1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lengerich
  6. >
  7. Von den Nazis geehrt und gefördert

  8. >

Antrag der Grünen: Karl-Wagenfeld-Straße umbenennen

Von den Nazis geehrt und gefördert

Lengerich

Geht es nach den Grünen, bekommt die Karl-Wagenfeld-Straße einen neuen Namen. Die Ratsfraktion hat jetzt einen entsprechenden Antrag gestellt und verweist zur Begründung unter anderem darauf, dass Wagenfeld „Sympathisant der nationalsozialistischen Ideologie“ gewesen sei.

Paul Meyer zu Brickwedde

Die Karl-Wagenfeld-Straße ist eine Wohnstraße zwischen Bodelschwinghstraße und Südring, benannt nach dem 1939 verstorbenen Dichter und Heimatfunktionär Karl Wagenfeld.. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Lengerichs Grüne setzen sich dafür ein, die Karl-Wagenfeld-Straße umzubenennen. Die Ratsfraktion hat jetzt einen entsprechenden Antrag gestellt und verweist zur Begründung unter anderem darauf, dass Wagenfeld „Sympathisant der nationalsozialistischen Ideologie“ gewesen sei. In den Prozess der Umbenennung miteingebunden werden sollen demnach auch die Anwohner.

Eine intensive Diskussion um Straßenumbenennungen hat es in der Stadt bereits vor gut acht Jahren gegeben. Auslöser war damals der Hinweis eines Bürgers, der auf die Verstrickung des Mediziners Julius Hallervorden in die Euthanasie-Verbrechen der Nazis hingewiesen hatte. In der Folge prüfte die Stadtverwaltung auch weitere Namen. Neun an der Zahl waren es, darunter Richard Wagner und Bertolt Brecht. Aber auch Karl Wagenfeld nahm Stadtarchivar Wolfgang Berghoff seinerzeit bereits in den Fokus und informierte zu seiner Person im Kulturausschuss. Berghoff stellte fest, dass der westfälische Dichter als Repräsentant einer rassistischen Weltanschauung eingestuft werde, für den „Neger Kaffern und Hottentotten“ Halbtiere gewesen seien und der „Fremdrassige“ als „Volksverderber und Schädlinge“ eingestuft habe.

Trotz dieser Ausführungen war die Karl-Wagenfeld-Straße schließlich nicht bei jenen Straßen, die umbenannt wurden. Nicht mehr mit Straßennamen geehrt wurden schließlich, begleitet vom Widerstand einiger Anwohner, Hermann Simon, Julius Hallervorden und Ernst Kretschmer, allesamt Psychiater, denen nicht zuletzt völkisches Gedankengut und eine Nähe zum Nationalsozialismus angelastet wurde.

Die Grünen erinnern nun daran, dass die Umbenennung der Karl-Wagenfeld-Straße 2013 nicht weiter verfolgt worden sei, weil Wagenfeld bereits 1939 verstorben war. Sie führen in ihrem Antrag zugleich an, dass es in vielen anderen westfälischen Kommunen Umbenennungen gegeben habe, darunter Ibbenbüren, Emsdetten und Rheine.

Weiter stellen die Grünen zu Wagenfeld fest: „Schon lange vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten vertrat er ihre rassistischen Ideologien.“ Weiter heißt es: „Der bestehende Straßenname zu Ehren von Karl Wagenfeld ist aus heutiger Sicht verbunden mit unseren heutigen Werten und Moralvorstellungen und auf dem Hintergrund unserer nationalsozialistischen Geschichte nicht mehr zu vertreten.“

In Münster hatte eine Kommission bereits im Juni 2011 die Umbenennung der dortigen Wagenfeldstraße empfohlen. Zur Begründung hieß es: „Maßgeblich für das Votum war, dass Wagenfeld sich aus voller Überzeugung, nicht aus opportunistischen Gründen, dem NS-Regime angedient hat. Auf seine Arbeit vor 1933 konnte die nationalsozialistische Ideologie aufbauen.“

Wagenfeld wurde 1869 in Lüdinghausen geboren. Er war zunächst Volksschullehrer, dann Herausgeber der „Heimatblätter für die Rote Erde“ und Geschäftsführer des Westfälischen Heimatbundes. Er wurde überregional durch Vorträge und Veröffentlichungen über das westfälische Volks- und Brauchtum sowie die plattdeutsche Sprache bekannt. Erfolg hatte er auch mit Gedichten, Erzählungen und Bühnenstücken. Die Uni Münster konstatiert zum Schaffenswerk Wagenfelds, dass er, wie viele in der Heimat- und Völkischen Bewegung, ein Menschenbild vertreten habe, „dass der Blut- und Boden-Ideologie des Nationalsozialismus nahe stand“.

Im April 1933 wurde er Mitglied der NSDAP. In einem Brief schrieb er dazu: „Was ich da an Eindrücken gewonnen habe, hat mir die unbedingte Notwendigkeit klar gemacht, dass ich, wenn meine Lebensarbeit nicht geschädigt werden soll, unbedingt der NSDAP beitreten muss.“ 1939 wurde ihm von den Nazis der Westfälische Literaturpreis verliehen, bereits 1941 wurde in Arnsberg nach ihm eine Straße benannt.

Startseite