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Lyrikabend mit Annette Roth und Carola Layda

Liebeslieder und wortgewandte Gedichte

Lienen

Lyrik und Musik, diese Kombination ist Besuchern am Donnerstagabend im Haus des Gastes geboten worden. Annette Roth und Nena-Carola waren die Akteure, die vor allem Liebesfreud‘ und Liebesleid präsentierten.

-bst-

Carola Layda (l.) und Annette Roth unterhielten die Zuhörer mit Gedichten und Liedern. Foto: Brgitte Striehn

Es waren eindeutig Liebesfreud‘ und Liebesleid, die am Donnerstagabend das Programm des Lyrikabends im Haus des Gastes bestimmten. Annette Roth aus Lienen hatte für ihre Rezitationen überwiegend Werke bekannter Schriftsteller wie Robert Gernhardt, Theodor Fontane oder Erich Kästner ausgewählt. Doch in Vergessenheit geratene Dichter wie Rainer Malkowski, Georg Kreisler oder Heinrich Zschokke waren ebenfalls eine (Neu-)Entdeckung wert. Thematisch waren die Gedichte und Lieder wenig geordnet, sie schwenkten von Pablo Nerudas Anbetung der Geliebten in „Dein Lachen“ hinüber zu der modernen Ballade „Die Nixe“ von Kurt Schwitters mit wunderbaren Wortschöpfungen und einem überraschenden Schlussvers. Annette Roth verstand es bestens, deren Inhalt mit flatternden Händen, Stöhnen und Winken zu unterstreichen.

Mit fein modulierender Stimme zog sie die Zuhörer in ihren Bann und verstand es, die Grundstimmung der poetischen Texte zum Ausdruck zu bringen. Und da Erich Kästner einen Hund mit spanischem Akzent reden lässt, war das bei der Rezitatorin ebenso. Traurige Gedanken fanden in der Lesung Platz, aber auch witzig-freche Betrachtungen über rote Lippen von Albert Ostermaier oder die „Animalerotica“ von Robert Gernhardt.

Humor hatte nicht nur ein Vogel bei Wilhelm Busch, auch Christian Morgenstern ist ein herausragender Vertreter witziger, teils sarkastischer Gedichte mit Hintersinn. Er ist der Lieblingsdichter von Carola Layda, die von ihm unter anderem „Der Werwolf“ und „Drei Hasen“ vertont hatte. Die Musikerin aus Münster begleitete sich bei den Liedern selbst auf der Gitarre und unterstrich die Lesung mit passenden Klängen. „Das Liebeslied ‚Pour toi’ (Für dich) habe ich in einer langweiligen Französischstunde noch als junger Mann für eine imaginäre Person geschrieben“, erzählte sie. „Tu cherches quelqu’un qui te guerisse (Du suchst jemanden, der dich heilt)“, heißt es darin.

Das traf wohl lange Jahre auf sie selbst zu, ehe sie ihre wahre Identität fand. Als Nena-Carola trat die Künstlerin in dem Theaterstück „Trans*“ unter der Regie von Carola von Seckendorff in Münster auf. „Es bleibt die begründete Hoffnung, dass Transgender irgendwann als ganz normale Mitglieder unserer Gesellschaft angesehen werden“, schreibt sie auf ihrer Homepage. Für die abwechslungsreiche Mischung aus Poesie und Musik gab es am Ende viel Beifall, obwohl nur wenige Zuhörer den Weg in das Haus des Gastes gefunden hatten.

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