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Knochenfunde in der Innenstadt

Spuren eines vergangenen Krieges

Lengerich

Im Zuge des Umbaus des Hauses Kirchplatz 3 zum neuen Gemeindebüro sind im Innenhof alte menschliche Knochen gefunden worden. Pfarrer Torsten Böhm vermutet, dass dort im Laufe des Siebenjährigen Krieges französische Soldaten ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Paul Meyer zu Brickwedde

Der Siebenjährige Krieg ist ein Konflikt mit globalen Ausmaßen gewesen, in den alle europäischen Großmächte verwickelt waren. Gekämpft wurde zwischen 1756 und 1763 in Europa, Nordamerika, Indien und selbst auf den Philippinen. Und zugleich ist es ein Ereignis, das bis heute auch in Lengerich Spuren hinterlassen hat, wie sich jetzt bei Bauarbeiten zeigt.

Pfarrer Torsten Böhm von der evangelischen Kirchengemeinde berichtet, dass im Zuge des Umbaus des Hauses Kirchplatz 3 zum neuen Gemeindebüro im Innenhof auch Parkplätze entstehen sollen. Bereits in einem Gutachten, das für die Neugestaltung des Kirchplatzes erstellt worden war, sei die Vermutung geäußert worden, dass sich dort sterbliche Überreste französischer Soldaten befinden könnten. Das hat sich nun offenbar bestätigt.

Bei Erdarbeiten stießen Bauarbeiter auf zahlreiche, zum Teil sehr gut erhaltene menschliche Knochen. Möglicherweise, sagt Böhm, seien es nicht nur französische Soldaten. Aber er glaubt, dass zumindest einige in der Erde unweit des einstigen Friedhofs ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Die Knochen, die zutage kamen, seien alle geborgen worden. Nach Rücksprache mit Archäologie-Experten vom Landschaftsverband sei aber entschieden worden, nicht explizit weitere Ausgrabungen in Angriff zu nehmen. Ähnlich wie bereits bei der Kirchplatz-Neugestaltung, als ebenfalls Gräber gefunden wurden, sollen die sterblichen Überreste auch diesmal „würdig bestattet“ werden, versichert Pfarrer Böhm.

Dr. Christian Spannhoff, Historiker aus Lienen, hat sich in einer Arbeit mit den Ereignissen während des Krieges in seiner Heimat beschäftigt. Er schreibt, dass Mitte des 18. Jahrhunderts auch die Grafschaft Tecklenburg in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Detailliert berichtet er im Folgenden, wie sich französischen, hannoversche und englische Truppen in Lienen und Lengerich einquartierten, welche Abgaben die Bevölkerung für sie zu leisten hatte und welchen Ärger das nach sich zog.

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