Mädchen-Mehrheit am Gymnasium
Weiblich, fleißig, ehrgeizig
Lengerich
Am Hannah-Arendt-Gymnasium sind die Mädchen laut einer Statistik des statistischen Landesamt klar in der Mehrheit. Schulleiterin Angelika Heitmann überrascht das nicht. Sie sagt, ihre weiblichen Schülerinnen seien im Schnitt fleißiger und ehrgeiziger.
Sind Mädchen die besseren Schüler? Wer die Zahlen des statistischen Landesamtes sieht, könnte zu diesem Schluss kommen. Zumindest auf Lengerich bezogen.
Derzeit, so IT-NRW, besuchen 2766 Kinder und Jugendliche neun Schulen in der Stadt. Davon gehen 1781 zu den Haupt- und Realschulen sowie zum Gymnasium. An der Hauptschule sind Jungen mit gut 60 Prozent klar in der Mehrheit. An den beiden Realschulen ist das Verhältnis der Geschlechter in etwa gleich (Mädchen 47,8 Prozent, Jungen 52,2 Prozent). Und am Hannah-Arendt-Gymnasium schließlich sind die Mädchen mit 57,1 Prozent klar in der Überzahl.
Schulleiterin Angelika Heitmann überraschen die Werte nicht. Seit Jahren sei dieses Ungleichgewicht zu beobachten. Die Zahlen für die vergangenen drei Schuljahre hat sie direkt parat: 2013/14 waren am HAG 459 Mädchen und 380 Jungen, 2014/15 dann 456 Mädchen und 364 Jungen, 2015/16 schließlich lag das Verhältnis bei 476 zu 360.
Beim Übergang von der Grundschule in die fünften Klassen seien die Verhältnisse noch nicht so klar, sagt Heitmann. Das bilde sich nach und nach heraus und zeige sich schließlich auch beim Abitur. Im Schnitt hätten Mädchen dann bessere Zeugnisse als die Jungen. Ihrer Ansicht nach liegt das nicht daran, dass der männliche Teil ihrer Schülerhaft weniger auf dem Kasten hat als der weibliche. Die Gymnasiastinnen seien alles in allem einfach fleißiger, zielstrebiger und ehrgeiziger, stellt die Pädagogin fest. „Und sie sind heute auch viel selbstbewusster als früher.“
Diese Entwicklung hat inzwischen zu Konsequenzen geführt. Von einer speziellen Förderung von Mädchen, wie es sie einst gegeben habe, könne keine Rede mehr sein. Vielmehr gehe es längst darum, Jungen zu pushen.
Sich einer bestimmten Klientel verstärkt widmen, das gibt es am HAG noch in einem anderem Bereich. Die Statistik von IT-NRW besagt, zwar, dass der Ausländeranteil am Gymnasium mit 1,5 Prozent weit unter dem Lengericher Schnitt von 8,3 Prozent ist. Aber rechnet man jene Schüler hinzu, die einen Migrationshintergrund haben, steigt der Anteil auf fast 25 Prozent.
Vietnam, Sri Lanka, Lettland, Polen, Kasachstan – Heitmann nennt einige Herkunftsländer, um die Internationalität ihrer Schule zu belegen. Und der eine oder andere ihrer Schützlinge, die nicht aus Deutschland stammen, ist in einer besonderen Situation mit besonderem Förderbedarf.
Als Beispiel nennt die Schulleiterin einen jungen Rumänen, der zuletzt sechs Jahre in Spanien die Schule besucht hatte und nun am HAG ist. „Wir schicken solche Schüler nicht weg, sondern versuchen, sie einzugliedern“, sagt Heitmann. Was nicht ganz einfach sein dürfte. Denn der Neuling beherrscht ihren Worten zufolge weder die deutsche noch die englische Sprache. Grundsätzlich, erklärt die Schulleiterin weiter, gehe es darum, ob jemand das Potenzial fürs Gymnasium habe.
Für die Zukunft rechnet sie vor allem mit einer steigenden Zahl von Schülern aus dem EU-Ausland. Selbst wenn die Eltern kaum oder gar kein Deutsch sprechen, würden sie heute großen Wert auf eine gute Bildung legen. „Die wollen manchmal unbedingt, dass die Kinder zu uns kommen.“
Startseite