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Keine überzeugenden Anhaltspunkte

Das Rätsel der Duvensteine

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Waren die Duvensteine an der Grenze Lienens zu Hagen einst eine vorchristliche Kultstätte? Die neuere Lienener Heimatforschung hat diese Ansicht aufgrund des Namens der Felsformation vertreten. Aber stimmt das auch?

Dr. Christof Spannhoff

Die Duvensteine: Über die Entstehung des Namens gibt es unterschiedliche Meinungen. Wahrscheinlich, so Dr. Christof Spannhoff, ist er aus dem Vergleich mit Heuhaufen entstanden. Foto: Wilhelm Schmitte

Waren die Duvensteine an der Grenze Lienens zu Hagen einst eine vorchristliche Kultstätte? Die neuere Lienener Heimatforschung hat diese Ansicht aufgrund des Namens der Felsformation vertreten.

Wilhelm Wilkens möchte den Namen Duvensteine an eine angebliche indogermanische Wurzel dev-/div- anschließen (richtig ist *dei-), zu der auch lateinisch divus ‚göttlich‘ und deus ‚Gott‘ gehören, woraus er die einstige Heiligkeit des Ortes ablesen will. Allerdings besteht bei dieser Herleitung ein Problem, denn die sich aus dieser indogermanischen Wurzel entwickelnden Wörter haben sich im Germanischen lautlich verändert. Hier entsprechen dem lateinischen divus oder deus durch die Erste oder Germanische Lautverschiebung *teiwa- oder *tîwaz. Da die Duvensteine aber nicht mit t anlauten, müsste der Name, wenn er denn auf die genannte indogermanische Wurzel zurückgehen sollte, bereits vor der Germanischen Lautverschiebung entstanden sein – und das war vor 2500 bis 2000 Jahren.

Ein so hohes Alter wird man dem Namen kaum zusprechen können, zum einen aufgrund siedlungsgeschichtlicher Erwägungen, zum anderen, weil die Felsformation erst im Verlauf des Spätmittelalters durch Starkregen und Erosion entstanden sein wird, und zum Dritten wegen der Tatsache, dass die Steinformation in der Zeit vor der Reformation einen ganz anderen Namen getragen hat, nämlich St. Johanns Rasten (1592 „Sanct Johans Resten“, 1595 „Sanct Johans Rasten“; „Sanct Johannis Rasten“). An diesem Ort wurde bei einer christlichen Flurprozession das Bildnis des Lienener Kirchenpatrons Johannes des Täufers abgesetzt und Messe gehalten. Erst nach der Reformation und Abschaffung der Prozessionen dürfte also der Name Duvensteine entstanden sein.

Aus sprachlicher Perspektive sind für das Erstglied des Namens drei Erklärungen möglich: zum einen könnte die Taube, niederdeutsch duwe, duve, dube, enthalten sein. Zum anderen könnte der alte Rufname Duvo im Genitiv (mit schwacher Endung Duven, vgl. Otto – Otten; Anna – Annen) vorliegen, wodurch sich ‚Steine eines Duvo‘ ergäbe. Da dieser Rufname aber bereits sehr alt ist und in mittelalterliche Zeit gehört, ist es eher unwahrscheinlich, dass er im Namen Duvensteine enthalten ist.

Der Hagener Ortshistoriker Rainer Rottmann hat im Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2015 eine dritte Möglichkeit in die Diskussion eingebracht, die sehr wahrscheinlich die Lösung des Problems sein dürfte: Der Name Duvensteine gehört zu mittelniederdeutsch duve ‚Haufen, Heuhaufen‘.“

Für eine vorchristliche Kultstätte an dieser Stelle gibt es keine überzeugenden Anhaltspunkte.

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