1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lienen
  6. >
  7. Lärm und Tempo im Visier

  8. >

Erneut Motorradkontrollen der Polizei in Holperdorp

Lärm und Tempo im Visier

Lienen

Lärm, Geschwindigkeit und unzulässige Umbauten – unter diesen drei Aspekten hat die Polizei erneut in Holperdorp eine umfassende Motorradkontrolle durchgeführt. Dabei gingen den Beamten auch zwei Rollerfahrer ins Netz, deren Zweiräder nicht den Vorschriften entsprachen.

Jens Keblat

Keine Bremswirkung am Hinterrad, aber auf dem Rollenprüfstand gut 90 Stundenkilometer schnell: Die Polizisten kontrollieren diesen Roller. Dessen Fahrer hat nicht mal einen Führerschein. Foto: Jens Keblat

Auf der Jagd nach überlauten und unzulässig umgebauten Motorrädern: Die Polizei hat am Samstag an drei Orten im Kreis mehrere Stunden lang den fließenden Verkehr kontrolliert. Auch in Holperdorp gingen den Beamten Tempo-Sünder und Tuning-Sünden ins Netz.

Früher Samstagmittag am Fuß der Holperdorper Straße. Die Idylle macht Lust auf mehr, doch das Rauschen der Blätter im Wind wird prompt von den üppigen Fahrgeräuschen mehrerer Motorräder übertönt. Nicht unbedingt schnell, aber dafür gefühlt so laut wie ein Flugzeug, brettern die Kradfahrer der Idylle entgegen. Doch mitten im Grünen wartet eine Überraschung auf sie: die Polizei. Beamte des kreisweit agierenden Verkehrsdienstes aus Emsdetten mit Unterstützung der Wache Lengerich haben sich wieder mal in Stellung gebracht, um in Holperdorp für Recht und Ordnung zu sorgen.

Die Beamten haben einen geschulten Blick für technische Veränderungen

Zwar ist für sie mit Blick auf die Verkehrsunfallstatistik unverändert die Geschwindigkeit das Hauptproblem auf den Straßen, doch in Holperdorp haben es die zumeist versierten Beamten auf technische Veränderungen an Zweirädern abgesehen: Vor allem jene, die Motorgeräusche in Lärm verwandeln und damit immer wieder für Unruhe in der Idylle sorgen.

An diesem Samstag stehen sie an drei für sie wichtigen Stellen im Kreisgebiet, erklärt Jürgen Bauland als Leiter der Führungsstelle der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde. An einer anderen Kontrollstelle habe er von den Anwohnern erfahren, dass diese sich an sommerlichen Samstagnachmittagen stets ausquartieren müssten, um Kaffee und Kuchen im Freien genießen zu können. In Holperdorp sei die Lage mitunter kaum besser, weshalb man auch einen Vertreter der Anlieger in die Kontrollstelle eingeladen habe.

Während dieser fernbleibt, bietet sich ein anderer an: Holger Becker, Apotheker und Motorradfahrer aus Kattenvenne. Er will sich, wie viele Gleichgesinnte, deutschlandweit vor allem vor Ort dafür einsetzen, dass Streckensperrung für Motorradfahrer als Kollektivstrafe vermieden werden. Er hofft darauf, dass überlaute Kräder auf den Straßen in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören und rührt die Werbetrommel.

Apropos: Auch der kommissarische Landrat Dr. Martin Sommer stattet dem Einsatz einen Besuch ab und erweist sich mit Bundeswehr-Erfahrung prompt als Talent am Lasermessgerät. Er beschert dem Fahrer eines silbernen Familien-Vans ein kleines Wahlkampfgeschenk, denn das Messgerät zeigt 64 bei erlaubten 50 Stundenkilometern an. Doch weil Sommer die Messung durchgeführt hat, bleibt der Verstoß ohne weitere Konsequenzen. Für Sommer ist wichtig: „Das soll hier keine Diskriminierung gegenüber Motorradfahrern sein.“ Ebenso wie Bauland sagt er, dass es darum gehe, die wenigen schwarzen Schafe, die es unter den Zweiradfahrern gebe, herauszufischen.

Polizeihauptkommissar Jürgen Bauland

Nach Einschätzung von Jürgen Bauland gebe es davon immer weniger, doch auch die letzten wolle man noch packen. Tatsächlich geht den Beamten ein Motorradfahrer ins Netz, der von sich sagt, kein Raser zu sein, doch die Momentaufnahme bescheinigt ihm 84 km/h während eines abgebrochenen Überholvorgangs. An seiner Maschine bemängeln die Beamten darüber hinaus unter anderem auffallend polierte Schweißnähte am Rahmen und zu kleine Rückspiegel. Während ein anderer Motorradfahrer noch auf Helfer mit einem Anhänger wartet, weil technische Veränderungen an seinem Krad, etwa schwarz gefärbte Rückstrahler, zum Erlöschen der Betriebserlaubnis geführt haben, registriert die Polizei einen fast schon traurigen Rekord: innerhalb kurzer Zeit gehen gleich zwei Rollerfahrer ins Netz, die so nie am Straßenverkehr hätten teilnehmen dürfen.

Der erste Fall: ein 15-Jähriger, der statt der für ihn maximal erlaubten 25 mit 59 km/h gemessen wird. Die Maschine ist manipuliert. Ergo: Fahren ohne Fahrerlaubnis. Doch kurz darauf legt ein 20-Jähriger eine deutliche Schippe drauf: der Roller, der initial wegen seines Allgemeinzustandes (keinerlei Bremswirkung am Hinterrad, kein Hauptständer, Spiegel lose) aufgefallen war, schafft es auf dem mobilen Rollenprüfstand auf satte 90 Stundenkilometer – quasi der Tagessieger, bestätigen die Beamten, auch wenn er nicht gelasert wurde. Bei seiner Befragung sagt der junge Mann mehrfach die Unwahrheit, macht es der Polizei schwer. Letztlich kann er weder einen Führerschein noch eine Mofa-Prüfbescheinigung vorweisen, von letzterer habe er noch nie gehört, wie er sagt. Dafür wird sich der Jugendliche schon bald ebenso wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten müssen.

Sechs Schwerpunkte im Kreis

An diesen Stellen im Kreis Steinfurt trifft die Polizei besonders häufig kontrollwürdige Motorradfahrer an und schaut dort deshalb häufiger hin:

Beide Zweiradfahrer zählen zwar nicht zu der präferierten Klientel an diesem Samstag. Doch die Beamten sind am Ende ihres Einsatzes heilfroh, auch mit diesem Beifang für Sicherheit gesorgt zu haben.

Startseite