Sternenkinder-Beratungsstelle bietet besondere Supervision

Wenn Fachleute an ihre Grenzen stoßen

Lengerich

Der Tod eines Kindes während oder kurz nach der Geburt, ist oft auch für Ärzte, Krankenschwestern und andere Fachkräfte ein Ereignis, das sich psychisch nicht einfach beiseite schieben lässt. Die Bethanien Sternenkinder Beratungsstelle in Lengerich bietet zu dem Thema für Angehörige der verschiedenen Berufsgruppe eine spezielle Supervision an.

Uli Michel und Norbert Muksch leiten und begleiten die zweiteilige Supervision. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es ist ein Ereignis, das einfach nur fassungs- und oft auch sprachlos macht: Ein Kind stirbt während oder kurz nach der Geburt. Neben den Eltern und deren Familien sind andere Personen von einer solchen Situation ebenfalls betroffen und müssen damit irgendwie umgehen. Nur wie? Die Bethanien Sternenkinder Beratungsstelle in Lengerich, die ihre Dienste in der Region Münster/Osnabrück anbietet, veranstaltet dazu eine zweiteilige sogenannte Supervision.

Uli Michel, Leiterin der Beratungsstelle, Hebamme, Sterbeamme und Traumfachberaterin, und der Theologe und Sozialarbeiter Norbert Muksch, der auch als Trauerbegleiter tätig ist, versammeln an zwei Tagen eine kleine Gruppe um sich. Zwei Hebammen haben sich angemeldet, eine Trauerbegleiterin und eine Polizistin. Begonnen haben sie ihr erstes Treffen am Mittwoch mit einem gegenseitigen Kennenlernen. Direkt danach besteht die Möglichkeit, eigene Erlebnisse zu schildern. „Diese Fälle“, sagt Norbert Muksch, „werden dann in der Runde durchgesprochen.“ Er und Uli Michel wollen so auch erfahren, „wer was im Rucksack hat“.

Bei der weiteren Aufarbeitung gehe es nicht um richtig oder falsch und schon gar nicht um Bewertungen. Vielmehr führe die Resonanz durch die Gruppe, das gemeinsame Durch- und Überblicken der Erlebnisse dazu, „dass viele erleichtert und/oder gestärkt nach Hause gehen“, berichtet der Theologe von seinen Erfahrungen.

Die Supervision solle so die Möglichkeit der Reflexion und Verarbeitung bieten. Etwas, das in den entsprechenden Berufsfeldern eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, findet Uli Michel. Aber noch habe sich so etwas nicht fest etabliert, auch wenn das Interesse zunehme. Norbert Muksch spricht gar davon, dass das Angebot „auch Burnout-Prophylaxe ist“.

Die beiden Fachleute sagen deutlich, dass sie keine Patentrezepte haben, wie eine Krankenschwester, ein Seelsorger oder Arzt reagieren sollen, wenn ein Kind stirbt. Es sei ein Lernprozess, mit solchen Extremsituationen umzugehen und sie zu verarbeiten.

Wichtig sei aber anzuerkennen, dass die Eltern und deren Trauer über allem anderen stehe. Im Zweifel könne das für die Menschen drumherum auch einmal bedeuten, den eigenen Helferimpuls zu unterdrücken und sich zurückzunehmen, wenn deutlich werde, dass Mutter und Vater einfach nur schweigen oder allein sein wollen. Norbert Muksch erklärt derlei Reaktionen damit, das das „Zumachen für die Betroffenen Schutz bedeutet“.

Uli Michel nennt die Begriffe Achtsamkeit und Feinfühligkeit, um die es gehe. Denn, ergänzt Norbert Muksch, „psychosoziale Arbeit ist nicht berechenbar“. Und gehe es um Schicksale, sei es völlig normal, wenn Menschen an ihre Grenzen kämen.

Die Bethanien Sternenkinder Beratungsstelle hat ihr Büro an der Kienebrinkstraße 15a in Lengerich. Erreichbar ist sie unter

 0 54 81/ 32 66 239 und E-Mail sternenkinder-ms-os@bethanien-stiftung.de. Mehr Informationen gibt es online unter www.bethanien-sternenkinder.de.

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