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Waldorf-Kindergarten Lienen

Erstmal weg nach Schweden

Lienen

Sie hat den Kindergarten mitbegründet und die Waldorf-Einrichtung viele Jahre geleitet. Jetzt ist Charlotte Lux in den Ruhestand verabschiedet worden.

Michael Schwakenberg

Charlotte Lux  (4. von links) wurde am Freitagnachmittag von Kindern, Kollegen, Eltern und Lehrern der Waldorfschule in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Michael Schwakenberg

Nach knapp 30 Jahren verlässt mit Charlotte Lux nicht nur die Leiterin, sondern auch eine Mitgründerin den Lienener Waldorf-Kindergarten. Erst hatten ihr die Kinder und ihre Kollegen einen liebevollen Abschied bereitet, Freitagnachmittag kamen Elternvertreter, die Lehrer der Waldorfschule und Mitglieder des Fördervereins vorbei, um vor allem eines zu tun: danke zu sagen.

Und das aus gutem Grund, „Ohne Charlotte Lux gäbe es den Kindergarten wahrscheinlich schon längst nicht mehr“, meinte Stefan Akamp, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins. Das mag Spekulation sein, aber zumindest die Prognosen vor 30 Jahren waren alles andere als aufbauend, erinnert sich die scheidende Leiterin: „Einige Leute haben damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich erzählt habe, dass ich hier anfangen werde.“ Sie hätten prophezeit, der Kindergarten würde nach einem Jahr wieder dicht machen.

Doch es kam anders. Die Einrichtung erfreute sich wachsender Beliebtheit. Zeitweise gab es sogar Wartelisten. Wie das kam? „Man muss einfach gut sein“, lautet Lux‘ plausible Erklärung für den Erfolg. Sie selbst hat dafür einiges getan. Musste sie auch, denn der Start in einem Waldorf-Kindergarten war für die Erzieherin damals der „Sprung ins kalte Wasser“. Einige Fortbildungen, als erste die zur Walldorf-Pädagogin, hat sie damals absolviert. Von Rudolf Steiners anthroposophischem Ansatz ist sie voll und ganz überzeugt. Bedauerlich findet sie, dass das Thema nach wie vor mit Vorurteilen behaftet ist.

Die, so lautet die Erfahrung von Stefan Akamp und Tanja Lissel, Vorsitzende des Trägervereins, sind zumindest in Lienen mittlerweile weitgehend aus dem Weg geräumt. Nach ihren Worten schätzen Eltern an der Einrichtung unter anderem die familiäre Atmosphäre, die überschaubaren und klaren Strukturen und dass die Kinder durch Vormachen und Nachahmen schon früh lebenspraktisch fit werden. Bestes Beispiel dafür: das Modellschiff, das die Mädchen und Jungen in Eigenarbeit aus einem Holzklotz für die scheidende Leiterin gebastelt haben. Mit Segeln, auf denen alle ihren Namen verewigt haben, und mit der Laubsäge ausgeschnittenen Figuren, die für jedes einzelne Kind stehen. Die Botschaft ist eindeutig: „Auf zu neuen Ufern.“

Und genau das will Charlotte Lux auch: „Erstmal verreise ich nach Schweden, wo ich ein Haus habe, und lass mich dort inspirieren.“ Wenn sie wiederkommt, wann auch immer das sein mag, will sie in ihrem Haus in Lengerich ein Kunstprojekt realisieren. Was genau? Bei der Frage zuckt sie nur vielsagend mit den Schultern und lächelt: „Abwarten.“

Wer ihre Nachfolge antritt, steht übrigens schon fest: Christine Gerlemann, bislang tätig im Lengericher Waldorf-Kindergarten.

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