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Kulturforum: Lesung mit Christiane Wünsche

Verwandte sitzen auch im Publikum

Lengerich

Natürlich spielte „Wir sehen uns zu Hause“ am Freitag eine tragende Rolle bei der jüngsten Kulturforum-Veranstaltung. Wollte Autorin doch ihrem Roman, der eben diesen Titel trägt, vorstellen. 

Die gebürtige Lengericher Christiane Wünsche nahm das Publikum des Kulturforums bei ihrer Lesung aus ihrem neuesten Roman „„Wir sehen uns zu Hause“ mit auf eine Zeitreise unter anderem nach Rügen, in die Uckermark und nach Thüringen Foto: Detlef Dowidat

Die Anspannung war Christiane Wünsche anzumerken. Die Frage „Bin ich hier angekommen in meinem Geburtsort?“ scheint in ihren Gesichtszügen erkennbar zu sein zu Beginn ihrer Lesung aus ihrem neuesten, ihrem dritten Roman „Wir sehen uns zu Hause“. Das zahlreich erschienene Publikum der Veranstaltung des Kulturforums, einer Stiftung der Stadtsparkasse, zog die Schriftstellerin schnell in ihren Bann mit ihren liebevollen Erzählungen und Lesepassagen. Christiane Wünsche sah sich angekommen und aufgenommen in ihrem zu Hause, ihrem Geburtsort Lengerich.

„Ich freue mich, dass ich eingeladen wurde und dass ich hier sein darf. Es ist schon etwas Besonderes, in der Heimat meiner Großeltern und Eltern vortragen dürfen“, verriet Wünsche den Zuhörerinnen und Zuhörern, darunter viele aus ihrer Verwandtschaft. Sie ist die Enkelin des früheren Lengerich Pfarrers Georg Neuhaus, der unter anderem den Bau der Johanneskirche mitgetragen hat, die 1962 eingeweiht wurde. Die Autorin erzählte, dass sie schon in jungen Jahren mit ihren Eltern nach Kaarst am Niederrhein umzog.

„Ich habe Lengerich nie aus den Augen verloren“, verriet Christiane Wünsche. Sie habe sich immer gefreut auf den Besuch am Teuto. „Wir fuhren über die A 1. Und wenn wir die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal passierten, wusste ich, ich bin in der Heimat angekommen. Allein schon wegen der roten Ziegeldächer. Im Rheinland sind die schwarz“, bemerkte die Schriftstellerin. Und fuhr fort: „Lengerich ist für mich keine x-beliebige Stadt. Lengerich bedeutete für mich immer Ferien, Abenteuer, Wohlfühlen. Wie habe ich mich stets gefreut auf Besuche der Freilichtbühne in Tecklenburg, den Märchenwald und die Sommerrodelbahn in Ibbenbüren und das Baden in der Buddenkuhle. Und der große Garten des Pfarrhauses in Stadtfeldmark, der begeisterte mich immer wieder. Da haben wir gespielt, rumgetobt und Kaninchen gejagt.“ Es sprudelt förmlich aus Christiane Wünsche heraus bei ihren Kindheitserinnerungen und stellt dann fest: „Glücklich ist der, der eine Heimat hat.“

Lengerich hat sicherlich auch etwas damit zu tun, dass sie in ihren Romanen viel über Heimat schreibt. Auch in ihrem neuesten Werk „Wir sehen uns zu Hause“, welches sie am Freitag in Lengerich vorstellte. Es handelt vom Reisen im eigenen Land und vom Ankommen bei sich selbst. Sie schreibt über Anne, die völlig unerwartet ihren Mann verliert und feststellen muss, dass sie kaum etwas über dessen früheres Leben weiß. Statt wie geplant mit ihrem Mann im Wohnmobil nach Skandinavien zu reisen, begibt sich Anne ganz allein, nur mit einer kleinen Kiste alter Fotos auf Spurensuche in der ehemaligen DDR, aus der ihr Mann stammte. Christiane Wünsche, selbst bekennende Camperin, gibt in ihrem Roman ganz viele Einblicke in die ostdeutsche Vergangenheit. Schon bei der Lesung der wenigen Passagen wird deutlich: Das Buch lässt sich leicht und schnell lesen und nimmt einen mit auf die Reise unter anderem nach Rügen, in die Uckermark und nach Thüringen.

Für Bürgermeister Wilhelm Möhrke war es der in seiner Begrüßung versprochene unterhaltsame und auch spannende Abend. Am Schluss fragte er die Autorin mit Lengericher Wurzeln, wie viel ihrer eigenen Persönlichkeit in der Hauptperson ihres neuen Romans steckt. „Anne ist viel impulsiver als ich“, antwortete Christiane Wünsche mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht.

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