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Wolfgang Kaufmann tritt nach 44 Jahren Ferienlagerleitung in die zweite Reihe zurück

Gemeinsam in einer anderen Welt

Lienen

Wolfgang Kaufmann tritt nach 44 Jahren als Leiter des Ferienlagers Lienen zurück. Mit Ruhestand hat das, was der 69-Jährige vorhat, allerdings nichts zu tun. Denn, „ich trete in die zweite Reihe zurück“, hatte er parallel zu seinem „Rücktritt“ angekündigt und ausgeführt, er arbeite genauso weiter wie zuvor, stehe lediglich nicht mehr als Ansprechpartner von Kinder und Eltern zur Verfügung.

Von Dietlind Ellerich

Wolfgang Kaufmann (2.v.l.) möchte in Zukunft aus der zweiten Reihe in den Ferienlagern wirken. Der 69-Jährige legt Wert auf ein starkes Team. Dazu gehören unter anderem (v.r.) Jörg Timpe, Karsten Huneke und Eva Lienkamp. Foto: Dietlind Ellerich

Wolfgang So ganz ohne würde Wolfgang Kaufmann wohl sowieso nicht können, hat der vierfache Familienvater das Lager in seiner jetzigen Form doch gemeinsam mit seiner Ehefrau Agnes ins Leben gerufen. Im Jahr 1978 habe das Paar nach dem Weggang des damaligen Lienener Paters Markus dessen kleines Messdienerlager übernommen und auch in weltlicher Hinsicht weiterentwickelt, blickt Kaufmann zurück.

Für ihn war die Leitung eines Ferienlagers folgerichtig, war er doch selber seit seinem neunten Lebensjahr in seinem niedersächsischen Heimatort regelmäßig als Teilnehmer und später als Leiter dabei und habe es immer genossen. Auf die Frage, was genau ein solches Ferienlager ausmacht, muss Wolfgang Kaufmann nicht lange überlegen. Die Gemeinschaft, das Miteinander und diese Situationen, wenn man ein halbes Jahr später durch den Ort gehe und Kinder treffe, die dabei gewesen seien, sich begeistert erinnerten und fragten, wann es endlich wieder losgehe.

„Die Seele zehrt ganz lange davon", gerät er ins Schwärmen, wenn er an die besondere Atmosphäre im Ferienlager denkt. Eva Lienkamp bestätigt diesen Eindruck und stellt auch klar, welch großen Anteil Wolfgang Kaufmann am Gelingen eines Lagers hat. Sie muss es wissen, ist sie doch mit ihm während der Ferien groß geworden. „Wolfgang kümmert sich um alles und löst jedes Problem“, bringt sie es auf den Punkt. Während dieser abwiegelt und immer wieder betont, wie wichtig ihm das Team sei, mit dem er schon so viele Jahre eng zusammenarbeitet, darunter „viele Eigengewächse“, loben Karsten Huneke und Jörg Timpe, die ebenfalls schon lange dabei sind, wie sehr Kaufmann das Ferienlager prägt. „14 Tage eine andere Welt, in die alle gemeinsam eintauchen“, das erleben sie alle seit Jahren.

„Gemeinsam mit Freunden eine schöne Zeit erleben“, das Leitbild eines Ferienlagers unter der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen, das immer unter einem anderen Motto steht und seit 1991 in der Schützenhalle in Brenken aufgeschlagen wird, ist seit Jahrzehnten gleich. Und viele Angebote sind geblieben. Dazu gehören Lagergottesdienste, Bergfeste und auch Lagerhochzeiten, bei denen „Pater Brian alias Stefan aus Irland eingeflogen wird und den Segen via Klobürste erteilt“, sagt Kaufmann schmunzelnd. „Das ist ein Spaß, den die Kinder erwarten und auch bekommen“, ist das Quartett beim Pressetermin einig.

Einiges habe sich im Laufe der Jahre verändert. Manche Spiele funktionierten nicht mehr, hat Eva Lienkamp beobachtet. „Mit Buden bauen im Wald können die Kinder heute nichts mehr anfangen“, begründet sie, warum dieser Programmpunkt abgeschafft wurde. Nichtsdestotrotz seien die Kinder draußen zufrieden, so Kaufmanns Erfahrung.

Handys gab es 1978 nicht, und heute sind sie zumindest für die Jüngeren der neun- bis 15-jährigen Teilnehmer im Ferienlager Lienen verboten. Für die Kinder sei das kein Problem, eher für die Eltern, die den Nachwuchs nicht erreichen könnten, stellt das Team fest. Der Blog auf der Homepage des Lagers mit Fotos und Berichten über das Lagerleben werde von den Familien zu Hause gerne konsultiert, wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ehrenamtlich am Start sind und selber regelmäßig einen Riesenspaß im Ferienlager haben. Trotz der Vor- und Nachbereitung und der Doppelschichten, die sie 14 Tage lang zwischen dem Aufwachen der ersten von mehr als 100 Kindern und jugendlichen und dem Schlafengehen der Älteren zu leisten haben. Ohne Ferienlager kann eben nicht nur Wolfgang Kaufmann nicht, sondern auch die anderen, die mit ihm im Lager erwachsen geworden sind. Ab jetzt muss lediglich jemand anders in der ersten Reihe stehen. Wer das sein werde, darüber sei noch nicht entschieden worden, macht das Team deutlich. „Nach dem Lager ist vor dem Lager“ ist allen bewusst, dass es irgendwann konkret werden muss. Im November beginnen sie mit der Planung des Ferienlagers 2023.

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