2240 Kilometer durch Deutschland: Christoph Eckstein wandert über den Jakobsweg durch das Münsterland

Auf andere Gedanken kommen

Lienen/Lengerich/...

„Ich wollte einfach raus, mal etwas Anderes sehen und bewusst nicht die Nachrichten verfolgen und von vielem nichts mitbekommen“, sagt Christoph Eckstein. Und deshalb packte er seinen Rucksack, schnürte die Wanderschuhe und machte sich auf den Weg - 2240 Kilometer über den Jakobsweg quer durch Deutschland. Unter der Woche übernachtete er in Lienen bei Familie Hilburg.

Von Luca Pals

Wanderschuhe, Rucksack und Pilgerpass sind immer dabei: 2240 Kilometer will Christoph Eckstein per pedes auf dem deutschen Jakobsweg zurückkehren. Unlängst kehrte er bei Familie Hilburg in Lienen ein. Foto: Privat/Luca Pals

Zum Interview kommt Christoph Eckstein in kurzer Hose und Flip-Flops. Tiefenentspannt wirkt er, als er sich auf die kleine Mauer setzt. Das Motto am Abend: Füße hoch. Denn: Kilometer macht der 31-jährige Thüringer aktuell genug. „Etwa 30 im Schnitt sind es“, gibt der Pilger zu, der am Mittwoch Lienen, Ladbergen und Lengerich durchquert und sich dabei auch einen der offiziellen Stempel für den Jakobsweg abgeholt hat. Stempel für sich selbst und für den guten Zweck.

Von bunten Stempeln reiht sich mittlerweile einer nach dem anderen im ordentlich geführten Heftchen, das seinen festen Platz in der Bauchtasche des Soldaten hat. Münsterland? „Hier war ich noch nie. Aber es steht schon auf meiner Liste für die nächsten Jahre.“ Sowohl die Gastfreundschaft bei Familie Hilburg in Lienen als auch die Landschaft durch ein Waldstück von Lengerich nach Ladbergen und am Kanal bis an die Schleuse von Münster haben es ihm angetan. Dort wurde er am frühen Mittwochabend von einem Bekannten eingesammelt, die letzten Kilometer bis zur Unterkunft der Brüdergemeinschaft der Carisianer wurden mit dem Auto zurückgelegt. Dort, nur einen Steinwurf vom Aasee entfernt, besuchte er das Vespergebet, bekam noch ein Abendessen und konnte schlafen und entspannen: „Das ist wichtig, wenn es am nächsten Morgen wieder losgehen soll.“

Seine Route: Von Hamburg über Bremen, Osnabrück, Münster Richtung Essen und Koblenz, weiter durch Freiburg, Lindau am Bodensee bis München, Dresden, Görlitz und Leipzig zurück in den thüringischen Heimatort. Sein Zeitraum: „Unterwegs bin ich seit dem 18. April. Am 5. Juli muss ich wieder zur Arbeit in der Kaserne erscheinen.“ Und seine Gründe? „Die sind vielfältig.“ Und lassen sich deshalb nicht auf ein paar Worte runterbrechen.

Bereits 2016 und 2019 ist er Teile des Jakobsweges, die ihn durch Frankreich, Portugal und Spanien führten, gelaufen. Unter anderem war sein damals siebenjähriger Sohn dabei. Dieser bleibt mit Bruder und Mutter dieses Mal zuhause. Denn: Eckstein will sich bewusst alleine auf den Weg machen.

Die Reisen vergangener Jahre waren „aus reinem Interesse“, nun geht es ihm um sich selbst und um den guten Zweck. Für die Hospiz-Initiative Gotha, die Aktion Sorgenkinder des Bundeswehr-Sozialwerks sowie die Katholische Familienstiftung für Soldaten sammelt er Spenden: „Jedes dieser Projekte kann jeden Euro gebrauchen. Das spornt natürlich noch einmal an, auch wenn es keine konkrete Summe gibt, die ich erreichen möchte.“

Unter finalcamino.wordpress.com gibt es weitere Informationen dazu, dort kann man auch mit ihm in Kontakt treten und seine Reise verfolgen. Auch in den sozialen Medien hält er Freunde, Bekannte und Interessierte auf dem Laufenden.

Das ist die eine Seite, die andere ist Corona geschuldet: „Ich wollte einfach raus, mal etwas Anderes sehen und bewusst nicht die Nachrichten verfolgen und von vielem nichts mitbekommen.“

Täglich „furchtbare Nachrichten“ und der sich in die Länge ziehende Lockdown seien einerseits der Grund, warum Eckstein den Jakobsweg nicht wie geplant ab Lyon, sondern in Deutschland beschreitet, und andererseits, warum es überhaupt losging: „Dabei habe ich mir Strecken rausgesucht, die mich dorthin bringen, wo ich noch nicht war oder wo ich unbedingt wieder sein wollte.“

Münster und Umgebung stehen nun auf seiner Liste der Orte, die er noch mal besuchen möchte: „Ein Besuch lohnt sich hier auf jeden Fall.“ Bei seiner Übernachtung in Lienen habe er mit Familie Hilburg noch „viele Stunden gequatscht“, insgesamt sei er stets von herzlichen Menschen aufgenommen worden. Dabei vertraut er neben einigen Kontakten, die er auf dem Weg knüpft und die ihm weiter helfen, auf „den lieben Gott da oben“.

Und so sind es vor allem die Begegnungen, die seine Reise ausmachen, ihn auf andere Gedanken bringen und den „Zusammenhalt in der Gesellschaft“ zeigen. Dort, wo Masken aufgesetzt und Abstand eingehalten werden muss, wird dem natürlich gefolgt: „Ich bin manchmal komplett alleine unterwegs, stets an der frischen Luft und kann immer Abstand halten – da sehe ich keine Gefahr.“ Und wenn es mal nicht mit einer Übernachtung klappt? „Dann habe ich immer noch ein Zelt dabei.“

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