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Von einem der auszog, einen Impftermin zu buchen

Viele vergebliche Versuche

Wer über 60 Jahre alt ist, kann sich gegen Corona impfen lassen. Doch wie schon beim Start der Impfkampagne zeigte sich nun erneut, dass sowohl die digitalen als auch die telefonischen Anmeldesysteme dem Ansturm nicht gewachsen sind. Was das für Impfwillige bedeutet? Ein Redaktionsmitglied hat es am eigenen Leib erfahren und schildert seine Erlebnisse vom Wochenende.

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Menschen, die älter als 60 sind, können sich impfen lassen – wenn es ihnen gelungen ist, einen Termin zu ergattern. Foto: Marius Becker/dpa

Den ganzen Freitag über der Gedanke „Du musst einen Impftermin buchen“. Am Samstag dann kurzes Erschrecken, schon kurz nach 9 Uhr. Anrufen oder online buchen? Übers Internet, die 116 117 ist bestimmt überlaufen.

PC an, eingeloggt, www.116117.de aufgerufen. „Bitte melden Sie sich an“. Kein Problem, E-Mail-Adresse eingeben, Kennwort vergeben, absenden. „Sie erhalten an die angegebene E-Mail-Adresse einen Link“, ploppt ein Hinweis auf. Schön, läuft!

Eine halbe Stunde später ist die E-Mail immer noch nicht da, weitere 15 Minuten vergeben. Immer noch keine E-Mail erhalten. Also nochmal auf www.116117.de gehen, noch mal anmelden, noch mal ein Kennwort vergeben, noch mal der Hinweis auf die kommende E-Mail mit dem Link.

Inzwischen ist es kurz nach 10 Uhr. Online, das wird nichts. Da bin ich mir nun sicher. Also der Griff zum Telefon. Der Kreis Steinfurt hat ja eine extra Nummer für die Über-60-Jährigen angegeben, wo die direkt einen Termin buchen können. 08 00/116 117 02 gewählt — „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Läuft. Also wird die 116 117 eingetippt, Bandansage, erstmal die 1 drücken, dann noch mal. „Die augenblickliche Wartezeit beträgt sechs Minuten“ höre ich. Da ich ein geduldiger Typ bin, schrecken mich die 360 Sekunden nicht. Naja, dauert am Ende knapp acht Minuten, aber dann habe ich eine Frau in der Leitung. Mit Mühe und Not verstehe ich, dass sie mir in gebrochenem Deutsch erklärt, ich sei in der falschen Leitung, im Bundesgesundheitsministerium gelandet. Schönen Dank, schöne Ostertage, ich lege auf. „Die hat so holprig gesprochen wie die ganze Impfkampagne läuft“, schießt es mir durch den Kopf.

In den nächsten vier Stunden drücke ich ungezählte Male die Wahlwiederholungstaste. Standardsatz, den ich mir nur zu Beginn komplett anhöre: „Aufgrund des hohen Aufkommens sind alle Leitungen besetzt.“ Aber ich bleibe dran. Gegen 14 Uhr dann mal wieder die 116 117 02 gewählt — oh Wunder, ich komme durch. Ein netter Mann meldet sich, will dann Namen, Anschrift, Geburtsdatum und gewünschtes Impfzentrum wissen. „Fast geschafft“, freue ich mich innerlich. Doch die kalte Dusche kommt: „Am Flughafen Münster/Osnabrück sind keine Termine mehr frei.“ Dazu der freundliche Rat, mich ab dem 6. April bei meinem Hausarzt zu melden zwecks Impftermin. Tja, das war’s dann.

Nicht ganz. Am Samstagabend kommt die E-Mail mit dem Link zur Terminvereinbarung. Ich will mich einwählen, aber das am Vormittag gewählte Kennwort wird nicht akzeptiert. Also neu anmelden, klappt alles — bis zur Terminvereinbarung. Nix mehr frei. Hätte mich auch gewundert, wenn ich noch einen Termin erhalten hätte. Neugierig klicke ich alle Tage bis Ende Mai an. Nichts zu machen.

Eigentlich hätte ich gedacht, damit hätte sich die Sache erledigt. Aber da ist ja noch die zweite Akkreditierung von Samstag. Am Sonntagmorgen kommt wieder eine E-Mail mit einem Link zur Terminvereinbarung. Diesmal klappt’s mit dem Kennwort — Termine sind allerdings nicht mehr frei, auch nicht im Juni. Spontan fällt mir ein, dass ich ja in D-land lebe. Wobei das D wohl auch für Deutsch steht, in diesem Zusammenhang aber eher mit Dilettantismus gleichzusetzen ist. Digitalwüste Deutschland, denke ich noch.

Ob ich besser getrommelt hätte?

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