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Kein Tempolimit: In fünf Jahren fünf Unfälle am Hof Aßmann in Holperdorp

Dauerauftrag für den Zaunbauer

Lienen

Der Gartenzaun am Hof Aßmann in Holperdorp hat‘s auch nicht leicht. Regelmäßig kriegt er was auf die Latten.

Von Michael Schwakenbergund

Kleinholz im Vorgarten: Für Hiltrud Aßmann fast schon ein gewohnter Anblick, der auch für Hündin Dana nicht ohne Folgen bleibt. Solange der Zaun nicht repariert ist, muss Dana an der Leine bleiben. Alles andere wäre bei dem Verkehr in Holperdorp zu gefährlich. Foto:

Der Gartenzaun am Hof Aßmann in Holperdorp hat‘s auch nicht leicht. Regelmäßig kriegt er was auf die Latten. Der jüngste Vorfall ist gerade eine Woche her: Ein junger Mann kommt aus Richtung Bad Iburg angebrettert, gerät ins Schleudern, plättet auf etlichen Metern den Zaun, rammt mit dem Heck seines Autos noch den Apfelbaum direkt dahinter – und hält nach kurzer Weiterfahrt dann doch an. Das war wohl eine weise Entscheidung, denn Unfallflucht ist ja auch keine Lösung. „Der hat sich aber nicht mal entschuldigt“, echauffiert sich Hiltrud Aßmann. Er habe nur gesagt: „Ich bin ja versichert.“ Immerhin, besser als nix.

Mit Versicherungen und Schadensregulierungen kennen sich Hiltrud und Friedrich-Wilhelm Aßmann inzwischen bestens aus. Mit neue Zäune bestellen auch. Fünf Mal ist in den vergangenen fünf Jahren jemand in die hölzerne Abgrenzung gerauscht. Zugegeben: Ein bisschen kurvig, eng und unübersichtlich ist es schon vor dem Anwesen. „An der Straße liegt es aber nicht. Die sind einfach zu schnell“, sagt Hiltrud Aßmann. Ausreden hat sie schon einige gehört.

Die Eheleute teilen das Schicksal fast aller Holperdorper. Stichwort: Verkehr. Bei gutem Wetter, besonders natürlich an den Wochenenden, versauen ihnen Motorradfahrer jene Stunden, die Menschen in geschlossenen Ortschaften überwiegend ungestört auf ihrer Terrasse verbringen können. Hiltrud Aßmann: „Dann können wir es hier vorm Haus nicht aushalten. Wir haben extra hinten noch eine kleine Terrasse.“

Doch bei den Aßmanns kommt noch etwas anderes hinzu: Ihr Hof liegt fast direkt an der Straße, sodass sie nicht mal unter der Woche Ruhe haben. Denn bei ihnen kommen werktags reichlich Berufspendler vorbei. „Von Lengerich und Hagen nach Bad Iburg. Die fahren hier oben lang, damit sie in Lienen nicht das Stück durchs Dorf nehmen müssen“, vermutet Hiltrud Aßmann. Stichwort: fehlender letzter Bauabschnitt der Dorfentlastungsstraße. Morgens um 5 Uhr gehe schon los, was sich dann nachmittags in die andere Richtung wiederholt.

Aber das war‘s noch nicht: „Abends kommen die Tuning-Autos hier vorbei, das geht dann manchmal bis 23 Uhr“, berichtet Hiltrud Aßmann. Und an den Plakaten, mit denen die Holperdorper ihren Unmut zum Ausdruck bringen, gäben viele Fahrer noch mal extra Gas.

Wenn Hiltrud Aßmann sagt, die Auto- und Motorradfahrer seien zu schnell, dann drängt sich die Frage auf: Was heißt eigentlich „zu schnell“? Während ab der T-Kreuzung oberhalb von Lienen (Holperdorper Straße/Holperdorp) in Richtung Bad Iburg nur Tempo 70 erlaubt ist, gibt es in Richtung Hohne keine Beschränkung, ist auf diesem Teilstück so gesehen Tempo 100 erlaubt. Wobei die Straßenverkehrsordnung (StVO) bei den zulässigen Höchstgeschwindigkeiten den Vorbehalt „unter günstigsten Umständen“ enthält (siehe Info-Kasten). Demzufolge dürfte man angesichts der schmalen Straßen, vielen Kurven und Steigungen wohl kaum irgendwo in Holperdorp schneller als 70 fahren.

StVO hin oder her. Die fehlende Beschränkung per Beschilderung hat laut Hiltrud Aßmann trotzdem einen entscheidenden Haken: „Die Polizei blitzt hier nicht“, während regelmäßige Kontrollen an anderen Stellen in Holperdorp einen gewissen abschreckenden Effekt hätten. Alle Versuche, den Kreis zu einem Tempolimit zu bewegen, seien bislang gescheitert.

Aber vielleicht tut sich ja doch mal was: Auf Anfrage der WN sicherte Maria Diener vom Ordnungsamt der Gemeinde gestern zu, das Anliegen in die Themenliste für die nächste Verkehrsschau mit der Polizei und weiteren Behörden mitaufzunehmen.

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