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Therapeutisches „Brachland“

LWL-Klinik beleuchtet mit zwei Vorträgen die 1950er-Jahre

Lengerich

In die eigene Historie blickt die LWL-Klinik mit zwei öffentlichen Vortragsveranstaltungen zurück. Am 3. und am 10. November wird es vor allem um die 1950er-Jahre in der Einrichtung gehen.

Professor Dr. Franz-Werner Kersting und Leonie Vinkelau halten im November Vorträge, die sich vor allem mit den 1950er-Jahren in der LWL-Klinik beschäftigen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Historie der LWL-Klinik wird in den kommenden Wochen mit zwei Vortragsabenden in den Blick genommen. Es geht jeweils um die Nachkriegszeit.

Ein Vortrag von Professor Dr. Franz-Werner Kersting widmet sich am Donnerstag, 3. November, ab 19.30 Uhr dem Wirken Hans Merguets, der von 1949 bis 1957 Anstaltsleiter war. Die Veranstaltung trägt den Titel „Zwischen NS-Krankenmord und Psychiatriereform“.

Die verbrecherische NS-Psychiatrie- und Kriegspolitik hatte nach Einschätzung des Landschaftsverbandes nicht nur zu einem inhumanen Absturz im Zeichen von massenhaften Zwangssterilisierungen und „Euthanasie“-Morden geführt. Sie habe gleichzeitig in den Anstalten ein noch weit über 1945 hinaus fortbestehendes materielles und therapeutisches ‚Brachland‘ hinterlassen – verbunden mit einem tiefgreifenden Ansehens- und Vertrauensverlust der deutschen Psychiatrie, der bis ins Ausland gereicht habe.

Der Vortrag zeigt laut Pressemitteilung auf, wie der Psychiater Hans Merguet mit den „braunen Erblasten“ des eigenen Faches umging und wie er in Lengerich vergleichsweise früh erste Schritte zu einer Verbesserung der Klinik- und Krankensituation unternommen habe. Dabei knüpfte Merguet nach Darstellung des LWL einerseits bewusst an Reformtraditionen aus der Zeit vor 1933 an. Andererseits entwickelte er demnach auch eigene fortschrittliche Positionen und Therapieansätze, die schon etwas von dem Geist des Reformaufbruchs der „68er“-Jahre vorwegnahmen.

Franz-Werner Kersting lehrt an der Universität Münster und war bis Ende 2020 wissenschaftlicher Referent am LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.

Am Donnerstag, 10. November, folgt – ebenfalls ab 19.30 Uhr – unter dem Titel „Ein Pfleger erinnert sich“ Leonie Vinkelau mit einem Vortrag über Walter Wiegand, der von 1953 bis 1991 in der Einrichtung tätig war. Leonie Vinkelau hat eine Masterarbeit über den „Psychiatrischen Alltag und Pflegedienst in der frühen Bundesrepublik im Spiegel der Erinnerungen des Pflegers Walter Wiegand an seine Arbeit in der heutigen LWL-Klinik Lengerich – Dokumentation, Analyse, Vergleich“ verfasst.

Der Erfahrungsbericht Wiegands über seine Dienstzeit – der Fokus seiner handschriftlich verfassten Erinnerungen liegt auf den frühen 1950er Jahren – dokumentiert nach Angaben des Landschaftsverbandes „eine bislang unbekannte, gleichermaßen aussagekräftige wie seltene Quelle zur Nachkriegsgeschichte unserer Klinik“. Walter Wiegand habe vor allem seine Anfangszeit als „Lern-“und „Irrenpfleger“, wie es damals noch hieß, beschrieben: den typischen Tagesablauf auf einer Station, die Behandlungsmethoden sowie die Rolle und Aufgaben speziell der psychiatrischen Pflegekräfte.

Beide Vorträge finden im Festsaal der LWL-Klinik statt.

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