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Eine Woche nach Orkantief „Zeynep“

Aufräumarbeiten dauern an

Lienen/Lengerich

In einer Rangliste, gestaffelt nach den Beschädigungen, würde Gottfried Steinigeweg, seit mehr als 15 Jahren Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Lienen und Lengerich, Sturmtief Friederike auf den ersten Platz setzen. Gleich danach folge aber der Sturm vom vergangenen Wochenende, der noch schlimmer gewesen sei als Kyrill.

Von Luca Pals und Katja Niemeyer

Die Waldbesitzer – auch in Lienen – räumen zurzeit in erster Linie die Wege im Wald frei. Foto: Günter Benning

Eine Woche nachdem Orkantief „Zeynep“ auch über Lienen hinweggefegt ist und in den Wäldern für viele umgestürzte Bäume und Chaos gesorgt hat, sind die Aufräumarbeiten noch lange nicht beendet. Das berichtet Gottfried Steinigeweg. Er ist seit über 15 Jahren Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Lienen und Lengerich. In dieser Zeit sind vor allem drei stürmische Ereignisse in Erinnerung geblieben: Kyrill kurz nach Antritt seines Amtes im Januar 2007, Sturmtief Friederike vor vier Jahren und nun unter anderem das Orkantief „Zeynep“.

In einer Rangliste, gestaffelt nach den Beschädigungen, würde Steinigeweg Friederike auf den ersten Platz setzen: „Damals ist hier in Lienen und Lengerich wirklich viel kaputt gegangen. Das war der Einstieg für den Borkenkäfer.“ Dieser habe in der Folge alleine 300 Hektar Fichtenwald arg zugesetzt. Zusätzlich sei es damals aufgrund des niedrigen Absatzmarktes sehr schwierig gewesen, die Bäume loszuwerden. Wie aus dem Nachhaltigkeitsbericht von Wald und Holz NRW hervorgeht, fielen dem Sturm damals insgesamt rund zwei Millionen Festmeter Holz zum Opfer.

Kyrill habe dagegen – anders als in vielen anderen Regionen – in Lienen nicht viel angerichtet: „Da war es am vergangenen Wochenende schon schlimmer“, schildert der gebürtige Holperdorper im WN-Gespräch.

In der vergangenen Woche wurden vorsichtig die ersten Aufräumarbeiten begonnen: „Dabei gehen wir immer mindestens zu zweit vor. Zuerst ist es natürlich wichtig, die Wege zu räumen.“

Michael Blaschke, Pressesprecher von Wald und Holz NRW, betont: „Die Arbeit ist so ziemlich die gefährlichste Arbeit, die man in einem Wald machen kann.“ Wie ein „Mikado-Haufen“ lägen mancherorts die Stämme übereinander: „Wenn man da einer Stelle anfängt zu sägen, kann ein anderer Stamm plötzlich wie ein Katapult nach oben schießen.“ Erschwert würden die Arbeiten zusätzlich durch die durch Regen aufgeweichten Waldböden: „Da kommen die Fahrzeuge nur sehr schwer weiter“, so der Sprecher.

Vom Betreten der Wälder ist abzuraten

Auch aus diesen Gründen rät Steinigeweg von einem Betreten der Wälder aktuell ab: „Es ist nicht überall sicher. Auch wenn die Wege frei sind, stehen links und rechts immer noch Bäume, die stürzen können.“ Den Zeitraum für die gesamten Aufräumarbeiten beziffert Steinigeweg auf etwa ein Jahr.

Besonders betroffen seien die „noch übrig gebliebenen Fichten“. Von diesen sind auch aufgrund des massiven Befalls durch den Borkenkäfer nicht mehr viele in den Wäldern zu sehen gewesen: „Und wenn, dann stehen sie meistens alleine und auf freier Fläche. Bei einem Sturm haben sie dann kaum eine Chance.“ Laut Blaschke haben Fichten vor der Borkenkäfer-Invasion rund ein Drittel des Baumbestandes ausgemacht. Somit waren sie einst die in Deutschland wichtigste Wirtschaftsbaumart.

Nach Steinigeweg hat es darüber hinaus auch überraschend viele Laubbäume erwischt, die durch starke Trockenperioden in den vergangen Sommermonaten stark vorgeschädigt waren. Laut Pressesprecher kann das ganze Ausmaß erst im Sommer festgestellt werden. Wenn dieser nämlich von Dürre- und Hitzeperioden geprägt ist, dann könnte das den ohnehin angeschlagenen Bäumen den Rest geben.

„Es hat schon einmal mehr Spaß gemacht“

Insgesamt 1 600 Hektar Wald umfasst die Forstbetriebsgemeinschaft Lienen-Lengerich, in ihr sind laut Steinigeweg 160 Waldbesitzer organisiert. Der 65-Jährige plant aktuell, sein Amt abzugeben und in Zukunft der jüngeren Generation den Vortritt zu lassen.

Mit Blick auf seine langjährige Tätigkeit stellt er fest, dass diese gegenwärtig besonders schwierig sei: „Es hat schon einmal mehr Spaß gemacht. Der Borkenkäfer, die trockenen Sommer und nun die Sturmschäden sorgen dafür, dass die finanzielle Situation aktuell total übel ist.“ Sein Wunsch wäre ein größerer Einsatz des Landes NRW in puncto Aufforstung: „Gleich nebenan, in Niedersachsen, wird das viel mehr gefördert. Das sind politische Entscheidungen, die wir sehr bedauern.“ Niedersachsen als ländlich geprägtes Bundesland und NRW mit seiner industriellen Prägung würden auf dieser Ebene unterschiedlichen Ansätzen folgen.

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