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Pfarrer Peter Kossen fordert schnelles Handeln

„Wer impft Arbeitsmigranten?“

Lengerich

In der Diskussion um Impfungen gegen das Coronavirus sieht Peter Kossen eine Gruppe ins Hintertreffen geraten. Der katholische Pfarrer und Vorsitzende des Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ fordert, Arbeitsmigranten nicht außen vor zu lassen.

wn

Peter Kossen ist leitender Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen in Lengerich und Vorsitzender des Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“.. Foto: Johannes Hörnemann

Peter Kossen fordert eine bessere Aufklärung und die schnellstmögliche Impfung der großen Gruppe ost- und südosteuropäischer Arbeitsmigranten. „Aufgrund vielfach unmenschlich harter Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, in Ausstallkolonnen oder als Paketzusteller haben wir es mit einer Vielzahl von Infektionen und schweren und tödlichen Verläufen der Corona-Erkrankung bei den Arbeitern und Arbeiterinnen in diesen Branchen zu tun“, sagt der Pfarrer.

Er verweist in einer Pressemitteilung auf die andauernd hohen Infektionszahlen im Umfeld der Fleischindustrie. „Die Totalerschöpfung dieser Menschen ist die Normalität. Als Wegwerfmenschen werden sie verschlissen und in großer Zahl infiziert,“ kritisiert er.

In den Schrottimmobilien, die häufig als Unterkunft dienten, und ihren oft viel zu kleinen, schlecht belüfteten und mehrfach belegten Zimmern finde man nicht selten ausgeprägte Schimmelbeläge an den Wänden, direkt neben den Pritschen. Erschwerend hinzu komme die Tatsache, dass zunehmend ganze Familien von Arbeitsmigranten mit ihren Kindern in gesundheitsgefährdenden Unterkünften hausten.

Peter Kossen erinnert in diesem Zusammenhang an einen Erlass des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit dem Titel: „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard“. Dieser Erlass ist schon ein Jahr alt. Er ordnet unter Punkt II.5 („Infektionsschutzmaßnahmen für Sammelunterkünfte“) an: „Für die Unterbringung in Sammelunterkünften sind möglichst kleine, feste Teams festzulegen, die auch zusammenarbeiten. (…) Grundsätzlich ist eine Einzelbelegung von Schlafräumen vorzusehen. Eine Mehrfachbelegung von Schlafräumen ist grundsätzlich nur für Partner beziehungsweise enge Familienangehörige statthaft. Es sind zusätzliche Räume zur frühzeitigen Isolierung infizierter Personen vorzusehen . . .“ Peter Kossen „kann nicht erkennen, dass die Umsetzung dieser wichtigen Vorschrift irgendwo kontrolliert wird“.

Die mangelnde Sprachkenntnis verschärfe das Problem, stellt der Vorsitzende des Vereins „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ fest. Viele Arbeitsmigranten würden wenig oder gar nicht Deutsch sprechen. Informationen, Warnungen und Sicherheitsvorschriften kämen so nur bruchstückhaft oder überhaupt nicht bei den Adressaten an. Notwendige Informationen zur Pandemie und zur Impfung dagegen erreichten die Arbeitsmi-granten vielfach nicht, kritisiert er. „Sie leben in einer dunklen Parallelwelt, sind eine Geisterarmee. Wer kümmert sich? Wer trägt Sorge dafür, dass nicht gerade die in großer Zahl durch das Netz fallen, die besonders gefährdet sind?“, fragt der leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen.

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