kommt schnell.

Apotheken-Inhaber Josef Leugermann meint, dass die Hemmschwelle, auf Hilfsmittel wie den Rollator im Alter oder bei Krankheit zurückzugreifen, in den vergangenen Jahren stark gesunken ist. „Schauen sie in die Fußgängerzone, sie gehören längst zum Alltag, das macht es für viele leichter, sich dem Thema zu nähern.“

Seine Mitarbeiterin An-drea Kamphaus sagt, dass es bei Rollatoren oder auch Elektro-Scootern primär darum gehe, die Mobilität der Betroffenen zu bewahren. „Das ist ganz entscheidend.“ Zudem müsse sich die Kundin oder der Kunde beim Kauf eines Rollators genau überlegen, wie und wo das Hilfsgerät eingesetzt werden soll. Ein ehemaliger Landwirt beispielsweise, der immer noch gerne durch den Stall und auf die Felder gehen wolle, brauche ein stabiles Modell mit guter Federung. Für andere sei es möglicherweise wichtig, einen leichten Rollator zu haben oder einen, der sich sehr einfach zusammenklappen lässt oder dessen Sitzhöhe sehr variabel ist oder einen, der auch für eine schwere Person geeignet ist. Und dann gebe es noch zahlreiche weitere Ausstattungsmerkmale wie Stock- oder Trinkflaschenhalter, Rollator-kompatible Reisetaschen oder auch Folien, unter denen ein Rollator bei schlechtem Wetter verschwinden kann.

All das hat gegebenenfalls seinen Preis, das könne bis an die 700 Euro für ein Modell gehen, sagt Andrea Kamphaus. Aber auch Personen, die mit jedem Cent und Euro rechnen müssen, brauchen sich in der Regel keine Sorgen zu machen. Ist ein Rollator erforderlich, zahlt die Krankenkasse – zumindest so lange der vorgesehene Betrag beim Kauf nicht überschritten wird.

Um mit einem Rollator jede Situation auf Wegen und Straßen bewältigen zu können, gibt es ein paar Tricks, die während einer Beratung vermittelt werden sollten. Beispielhaft nennt Andrea Kamphaus die Kipphilfe und zeigt an der Teststrecke direkt, was es damit auf sich hat und wie so Bordsteine und andere kleine Hindernisse überwunden werden können. „Manche drehen sich in solchen Situationen aber auch um und gehen rückwärts“, fährt sie fort.

Welcher Rollator zu wem passt? „Jeder hat seine Vorlieben und seine kleinen Schwächen. Das ist also immer individuell abzuklären“, verdeutlicht die Apothekerin und Reha-Fachberaterin, dass der Kauf des Hilfsmittels kein Schnellschuss sein sollte, sondern wohl überlegt. Und sie nennt auch Grenzen. Wer selbst mit einem Rollator ständig Pausen auf seinen Wegen einlegen muss, weil er nicht mehr kann oder permanent Schmerzen hat, der sollte überlegen, ob ein E-Scooter nicht vielleicht die bessere Wahl wäre.

Josef Leugermann ergänzt, dass jeder so viel Hilfe wie nötig in Anspruch nehmen sollte, aber auch nicht mehr als erforderlich – das sei das Beste für den möglichst langen Erhalt der eigenen Mobilität.

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