1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Lienen
  6. >
  7. Glühende Ballons für den Frieden

  8. >

Himke Hilbert und Dominik Haggeney waren bei Friedensaktion dabei

Glühende Ballons für den Frieden

Lienen/Oerlinghausen

Es muss ein eindrucksvolles Bild gewesen sein, wie die Heißluftballons von oben in der Form eines Friedenszeichens leuchteten. Eine solche Aktion fand am Sonntag auf einem Flugplatz in Oerlinghausen statt – und mit Himke Hilbert und ihrem Mann Dominik Haggeney sowie Jan-Philipp Beckmann waren gleich drei Lienener mit ihren Ballons dabei.

Von Luca Pals

Ein eindrucksvolles Bild: Die Heißluftballons strahlen von oben in der Form eines Friedenszeichens. Die Aktion fand am Sonntag auf einem Flugplatz in Oerlinghausen statt. Foto: Holger Dirxen

Erst zehn, dann 15, zum Schluss waren es dann 38 Teams, die ihr Kommen zugesagt hatten. Es war eine Aktion, die spontan aus dem Boden gestampft wurde und die Hoffnung und Licht in die Welt bringen sollte – zum „Friedensglühen Oerlinghausen.“

Dabei wurden die Heißluftballons in der Form eines Peace-Zeichens auf dem Gelände des Flughafens in Oerlinghausen bei Bielefeld aufgestellt. Mit dabei waren auch ein Team aus Münster sowie zwei Teams aus Lienen. Himke Hilbert hat von ihren Erlebnissen berichtet.

Zusammen mit ihrem Mann Dominik Haggeney habe sie dem gemeinsamen Aufruf direkt zugesagt: „Aktuell geht es vielen Menschen so: Man sieht die Bilder in den Nachrichten, kann aber nichts machen, außer zu spenden und ein deutliches Zeichen gegen den Krieg zu setzen.“ Somit sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass sich das Ballon-Team „H² ballooning“ aus Lienen auf den Weg nach Oerlinghausen machte.

Erstmals seit langer Zeit habe das Treffen wieder viele alte Bekannte zusammengebracht: „Das war in der Corona-Phase nur bedingt möglich und ist umso schöner, wenn man ein Zeichen setzen kann.“

Dass das Vorhaben erfolgreich war, zeigen unter anderem die spektakulären Drohnen-Aufnahmen aus der Luft: „Beim Ballonfahren geht es ganz viel um Zusammenhalt, Gemeinschaft und Geselligkeit – auch das haben wir damit zum Ausdruck gebracht“, so Hilbert im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

2005 ist sie erstmalig mit der Sportart in Kontakt gekommen und hat sechs Jahre später ihren Pilotenschein gemacht. Haggeney, über den sie in die Branche einstieg, ist bereits seit 34 Jahren Pilot. Er besitzt die Lizenz für Gas- und Heißluftballone sowie Heißluft-Luftschiffe. Insgesamt kommt der Experte auf mehr als 2 550 Stunden Fahrpraxis. Dabei gehen auch einige deutsche Rekorde auf sein Konto, und die mehrfache Teilnahme an nationalen sowie Europa- und sogar Weltmeisterschaften pflastern seinen Weg mit dem Heißluftballon. Die Leidenschaft liegt in der Familie, bereits Vater Paul hat den Schein gemacht, ist in der Branche bekannt, hat etliche Flugschüler ausgebildet und seinen Sohn schon im Alter von sechs Jahren mitgenommen.

Trotz aller Erfahrung: Eine Aktion wie am vergangenen Wochenende hat auch er noch nicht erlebt. Seine Frau berichtet von dem Moment, als die Flammen in allen Ballons glühten und sie zum ersten Mal die Bilder aus der Luft gesehen hat: „Das ist ein wunderbares Zeichen gewesen.“ Etwa 340 Meter betrug der Durchmesser des Friedenszeichens, das Licht und Hoffnung in die Dunkelheit brachte. Bei der Solidaritätsaktion war außerdem der Lienener Jan-Philipp Beckmann vom gleichnamigen Ballonteam vor Ort.

Für Hilbert hatte die Aktion aber noch einmal eine besondere Note: „Wir kennen Ballonfahrer aus der Ukraine, die oft mit uns unterwegs waren und die jetzt mit Waffen in den Krieg ziehen müssen – so etwas lässt niemanden kalt.“ Genauso würde sie Russen aus der Branche kennen, die den Krieg ablehnten: „Die sagen ganz klar, dass sie das nicht wollen. Darum geht es doch auch: Es ist kein Krieg der Russen, sondern von Putin.“ Mit der Solidaritätsaktion haben sie somit auch ein Zeichen an die Freunde aus den beteiligten Ländern geschickt.

Abseits des Krieges freut sich Hilbert mit der nun eintretenden wärmeren Jahreszeit auch in Zukunft darauf, wieder öfter mit dem Ballon fahren zu können. Von April bis in den Oktober gehe normalerweise die Saison, zuletzt hätten die coronabedingten Auflagen allerdings einiges erschwert: „Wir konnten nur selten Gäste mitnehmen, in den Autos zum Startpunkt müssen wir immer Masken tragen, und generell ist alles nur in einem begrenzten Rahmen möglich gewesen.“

Nicht nur mit Blick auf die Gäste, auch wegen der eigenen Leidenschaft freut sich Hilbert auf die kommenden Monate: „Ballon fahren bedeutet in erster Linie Freiheit. Es ist immer wieder schön, wenn man abhebt und fast schwere- und geräuschlos durch die Luft gleitet. Jede Fahrt ist von neuem eine wunderbare und für sich genommen einzigartige Erfahrung.“

Und der Hype bei den Gästen würde ebenfalls nicht abreißen: „Man kennt es doch: Jedes Mal, wenn man einen Heißluftballon am Himmel sieht, kommen die Wünsche danach, selber einmal abzuheben.

Startseite
ANZEIGE