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Mufflon-Herde: Große Resonanz auf Petition

Über 1600 Unterstützer sind dabei

Lengerich/Lienen

Über 1600 Menschen unterstützen bislang die Petition von Hans Butterhof, der die Mufflon-Herde im Teutoburger Wald vor dem Abschuss retten möchte. Mit einem solchen Echo hat der Lengericher nicht gerechnet. Die Aktion sorgt weit über die regionalen Grenzen hinaus für Rückmeldungen.

Paul Meyer zu Brickwedde

Haben die Mufflons im Teuto eine Zukunft? Die Untere Jagdbehörde sagt, die Tiere sollen abgeschossen werden. Der Lengericher Hans Butterhof hingegen will die Wildschafherde davor retten. Foto: Rudolf Kindler

Er sei „beeindruckt“, gar „überwältigt“, sagt Hans Butterhof. Der Lengericher hat, wie berichtet, eine Petition zum Schutz der Mufflon-Herde, die im Grenzbereich zwischen Lengerich und Lienen beheimatet ist, in Gang gesetzt. Anlass bot ein WN-Artikel, in dem zu lesen war, dass die Untere Jagdbehörde den Totalabschuss will. 1000 Unterstützer war die Marke, die Hans Butterhof als Sammelziel angegeben hat. Obwohl noch fast zwei Wochen Zeit sind, kann er inzwischen gelassen auf die Internetseite der Petition schauen. Über 1600 Menschen haben sich dort eingetragen, 553 auch noch einen Kommentar abgegeben.

Adressatin der Petition soll Ursula Heinen-Esser sein, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Hans Butterhof stellt im Begleittext fest: „Mufflons sind als heimisches Wild eine Bereicherung der hiesigen Fauna und als tagaktive Tiere attraktiv für Wanderer und Naturfreunde. Ihr Totalabschuss muss verhindert werden!“

Allerdings gibt es nicht nur seitens der Unteren Jagdbehörde, sondern auch von Waldbesitzern eine andere Sicht auf die Dinge. Gottfried Steinigeweg, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Lengerich, hatte gegenüber den WN den Bestand der Mufflons mit „mindestens 150“ angegeben und gesagt, dass die Tiere zusammen mit dem Damwild für erhebliche Verbissschäden verantwortlich seien. Die genannte Zahl hält Hans Butterhof „für extrem übertrieben“. Gottfried Steinigeweg wiederum betonte, dass er die in der Petition übernommene Einschätzung von 20 bis 25 Tieren für falsch, weil viel zu gering halte.

Zum Thema Verbiss meint Hans Butterhof: „Ich stimme durchaus mit der Aussage aus dem Jagdgesetz überein, dass eine langfristig naturnahe Bewirtschaftung stabiler Wälder nur bei niedrigen Schalenwild-Zahlen erreicht werden kann.“ Demzufolge müssten auch Tiere abgeschossen werden. Die relativ kleine Herde der Mufflons auszurotten, sei sachlich jedoch nicht zwingend. „Es spricht nichts dagegen, auch das Muffelwild mit den anderen Schalentier-Arten zu hegen, also nicht zu töten, sondern insgesamt eine angemessen niedrige Zahl zu erhalten“, so der Lengericher.

Kritik äußert Hans Butterhof auch daran, dass die Mufflons von der Unteren Jagdbehörde als „nicht heimisch“ eingeordnet werden. Diese Ansicht sei nicht unumstritten. Er verweist unter anderem auf Hans-Dieter Pfannenstiel, emeritierter Professor für Zoologie, und Holger Piegert, Kreisjägermeister in Wernigerode und Co-Autor des Buches „das Europäische Mufflon“, die beide das Mufflon als heimische Art einordneten.

Für die Zukunft schwebt dem Initiator der Petition Folgendes vor: „Alternatives Ziel sollte in meinen Augen sein, das Muffelwild durch ein raumbezogenes, angemessenes Management im Teutoburger Wald bei Lengerich zu erhalten, eventuell durch eine Hege-Gemeinschaft, den Zusammenschluss von Jagdausübungs-Berechtigten über mehrere benachbarte Reviere mit dem Ziel, Hegemaßnahmen und Abschusspläne zu koordinieren.“

Bemerkenswert bei den Kommentaren zur Petition ist nicht nur deren Vielzahl, sondern auch, dass das Thema offenbar weit über die Region hinaus ausstrahlt. So finden sich dort neben vielen Stellungnahmen von Lengerichern und Lienenern beispielsweise auch Meinungsäußerungen von Menschen aus Ludwigshafen, Aachen, Saarburg, Heilbronn, Eisleben und Salzburg.

Das, was Hans Butterhof aus eigenem Erleben in Lengerich erzählt – er habe nur positive Resonanz bekommen – setzt sich bei den Kommentaren fort. So schreibt ein Stefan Knödler aus Mössingen: „Es ist wirklich sehr bedenklich, dass man sich über eine Ausrottung und einen Totalabschuss unterhält. Jetzt haben diese Tiere jahrelang dort gelebt, neben Wald und sonstigem Wild. Und wer nimmt sich das Recht, diese Tierart aus den Wäldern zu verbannen und auszurotten? Beschämend . . .“ Ein Konstantin Biermann aus Berlin berichtet: „Ich bin in der Nähe des Steinbruchs von Calcis (Lebensraum dieser Schafe) aufgewachsen und erfreue mich, regelmäßig dort Wildschafe beim Wandern beobachten zu dürfen, wenn man mal in der Heimat ist.“ Und ein Michael Krieter aus Altenberge konstatiert: „Der Abschuss der Mufflonherde ist unverhältnismäßig. Das zahlenmäßig überlegene Dam- und Rehwild ist in Bezug auf möglichen Verbiss sicher eher zu reduzieren. Außerdem gibt es ,verbissfeste‘ Sprösslinge, die auch einen mehrfachen Verbiss vertragen.“

Ob Kommentare und Petition Erfolg haben werden? Hoffnung habe er, sagt Hans Butterhof. „Ich schätze die Chancen auf nicht ganz 50 zu 50.“

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