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Landgericht Münster verurteilt Lengericher

Zweieinhalb Jahre Haft für Messerstiche

Lengerich/Münster

Was genau warum passiert ist, ist bis zum Schluss nicht zu klären gewesen. Doch trotz mancher Ungereimtheiten hat das Landgericht Münster einen 41-jährigen Lengericher zu einer Haftstrafe verurteilt, weil der im Juli 2018 einen anderen Mann schwer mit einem Messer verletzt hatte.

Foto: dpa

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ist ein 41-jähriger Mann verurteilt worden, der im Juli 2018 vor einer Gaststätte in Lengerich und anschließend in der Wielandstraße einen 25 Jahre alten Mann mit einem Messer schwer verletzt hatte.

Die 22. Strafkammer des Landgerichts Münster ging in ihrer Entscheidung über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und verhängte schließlich ein Strafmaß, das von Gesetzes wegen nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Der Vorsitzende Richter erklärte in der Urteilsbegründung, dass der Fall mit sehr vielen Ungereimtheiten verbunden sei, die sich auch während der Beweisaufnahme nicht hätten aufklären lassen. Grund dafür waren nicht zuletzt die widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten und einiger Zeugen.

Geringe Menge Kokain im Blut

Im Gegensatz zu Verteidigung und Staatsanwaltschaft ging das Gericht aber nicht davon aus, dass das Tatmotiv ein missglücktes Drogengeschäft war. Laut Einlassung des 41-jährigen Lengerichers hatte dieser von dem 25-Jährigen Kokain kaufen wollen und zunächst darauf bestanden, die Qualität anhand einer kleinen Menge zu testen. Der 25-Jährige habe eingewilligt und auf der Herrentoilette der Gaststätte zwei sogenannte Lines Kokain auf einem Toilettendeckel gezogen. Der Angeklagte gab an, diese konsumiert und dem Geschädigten 160 Euro gegeben zu haben.

Neben dem Umstand, dass der 25-Jährige, der auch als Nebenkläger auftrat, diese Version des Geschehens bestritten hatte, war problematisch, dass im Blut des 41-Jährigen nur eine sehr geringe Menge Kokain festgestellt wurde. Diese habe laut Sachverständigengutachten nur von einem winzigen Punkt einer „zigarettenbreiten Line“ stammen können. Außerdem waren beim 25-Jährigen keine 160 Euro aufzufinden. „Das Einzige, was wir unterstellen konnten, war, dass sie sich um irgendetwas betrogen fühlten und Vergeltung üben wollten“, schlussfolgerte der Vorsitzende Richter.

Unfall kann nicht ausgeschlossen werden

Das Geschehen in der Wielandstraße, wo der 25-Jährige eine Stichwunde in den Brustkorb erlitt, war für die Kammer nicht aufklärbar. Sie habe daher wenig Spekulationen anstellen wollen, wie der Vorsitzende Richter weiter anmerkte. Im Ergebnis verneinte das Gericht das Notwehrrecht des Angeklagten und sah vielmehr das Verhalten des 25-Jährigen durch ein polizeiliches Festnahmerecht gerechtfertigt. Dieser war von dem Lengericher zuvor an der Gaststätte schon am Hals mit dem Messer verletzt worden, hatte deshalb die Polizei verständigt und war dem 41-jährigen dann hinterher geeilt, als dieser sich vom Tatort entfernte.

„Wir sind davon ausgegangen, dass sie sich bedroht gefühlt haben und mit gezücktem Messer in die Auseinandersetzung gegangen sind“, begründete die Kammer ihre Entscheidung. Gleichwohl verneinte das Gericht eine aktive Stichbewegung des Angeklagten, da auch ein Unfallgeschehen nicht ausgeschlossen werden könne.

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