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Neue Gebührenordnung 

Besuch beim Tierarzt wird teurer

Lienen-Kattenvenne/Ladbergen

Ab sofort müssen Tierbesitzer beim Tierarzt tiefer ins Portemonnaie greifen. Grund ist die neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), die eine Reihe von Änderungen mit sich bringt.

Die tierärztliche Behandlung für einen Hund ist deutlich teurer geworden. Foto: Sven Hoppe/dpa

„Nahezu alle Leistungen werden teurer, bis auf das Röntgen“, fasst Natascha Schwake, die eine dreiköpfige Tierarztpraxis an der Grevener Straße in Ladbergen leitet, die neue Verordnung zusammen. Die GOT-Überarbeitung sei ihrer Meinung nach notwendig gewesen, damit die wirtschaftliche Existenz der Praxen in Deutschland annähernd sichergestellt ist.

Die letzte Erhöhung fand vor mehr als 20 Jahren statt. Somit war die Verordnung stark veraltet und einige medizinische Leistungen, die heute längst zum Standard gehören, mussten ergänzt werden.

Hausbesuche: Auf Tierhalter kommen hohe Kosten zu

Obwohl endlich eine Anpassung stattgefunden hat, befürchtet die Tierärztin, dass diese auf lange Sicht nicht ausreiche, denn die neue GOT basiere auf Preisen aus 2020. Hinzu komme, dass die Personalkosten zuletzt stark gestiegen seien. Die tiermedizinischen Fachangestellten haben eine Lohnerhöhung von 20 bis 35 Prozent erhalten.

Die Betreiber der Tierarztpraxen werden durch die Neuerung daher keinesfalls einen Bonus verzeichnen. Im Gegenteil: „Die neue GOT bedeutet für mich Mehrarbeit und einige Punkte sind bei der Umsetzung nicht durchdacht worden“, so Schwake. Pro Hausbesuch muss sie ihren Kunden beispielsweise von nun an 34,50 Euro in Rechnung stellen. Ein neuer und zusätzlicher Kostenfaktor, den es vorher gar nicht gab. Hinzu kommt das bestehende Wegegeld in Höhe von 13 Euro. „Da kommt schnell viel Geld zusammen, ehe ich überhaupt mit der Tieruntersuchung begonnen habe“, so die Veterinärin.

Neue Gebührenordnung: So teuer wird ein Tierarztbesuch

Bei der Abrechnung müssen sich Tierärzte an die Gebührenordnung halten und mindestens den einfachen Satz abrechnen. Wenn Behandlungen komplizierter und aufwendiger waren als gedacht, können sie auch den zwei- oder dreifachen Satz für eine Leistung berechnen.

So wichtig die neue GOT-Verordnung für die Praxen auch ist, in einem Punkt herrscht große Übereinstimmung unter den Tierärzten: Die Erhöhung kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn unter anderem durch die Energiekrise und die hohe Inflation haben die Menschen zurzeit viel weniger im Geldbeutel. Jetzt müssen sie auch noch für einen Tierarztbesuch mehr bezahlen und zwar deutlich:

Kostete beispielsweise die allgemeine Untersuchung beim Hund in der Praxis von Natascha Schwake vor kurzem noch 13,47 Euro, bezahlen Kunden jetzt 23,60 Euro. Bei Injektionen hat sich der Preis sogar verdoppelt von 5,77 Euro auf nun 11,55 Euro.

Tierarztkosten steigen: Welche Tipps gibt es für Halter?

Tierarzt Kai Haarlammert, der seit 2017 eine Tierarztpraxis in Lienen-Kattenvenne betreibt, hat Bedenken, dass sich Tierhalter aufgrund der gestiegenen Kosten den Besuch bei ihm lieber sparen könnten – zum Leidwesen der Vierbeiner. „Tierquälerei durch Unterlassung begegnet mir leider täglich“, schilderte der Mediziner auf WN-Nachfrage und berichtet von einem verzweifelten Anrufer aus der vergangenen Woche, dessen Katze beide Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Das Tier sei möglicherweise angefahren worden, und weil der Besitzer wohl kein Geld für eine tierärztliche Behandlung hatte, versuchte dieser sich per Telefon einen Rat einzuholen. Das ist leider kein Einzelfall, pflichtet Natascha Schwake ihrem Kollegen bei.

Die Tierärzte raten, schon bei der Anschaffung eines Tieres die Augen offen zu halten und sich bei der Auswahl des zukünftigen Mitbewohners genau zu informieren. Neben den Futter- sollten immer auch die Tierarztkosten mit einkalkuliert werden. Der Tipp von beiden Veterinärmedizinern: „Als Tierbesitzer sollten Sie möglichst etwa 2000 Euro zurücklegen, denn diese Summe kommt bei einer OP schnell zusammen.“ Auch der Abschluss einer Tierkrankenversicherung sei sehr sinnvoll.

Kunden, die nicht imstande seien, den kompletten Betrag auf einmal zahlen zu können, bietet der Kattenvenner Tierarzt eine Ratenzahlung an. Kranken oder verletzten Tieren zu helfen, ist für Kai Haarlammert eine Herzensangelegenheit. Darum ist er stets in Bereitschaft, um im Notfall für die Vierbeiner und dessen Besitzer da zu sein.

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