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Welt-Parkinson-Tag: Wie der Lengericher Klaus Büscher mit der Krankheit lebt

Zurück aus einem ganz tiefen Loch

Lengerich

Klaus Büscher hat Parkinson. 2016 erhielt der Lengericher die Diagnose. Anlässlich des Welt-Parkinson-Tages berichten er und seine Frau, was das mit ihnen und ihrem Leben gemacht hat.

Luca Pals

Karin und Klaus Büscher zusammen mit Irmel Wenzel, die Leiterin der Parkinson-Selbsthilfegruppe Ibbenbüren und Tecklenburger Land (von links). Foto: Luca Pals

„„Ich wollte es nicht wahrhaben. Ich und Parkinson? Das war für mich wie ein schlechter Scherz.“ Klaus Büscher erinnert sich genau an jenen Tag im Jahr 2016. Damals wurde ihm die Diagnose gestellt: Parkinson, eine bis heute unheilbare Krankheit. In den darauffolgenden Tagen sei er abgerutscht: „Ich bin in ein ganz tiefes Loch gefallen, habe Depressionen bekommen und hatte keinen Lebenswillen mehr.“ Für ihn, Polizist und leidenschaftlicher Sportler, brach eine Welt zusammen – durch eine Krankheit, über die er kaum etwas wusste. Heute, etwa fünf Jahre später, steht der Lengericher wieder mitten im Leben. Dank einer Selbsthilfegruppe, seiner Ehefrau Karin und ganz viel Eigenantrieb.

Parkinson war für Klaus Büscher vor jenem Tag 2016 vor allem eines: „Das Zittern von Händen und Armen.“ Nach der Diagnose lernte er: „Es gibt viele Symptome, die ich, wie viele andere, zuerst auf das Alter geschoben habe.“ Tatsächlich wird die Erkrankung meist im Alter zwischen 55 und 60 Jahren festgestellt. „Es gibt aber natürlich auch einige, die es vorher trifft“, sagt Klaus Büscher.

Bereits 2010 hat er schleichend seinen Geruchssinn verloren. Später hing immer öfter der rechte Arm herunter, langsames Loslaufen und ein wackliger Gang gehörten nun zu seinem Alltag, den er zuvor mit Handball, regelmäßigem Joggen und zahlreichen Wandertouren sein Leben stets sportlich geführt hatte. Als ihn ein Orthopäde darauf aufmerksam machte, dass er Parkinson haben könnte, hakte das Klaus Büscher zunächst mit einem Abwinken ab. Doch der Mediziner sollte recht behalten.

Ehefrau Karin sagt über den Zeitpunkt, als es keine Zweifel mehr gab: „Das war ein wirklicher Schock für mich. Auch deswegen, weil wir nicht informiert waren.“ Klaus Büscher ergänzt: „Der Partner oder die Partnerin ist bei dieser Diagnose förmlich miterkrankt. Das fordert auch die Menschen im Umfeld sehr.“

Damit sind natürlich auch Freunde und Bekannte gemeint. „Ich hatte Hemmungen, das zu erzählen, kam irgendwann aber nicht mehr drumherum. Darüber zu reden und offen damit umzugehen, hat in meinem weiteren Umfeld viel verändert. Niemand kam mir komisch und jeder respektiert meinen Wunsch ,so viel Hilfe wie nötig und so wenig Hilfe wie möglich‘“, erzählt der Lengericher von seinen Erfahrungen.

Heute wissen Klaus und Karin Büscher, was Irmel Wenzel von der Selbsthilfegruppe Ibbenbüren und Tecklenburger Land ausspricht: „Auch mit Parkinson kann man im Leben glücklich werden.“ Der Schlüssel dazu: Medikamente, aber vor allem Sport und soziale Vernetzung.

Durch einen Zeitungsbericht wurde Klaus Büscher auf die Selbsthilfegruppe aufmerksam: „Das erste Mal war ganz komisch für mich. Ich hatte große Hemmungen.“ Auch deswegen, weil er in der Gruppe „einige Fälle mit sehr schwerem Verlauf“ sah und er selber stets die Bilder von Box-Legende Muhammad Ali vor Augen hatte. Dieser litt unter einem starken Parkinson-Verlauf. Aber gerade in der Gruppe habe er gelernt: „Parkinson ist nicht gleich Parkinson.“ Der Austausch in der Gruppe, das Stellen von auf der Zunge liegenden Fragen und die Vernetzung unter Gleichgesinnten hätten ihm Sicherheit und neuen Lebensmut gegeben. Mittlerweile führt er, der seit vier Jahren im Ruhestand ist, eine sogenannte Smovey-Gruppe für sportliche Aktivitäten, ist Ansprechpartner der Gruppe für Lengerich und entwickelte im Team den aktuellen Flyer der Gruppen aus Ibbenbüren, Greven und Rheine. Er will aufklären, weil ihm Informationen am Anfang gefehlt und mit der Zeit sehr geholfen haben.

Wegen Corona ruhen die zahlreichen Aktivitäten der Selbsthilfegruppe aktuell. Das mache sich bemerkbar: „Nicht nur die Gespräche, auch die Bewegung fehlt.“ Regelmäßiger Sport und kleine Tricks, wie das Zähneputzen auf einem Bein, um das Gleichgewicht zu trainieren, gehören aber weiter zu Klaus Büschers Alltag: „Sich körperlich, aber auch im Kopf fit zu halten, ist unfassbar wichtig“, sagt er. Er macht damit jenen Hoffnung, die in ein ähnliches Loch gefallen sind wie einst er.

Die Parkinson-Selbsthilfegruppe „Ibbenbüren und Tecklenburger Land“ ist über Irmel Wenzel ( 0 54 51/15 978) zu erreichen. Ansprechpartner für Lengerich ist Klaus Büscher ( 0 54 81/68 44). Weitere Informationen gibt es unter parkinson-ibb.de.

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