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Orkantiefs halten Einsatzkräfte auf Trab, verursachen aber keine größeren Schäden

„Ylenia“ und „Xandra“ sind gnädig

Lengerich/Ladbergen/LIENEN/Tecklenburg

Glimpflich davongekommen ist das Tecklenburger Land, als die Sturmtiefs Xandra und Ylenia in der Nacht zu Donnerstag durchzogen. Am Tag danach ziehen Feuerwehren, kommunale Bauhöfe, Bahn und RVM Bilanz.

Von Joke Brocker, Dietlind Ellerich, Ruth Jacobus und Paul Meyer zu Brickwedde

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sowie am Donnerstagvormittag war die Feuerwehr Lengerich im Einsatz, um die Straßen von umgestürzten Bäumen zu befreien, wie hier an der Ladberger Straße.An der Leedener Straße nahe der Autobahn ließ der Orkan einige Fichten umfallen. Foto: Thorsten Budzinski/Feuerwehr LengerichGernot Gierschner

Die Orkantiefs „

Ylenia“ und „Xandra“ haben in Lengerich und Umgebung keine allzu heftigen Spuren hinterlassen. Vor allem Bäume fielen den starken Stürmen in größerer Zahl zum Opfer. Darüber hinaus registrierten die Einsatzkräfte jedoch nur wenige Schäden. Massiver betroffen war hingegen, wer mit dem Zug fahren wollte: Die Eurobahn informierte darüber, dass der Betrieb des RB 66 am Donnerstag von 5.39 Uhr bis Mitternacht eingestellt sein sollte; beim RE 2, so die Deutsche Bahn am Donnerstag, „kann es noch vereinzelt zu Verspätungen und gegebenenfalls zu Teilausfällen kommen“.

Das Gros der sturmbedingten Einsätze, die die Lengericher Feuerwehr in der Nacht zu Donnerstag in Atem hielten, war nach Aussage von Wehrführer Thorsten Budzinski „Routine“. Zwischen 2.25 Uhr und 9 Uhr seien drei Fahrzeuge und 15 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Zumeist galt es, Fahrbahnen von umgestürzten kleinen oder mittleren Bäumen zu befreien, die der orkanartige Wind entwurzelt oder umgeworfen hatte. Allerdings gab es auch einen Einsatz von „hoher Dringlichkeit“.

Dieser führte die Besatzungen dreier Feuerwehr-Fahrzeuge um 2.25 Uhr auf die A 1. Zwischen dem Rasthof Tecklenburger Land und der Autobahnausfahrt Lengerich war ein Baum umgestürzt und ragte einen halben Meter in die Fahrbahn. Ein Lkw-Fahrer konnte nicht mehr ausweichen, so dass sich ein Ast in die Frontscheibe der Fahrerkabine bohrte. „Glücklicherweise war es die Beifahrerseite“, sagt der Wehrführer, „der Fahrer blieb unverletzt.“ Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben rund 20 Minuten im Einsatz, um die Fahrbahn freizuräumen.

Die Einsätze im gesamten Stadtgebiet (unter anderem Ladberger Straße, Südring, Wechter Mark, Antruper Straße, Brochterbecker Straße, Tecklenburger Straße, Overbecker Damm, Feldkamp) hätten nach und nach abgearbeitet werden können, berichtet Budzinski. Bei 15 von 16 Einsätzen sei es darum gegangen, Fahrbahnen von Bäumen und Ästen zu befreien. Bei einem Einsatz galt es, den Absturz eines Reklameschilds der Bäckerei Kiepenkerl zu verhindern. Oberste Priorität hätten bei all diesen Einsätzen natürlich die Hauptstraßen und Autobahnen gehabt, die von Hindernissen befreit werden mussten.

Für die kommenden Tage warnt Budzinski vor Waldspaziergängen. Und mit Blick auf einen weiteren Sturm, der für Freitag angekündigt ist, betont er, dass die Feuerwehr auf solche Ereignisse vorbereitet und dass die Sicherheit der Bürger in jedem Fall gewährleistet sei, da immer mehrere Fahrzeuge parallel im Einsatz seien.

Björn Lindner, Sprecher der RVM, sagte am Donnerstagmittag, dass es in der Region lediglich „eine kleinere Störung gegeben habe“. Betroffen war demnach zwischen 7 und 8 Uhr die Strecke zwischen Lengerich und Leeden. Die Bergstraße sei während dieser Zeit durch einen Baum blockiert worden.

Das Beseitigen umgestürzter Bäume war auch die Hauptaufgabe mehrerer Trupps des kommunalen Baubetriebshofes. Dessen Leiter Manfred Korte berichtete, dass insgesamt elf Mitarbeiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt seien, zwei weitere seien in der Zentrale, unter anderem um Meldungen aufzunehmen und weiterzugeben. Klar war zum Mittag bereits, dass bis zum Feierabend nicht überall die Spuren des Sturms beseitigt sein würden. Und angesichts der weiteren Wetteraussichten prognostizierte Korte, dass es wohl noch einiges an Arbeit geben werde. „Aber es war schon viel schlimmer“, lautete sein „Ylenia“-Fazit.

Glimpflich davongekommen ist Stand Donnerstagmittag auch Ladbergen. „Wir hatten eine ruhige Nacht“, stellt Andreas Keuer, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr, fest. Erst ab dem Morgen gab es vier Einsätze. An der Goethestraße, am Hölter Feld und am Kuhweg mussten Bäume beseitigt werden, die das Unwetter auf die Straße hatte kippen lassen. Personen- und anderen Sachschaden habe es nicht gegeben. Dies bestätigt Henri Eggert, Mitglied der Wehr und Verwaltungsmitarbeiter. Der Bauhof habe nicht hinausfahren müssen. Eggert und Keuer sehen Verwaltung und Wehr mit Blick auf das kommende Sturmtief „Zeynep“ gut gewappnet. „Die Männer wissen, dass sie eventuell nachts zum Einsatz müssen“, sagt Keuer. Zudem seien Firmen kontaktiert worden, die gegebenenfalls schweres Gerät zur Verfügung stellen, ergänzt Eggert.

Als „Warmlaufen“ für das, was am Wochenende mit Sturmgeschwindigkeiten mit bis zu 140 km/h drohen könnte, bezeichnet Eckhard Ehmann, Leiter der Lienener Wehr, die acht Baum-Einsätze am Donnerstagmorgen. Die Wehr habe entsprechende Vorkehrungen getroffen und Alarmierungspläne erstellt. „Eine Herausforderung in Pandemie-Zeiten, in denen es gilt, die Einsatzgruppen nicht zu mischen“, macht Ehmann deutlich.

Ab 1.28 Uhr war die Feuerwehr Tecklenburg unterwegs. Bis Donnerstag um 10 Uhr wurden 17 Einsätze abgearbeitet. Schon auf den jeweiligen Anfahrten wurden zahlreiche Gefahrenstellen beseitigt. In den meisten Fällen waren Bäume auf die Straße oder auf Telefonleitungen gekippt. Zudem mussten Bauzäune und Zelte gesichert werden.

Für mehrere Stunden wurde aus Sicherheitsgründen die Herkenstraße zwischen Leeden und Lengerich für den Verkehr gesperrt. Dort waren immer wieder Bäume auf die Fahrbahn gefallen beziehungsweise drohten umzukippen. Im Einsatz waren die Löschzüge Ledde, Leeden und Tecklenburg. Die Kameraden aus Brochterbeck brauchten nicht tätig zu werden.

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