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Mit Frank Neumann vom TVL im Freiluft-Fitnessstudio Niedermarker See

So purzeln die Feiertags-Pfunde

Lengerich

Es geht auch ohne Turnhalle und Fitnessstudio. Der Niedermarker See bietet das ideale Umfeld für Trainingseinheiten nach den Feiertagen.

Paul Meyer zu Brickwedde

Frank Neumann (Foto Mitte) hat während der Sporteinheit rund um den Niedermarker See zahlreiche Übungen für WN-Redakteur Paul Meyer zu Brickwedde parat. Foto: Frank Neumann

„Rücken gerade, Beine schulterbreit auseinander.“ Die Instruktionen von Frank Neumann kommen schnell und exakt. Dann geht es auch schon in den Liegestütz. Es ist eine von vielen Übungen, die der Lengericher an diesem Vormittag für mich in petto hat. Der 57-Jährige ist Sportkoordinator beim TV Lengerich, studierter Gymnastiklehrer und Sporttherapeut und ein absoluter Experte, wenn es darum geht, den Weg rund um den Niedermarker See zum Freiluft-Fitnessstudio zu machen.

Festessen im Kreis der Familie an Weihnachten und zum Jahreswechsel, Anstoßen mit Sekt und anderen alkoholischen Getränken, zwischendurch gibt‘s noch Süßes oder Knabberkram wie Chips. Bei dem einen oder anderen dürfte in den vergangenen Tagen das ein oder andere Pfund hinzugekommen sein. Und dann sind da noch die guten Vorsätze fürs neue Jahr, bei denen „Mehr Bewegung und Sport“ immer wieder ganz oben auf der Liste steht. Gründe für ein aktiveres Leben gibt es zur Genüge. Doch wohin, wenn Sporthallen und Fitnessstudios dicht sind?

Für Frank Neumann ist die Sache klar. Selbst wenn es frostig kalt, nass oder au matschig ist, spreche nichts dagegen, im Freien Sport zu treiben. In Lengerich biete sich dafür idealerweise die 1,1 Kilometer lange Strecke um den Niedermarker See an – sowohl für jene, die reichlich Trainingserfahrung und Kondition mitbringen, als auch für Neulinge. Auch beim Alter macht der Bewegungsprofi kaum Einschränkungen. Ab fünf, sechs Jahren könnten Eltern oder Großeltern Kinder mit auf die Runde nehmen. Und für die ganz Kleinen bleibe der Kinderwagen, während die Großen ihr Training absolvieren. „Und der Hund freut sich auch, wenn er dabei sein darf“, fügt der Gymnastiklehrer noch hinzu.

Er ist regelmäßig am Niedermarker See unterwegs, unter anderem mit Nordic Walkern. „Selbst bei Schneetreiben, die kommen immer“, erzählt Frank Neumann. Startpunkt für das Training mit dem Redakteur dieser Zeitung ist der Parkplatz am Alten Schulweg. Die Route führt im Uhrzeigersinn gen Osten und dann nach Süden. Untrainierten rät Frank Neumann zum schnellen Gehen, „Laufen ohne Schnaufen“ heißt sein Tipp, und das heißt, eine Unterhaltung mit den begleitenden Personen sollte immer möglich sein. Auch wir legen zum Aufwärmen ein gemächliches Tempo vor.

Unterwegs meint mein Begleiter, dass es vielfältige Möglichkeiten gebe, Übungen spielerisch einzubauen. Gerade wenn Kinder dabei sind, sei das wichtig und sorge für den nötigen Spaßfaktor. Der Sporttherapeut zeigt auf zwei Mülleimer als Start- und Zielmarke. Die Strecke könne der Nachwuchs für ein kurzes Rennen nutzen und am Ende dann auf der Stelle weiterlaufen, bis alle wieder beisammen sind.

Unser erster Stopp ist an einem großen Felsen. Liegestützen sind dran. Während ich mich immer wieder hochdrücke, erklärt Frank Neumann, was sonst noch möglich ist an dieser Trainingsstation. Ein Beispiel: Gegen den Stein drücken, als ob man ihn wegschieben will. Ein zweites: Ihn im Seitgalopp umrunden. Dabei können die Open-air-Sportler auch versuchen, sich gegenseitig zu fangen.

Flotter als zuvor geht es weiter. Derweil kommt Frank Neumann wieder auf seine Philosophie fürs Gruppentraining im Freien zurück. Gerne nutze er das auch für etwas Naturkunde. etwa die Frage, was am Wegesrand wächst und gedeiht. Mitten im Erzählen stutzt er kurz und zeigt dann auf einen Vogel: „Ein Grünspecht!“ Dann fährt er fort. Um sich Übungen zu merken, empfehle es sich, sie mit einer Geschichte zu verbinden. Beim nächsten Halt wendet er das sogleich an: Wir rudern und tun dabei so, als ob es über den See geht.

Der Mann vom TVL bezieht fast alles am Wegesrand ins Programm ein. An einer kleinen Mauer direkt am See dehne ich mich zunächst nach seinen Anweisungen. Dann stelle ich mich auf einen Fuß, den anderen drücke ich gegen die Mauer, um schließlich in die einbeinige Kniebeuge zu gehen und mich wieder aufzurichten. Immer wieder von Neuem. Danach nutze ich die senkrechten Platten zum schnellen Treppensteigen. „Das bringt den Kreislauf in Schwung“, sagt Frank Neumann.

Die nächste Etappe des Weges beginnt sogleich mit einer weiteren Übung. Mit großen Ausfallschritten geht es vorwärts, wobei das Knie des gestreckten Beins immer gen Boden gedrückt werden soll. Zweimal zehn Wiederholungen will mein Trainer sehen.

Wir erreichen den Kaiser-Pavillon. Den könne man für eine Pause nutzen, plaudert mein „Drill-Instruktor“. Also lassen wir uns auf der trockenen Bank im Inneren nieder – um erneut einige Muskeln zu trainieren. Hierfür rücke ich mit meinem Gesäß an die Kante der Bank, halte meinen Rücken gerade und strecke ein Bein lang nach vorne, wobei die Fußspitze in die Höhe zeigt. Schnell macht sich die damit verbundene Belastung bemerkbar. Frank Neumann bemerkt, dass sich auch diese Übung gut für einen kleinen Wettkampf eigne. „Wer hält am längsten durch?“

Es folgt das letzte Teilstück. Rechts des Weges stehen einige Eichen – geradezu ideal für eine weitere Trimm-Dich-Übung: Die Bäume bis zum nächsten Mülleimer im Slalom umkurven. Auch das komme gerade bei Kinder sehr gut an.

Einen Steinkreis nutzen wir zum Hinsetzen. Wir lassen erst die Schultern kreisen, dann nehmen wir die Arme in die Horizontale und lassen auch sie kreisen.

Auf den letzten Metern zum Parkplatz betont Frank Neumann, dass es wichtig sei, fürs Training immer etwas zu trinken mitzunehmen, auch wenn es kalt ist und man kein Durstgefühl habe. Die richtige Kleidung sei natürlich ebenfalls wichtig. Bei Frost sollten Mund und Nase geschützt werden.

Wer zum Niedermarker See kommt, um dort Sport zu machen, sollte mit Übungen für zwei Runden etwa eine Stunde Zeit mitbringen. Zusammen mit Frank Neumann habe ich ein Training gemacht, bei dem der ganze Körper gefordert war. Arme und Beine, Rücken und Bauch – für alles hatte mein Begleiter die passenden Übungen. Und einen lockeren Spruch gab‘s dann und wann obendrein. So macht das Aktivsein auch bei feucht-kalten drei Grad eine Menge Spaß.

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