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Rentner glaubte, der neuen Freundin einen Führerschein zu finanzieren

Betrug statt spätem Liebesglück

Lienen

Wegen Betrugs musste sich jetzt eine 57-jährige Frau aus Borken vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf der arbeitslosen Näherin vor, einen betagten Rentner aus Lienen um 2000 Euro betrogen zu haben. Er habe ihr das Geld für einen potenziellen Führerschein mit den Worten „damit sie mich immer besuchen kann. Sie ist jetzt meine neue Freundin“ gegeben, hatte der Rentner ausgeführt.

Der vermeintlich neuen Freundin hatte ein betagter Rentner 2000 Euro für einen potenziellen Führerschein überlassen. Jetzt kam es vor dem Amtsgericht in Tecklenburg zur Verhandlung.

Am Mittwoch stand eine 57-jährige Frau aus Borken vor dem Amtsgericht Tecklenburg. Die Staatsanwaltschaft warf der arbeitslosen Näherin vor, einen betagten Rentner aus Lienen um 2000 Euro betrogen zu haben. Deshalb hatte sie gegen die Angeklagte einen Strafbefehl über 1000 Euro verhängt, gegen den die Frau Einspruch eingelegt hatte.

Alles begann im Sommer 2021, als sich der Rentner mit einer klassischen Zeitungsanzeige auf die Suche nach einer Frau machte. Die Angeklagte schien genau die Richtige zu sein, denn sie suchte die Bekanntschaft zu einem treuen, ehrlichen älteren Mann, nachdem sie mit ihrem vorherigen Lebenspartner schlechte Erfahrungen gemacht habe. Nach einigen Telefongesprächen vereinbarte man ein Treffen bei dem Rentner in Lienen.

Am 25. August 2021 war es dann so weit, man traf sich zu Kaffee und Kuchen und verstand sich – so die Angeklagte - auf Anhieb. Ab diesem Punkt gab es nun vor Gericht zwei Versionen der weiteren Geschichte. Sicher kann gesagt werden, dass die Angeklagte die Nacht in Lienen verbrachte. „Auf dem Sofa“, wie sie betonte. Von Anfang an seien die Tochter und die Enkelin des Rentners gegen sie gewesen, hätten von ihr gefordert, sofort zu verschwinden: „Du bist viel zu jung für meinen Vater, was willst Du von ihm?“

Am nächsten Morgen hat der Rentner sie dann zum Bahnhof nach Lengerich gefahren. Sie gab an, dass der Mann zwar kurz am Bankautomaten in Hohne angehalten habe, sie aber nicht wisse, ob er Geld abgehoben habe. Auf jeden Fall habe sie kein Geld von ihm erhalten. Was sie allerdings einräumte, war, dass der Lienener ihr zuvor 145 Euro Fahrgeld gegeben hat.

Die Angeklagte berichtete weiter davon, dass der Rentner ihr gegenüber gesagt hätte, dass am selben Tag sein Enkel heiraten würde und er zur Hochzeit abgeholt werde. Sie versuchte offensichtlich damit zu suggerieren, dass die 2000 Euro möglicherweise als Hochzeitsgeschenk gedacht waren. Dieser Aussage widersprach die als Zeugin geladene Tochter: „Die Hochzeit fand erst am folgenden Wochenende statt und Geld wurde nicht geschenkt.“

Ihr sei die neue Bekannte von Anfang an suspekt vorgekommen. „Ich hatte kein gutes Gefühl“, erklärte sie dem Amtsrichter. Auch deshalb kontrollierte sie am Tattag das Konto ihres Vaters und musste feststellen, dass soeben 2000 Euro abgehoben worden waren. Ich habe ihn zur Rede gestellt: „Damit sie mich immer besuchen kann, habe ich ihr das Geld für einen Führerschein überlassen. Sie ist jetzt meine neue Freundin“, hatte er gesagt.

Die Zeugenvernehmung des Opfers gestaltete sich für das Gericht sehr schwierig, weil der an Demenz erkrankte Rentner nur partielle Erinnerungen an die Vorgänge hatte und die Angeklagte nicht wiedererkannte. Trotzdem, so der Richter, sei er überzeugt, dass die Tat sich wie geschildert abgespielt habe. Er gab der Angeklagten den guten Rat, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzuziehen: „Sonst kann es eventuell deutlich teurer für Sie werden.“

Nach längerer Diskussion und unter weiteren Beteuerungen ihrer Unschuld nahm die Frau den Einspruch dann doch zurück und verzichtete damit auf weitere Rechtsmittel. Sie bat darum, die Verfahrenskosten in Raten abstottern zu dürfen – da sie ja auch die 2000 Euro zurückzahlen müsse.

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