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„Historisches Friedensmahl“ des Heimatvereins Lengerich

Steckrüben wecken Erinnerungen

Lengerich

Über 100 Gäste haben am Donnerstagabend auf Einladung des Heimatvereins an einem „Historischen Friedensmahl“ in der Gempt-Halle teilgenommen. Erinnert wurde mit einer ;Mischung aus Speis und Trank, Unterhaltung und Information an das Lengericher Conclusum.

Das „Historische Friedensmahl“, zu dem der Heimatverein am Donnerstagabend in die Gempt-Halle eingeladen hatte, war eine Mischung aus kulinarischem Genuss, Unterhaltung und Information. Dr. Alfred Wesselmann und sein Enkel Joshua (Foto unten r.) trugen mit ihrem Frage-Antwort-Dialog dazu bei. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es war eine Veranstaltung, bei der bei einigen Gästen Kindheitserinnerungen geweckt wurden. Schließlich kamen Steckrüben früher in vielen Familien auf den Tisch. Am Donnerstagabend stand der Klassiker ebenfalls auf der Speisekarte, beim „Historischen Friedensmahl“, zu dem der Heimatverein in Erinnerung an das Lengericher Conclusum in die Gempt-Halle eingeladen hatte. Über 100 Besucher kamen und erlebten einen Mix aus kulinarischem Genuss, Unterhaltung und Information.

Bereits 2020 hatte sich das wohl bedeutendste Ereignis in der Stadtgeschichte zum 375-mal gejährt. Doch Corona verhinderte, dass es auch gebührend gefeiert werden konnte. 2021 veranstaltete dann die Stadt einen Festakt für geladene Gäste, nun zog der Heimatverein mit seinem „Friedensmahl“ nach.

Der Vorsitzende des Vereins, Dr. Alois Thomes, versprach ein „Eintauchen in die Zeit des Barock, in das 17. Jahrhundert“. Die langen Tafeln waren festlich gedeckt. Auf den Tischen stand an jedem Platz eine Flasche des Biers, „1645“, das die Stadt aus Anlass des Jubiläums hatte brauen lassen Das Hotel Zur Mühle sorgte für die Zubereitung der Steckrüben, die von der Trachtengruppe des Heimatvereins serviert wurden. Und Hotel-Inhaber Peter Gödert lieferte auch noch die zum Anlass passenden Teller. Nach dem 350-jährigen Jubiläums des Westfälischen Friedens 1998 hatte er begonnen, die blau-weißen Schmuckstücke zu sammeln; ein Hotel aus Osnabrück stellte weitere der Teller zur Verfügung, damit alle über 100 Gäste versorgt waren. „Die müssen alle auf den Tischen bleiben“, appellierte Gödert humorvoll, keine „Andenken“ mit Heim zu nehmen – und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Die Singgruppe des Heimatvereins – unter anderem mit der „Ode an die Freude“ – Rezitator Bertold Ostermann und Bänkelsänger Günther Carl unterhielten die Besucher vor und nach dem Essen. Zu sehen gab es Filmeinspieler zur zeitgeschichtlichen Bedeutung des Conclusums sowie zum Thema Frieden. Und als besonderen Programmpunkt hatte sich der Heimatverein für den Schluss den Auftritt von Dr. Alfred Wesselmann und dessen Enkel Joshua aufbewahrt. Das Duo lieferte mit einem Frage-Antwort-Spiel eine kurze Geschichtsstunde zum Thema des Abends und erntete dafür viel Applaus.

Der Neunjährige war übrigens der jüngste Teilnehmer am „Historischen Friedensmahl“, an dem auch Bürgermeister Wilhelm Möhrke und sein Vorgänger Friedrich Prigge teilnahmen. Und Joshua erlebte seine Steckrüben-Premiere, wie er berichtete. Am Ende des Essens war sein Teller leer, das Lob für die Suppe dürfte somit keine höfliche Floskel gewesen sein, sondern ein ehrliches Urteil.

Ohnehin waren unter den Besuchern, wie kaum anders zu erwarten, viele Steckrüben-Freunde. Manche sprachen von früher, als es noch Schweinepfötchen und -öhrchen dazu gab, die dann auch mal gründlich und mit Appetit abgeknabbert worden seien. Andere befanden, das aufgetischte Essen sei eine „deluxe“-Variante. Und wieder andere stellten schlicht und zufrieden fest: „Lecker, habe ich lange nicht mehr gehabt.“

Derweil schaute Dennis Gödert im Hintergrund zu, wie sich die großen Töpfe allmählich leerten. Die Köche des Hotels hätten im Vorfeld ein wenig experimentiert, erzählte der Enkel von Peter Gödert. Dass es am Ende historisch betrachtet nicht ganz korrekt zuging – die von den Spaniern aus Südamerika nach Europa geholte Kartoffel hätte es im 17. Jahrhundert sicher nicht zu den Steckrüben gegeben –, dürfte kaum jemanden gestört haben.

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