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Projektentwickler stellt Forschungswindanlage vor

Leises Rad bringt Geld in die Kasse

Lienen

Eine neue Technik zur Marktreife bringen soll eine Forschungswindanlage, die in Lienen errichtet werden soll. Jetzt hat der Projektentwickler auf Einladung der Verwaltung interessierte Bürgerinnen und Bürger informiert.

Von Gernot Gierschner

Die Forschungswindanlage in Lienen würde die Windräder in Glandorf überragen. Foto: Michael Schwakenberg

Am Donnerstagabend hatte der Projektentwickler windwise GmbH aus Münster auf Einladung der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit, seine geplante Forschungswindanlage (FWA) vorzustellen und mit den Bürgern in den Dialog zu treten.

Rund 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger begrüßte Bürgermeister Arne Strietelmeier in der Aula der Waldorfschule. Er hob hervor, wie wichtig es sei, dass das Projekt nicht nur in den zuständigen Ausschüssen vorgestellt werde, sondern dass von Anfang an die Bürger mitgenommen würden.

Volle Transparenz und Offenheit versprachen auch die Vertreter des Antragstellers und Entwicklers der Firma windwise GmbH aus Münster, Markus Becker und Benno Sandmann. Das Unternehmen entwickelt seit 2015 Windenergieanlagen. Die geplante Anlage in Lienen ist ein Prototyp, der grundlastoptimiert ausgelegt ist. Das bedeutet: gleichmäßig hohe Effizienz auch bei geringerem Wind. Damit soll die Anlage mit einem Rotordurchmesser von 141 Metern besonders interessant sein für Stromabnehmer, die kontinuierlich Energie für ihre Produktion benötigen, wie zum Beispiel bei der Herstellung von „grünem“ Wasserstoff. Benno Sandmann sieht aber auch andere Einsatzmöglichkeiten wie Gewerbegebiete, die dann ihren eigenen Strom produzieren könnten: „mit lokalen Projekten den Klimawandel bekämpfen.“

Bastian Abicht, Projektplaner der innoVent GmbH, aus Varel ist mit der Umsetzung und dem Austausch mit den Anwohnern betraut. Er berichtete davon, dass alle planungsrechtlichen Unterlagen beim Kreis Steinfurt eingereicht seien, auch die notwendigen Gutachten für Umweltverträglichkeit, Lärm, Schlagschatten seien abgeschlossen. Dabei gäbe es keine Bedenken der Naturschutzbehörde hinsichtlich der Umsetzung des 197 Meter hohen Prototypen etwa drei Kilometer südlich des Ortskerns unweit der Grenze zu Glandorf.

Bauamtsleiter Nico Königkrämer machte deutlich, dass die Gemeinde lediglich bauplanungsrechtlich das Vorhaben bewerten könne. Dabei gäbe es nach jetzigem Stand keine Gründe, den Bau abzulehnen. „Wir können das Einvernehmen nicht verwehren, nur weil uns eventuell ein Vorhaben nicht gefällt. Stellt sich eine Ablehnung als rechtswidrig heraus, kann der Kreis dieses Einvernehmen ersetzen.“

Interessant wurde es in der dem Vortrag folgenden Fragestunde. Der stellvertretende Kreislandwirt Carsten Spieker wollte wissen, wem denn die durch die Anlage eingesparten 3200 Tonnen Kohlendioxid (CO2) gutgeschrieben würden. Benno Sandmann erklärte daraufhin, dass diese Einsparung einem Stromanbieter zugeschlagen würde, der von der windwise GmbH und seinen Investoren zu gründen sei. Der Gemeinde würde ein Anteil von 0,2 Cent pro Kilowattstunde gezahlt, was geschätzt etwa 10.800 Euro im Jahr für die Gemeindekasse bedeute. Dazu kämen noch die zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen. Einer Bürgerbeteiligung erteilte Benno Sandmann eine klare Absage. „Hierbei handelt es sich um eine Forschungsanlage die dazu dient, eine neue Technik zur Marktreife zuführen.“ Die Anlage sei mit den Entwicklungskosten für ein derartiges Vorhaben viel zu teuer und mit einem sehr hohen Unternehmerrisiko behaftet. „Ob die Anlage je wirtschaftlich laufen wird, ist nicht gesichert.“

Die Sorgen der unmittelbar Betroffenen nehme man ernst, erklärte Bastian Abicht. Die Anlage werde aufgrund der Konstruktion deutlich leiser sein als die in Glandorf vorhandenen Windräder. Man hoffe, den prognostizierten Lärmwert noch zu unterschreiten. Die Entwickler setzen darauf – nachdem der Kreis Steinfurt in naher Zukunft das Projekt genehmigen werde, mit dem Bau der durch das Land Nordrhein-Westfalen mit neun Millionen Euro geförderten Anlage, zeitnah beginnen zu können.

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