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Sozialseminar besucht das Wasserwerk Schollbruch

Hoher Versiegelungsgrad bereitet Sorgen

Lienen

Die Gemeinde Lienen wird ebenso wie der Ortsteil Kattenvenne zu 95 Prozent vom Werk in Schollbruch mit Trinkwasser versorgt. Und eben dieses besuchte jetzt eine Gruppe auf einladung des evangelischen Sozialseminars.

Ralf Steinbrink (r.) erläuterte den Besuchern zahlreiche Fakten zum Thema Wasser. Dabei ging es auch um Klimawandel und Stromversorgung. Foto: Sozialseminar

Jederzeit sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn – das ist für uns heute selbstverständlich. Aber ist es das wirklich? Was steckt alles an Arbeit, Technik und Know-how dahinter, damit wir dieses lebenswichtige Gut täglich nutzen und genießen können? Dieser Frage ging eine Gruppe Interessierter kürzlich im Wasserwerk Schollbruch nach. Das Evangelische Sozialseminar Lienen hatte gemeinsam mit dem Verein Pro Teuto zu der Besichtigung eingeladen, die Ralf Steinbrink vom Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (WTL) durchführte.

Die Gemeinde Lienen wird ebenso wie der Ortsteil Kattenvenne zu 95 Prozent vom Werk in Schollbruch mit Trinkwasser versorgt. Im Regelfall werden fünf Prozent aus dem Wasserwerk Brochterbeck in dem WTL-größten Wasserbehälter Lengerich an der Bergstraße mit einem Volumen von 9000 Kubikmetern zur Versorgung von Lengerich, Ladbergen und Lienen beigemischt.

Sehr gute Wasserqualität

Die Teilnehmer der Besichtigung erfuhren weitere interessante Fakten, berichtet das Sozialseminar: Das Grundwasser des Wasserwerks Schollbruch entstammt einem sehr tief liegenden Grundwasserleiter, wodurch seine Qualität sehr gut ist. So ist es annähernd nitratfrei. Was die in Zukunft zu fördernde Menge an Trinkwasser betrifft, konnte Ralf Steinbrink Entwarnung geben. Der WTL erwartet keine Engpässe, da sich die Grundwasservorkommen durch die zu erwartenden stärkeren Niederschläge in den Wintermonaten wieder auffüllen.

Anders sieht es jedoch bezüglich der oberflächennäheren Grundwasserstände aus. Hier macht der Klimawandel vor allem der Landwirtschaft das Leben schwer, so dass der Bedarf an Bewässerung in den Sommermonaten steigen wird. Dies hat jedoch zugleich positive Auswirkungen auf die Grundwasserqualität, da Pflanzen mit ausreichender Wasserversorgung auch die gedüngten Nährstoffe (in erster Linie Stickstoff) aufnehmen können und die Nitratauswaschung in den Wintermonaten abnimmt.

Ein Problem ist der hohe Versiegelungsgrad der Flächen in Siedlungs- und Gewerbegebieten, wodurch immer weniger Regenwasser breitflächig versickern und so das oberflächennahe Grundwasser speisen kann. Hier wünscht sich der WTL durchaus Vorgaben seitens der Politik, damit auch in Wohn- und Gewerbegebieten mehr Regenwasser gesammelt und nach und nach in Gärten und auf öffentlichen Flächen versickern kann.

Hoher Versiegelungsgrad

Was ebenfalls Sorgen macht, ist die stabile Energieversorgung der Brunnenanlagen und Wasserwerke. Denn auch hier läuft nichts ohne Strom. Da das Trinkwasser in Hochbehälter oberhalb der Ortschaften gepumpt und von dort durch die Schwerkraft (Druckaufbau) bis in die Haushalte verteilt wird, wäre bei einem Stromausfall die Wasserversorgung nicht sofort unterbrochen. Zudem verfügt der WTL über einige Notstromaggregate. Dennoch wird gerade intensiv an Notfallplänen gearbeitet und kurz- bis mittelfristig werden auch Photovoltaik- und Windkraftanlagen zum Einsatz kommen.

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen kann es in Folge des Klimawandels in Zukunft öfter vorkommen, dass – wie im Juni – der WTL an die Einwohner des Tecklenburger Lands appelliert, wegen der Hitze und geringer Niederschläge in der ersten Jahreshälfte sorgsam mit dem Trinkwasser umzugehen.

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