1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lienen
  6. >
  7. „Lüften und Masken – das reicht nicht“

  8. >

Vorerst keine Impfung: Hauptschullehrerin fühlt sich vom Land im Stich gelassen

„Lüften und Masken – das reicht nicht“

Sie unterrichtet an einer weiterführenden Schule im Kreis Steinfurt, nähert sich mit großen Schritten der Pensionsgrenze – und ist „entsetzt“, was das Land ihr und ihren Kollegen derzeit „zumutet“. Sie nennt es: Impfdesaster.

Michael Schwakenberg

Hauptschullehrer sind Foto: Karl-Martin Flüter

Tecklenburger LandIhr Name ist der Redaktion bekannt, doch die Frau im Staatsdienst möchte nicht, dass er in der Zeitung zu lesen ist. Denn bei ihrer Einstellung habe sie unterschreiben müssen, dass sie sich in der Öffentlichkeit nicht über ihren Arbeitsplatz oder ihren Arbeitgeber äußert. Und Stress mit ihrem Dienstherrn, den möchte sie auf jeden Fall vermeiden. Ihr reicht die Angst vor Corona. Und die sei groß, wie sie mehrfach beteuert.

„Es reicht. Nun bin auch ich mit den Unzulänglichkeiten unserer Impfpolitik, besser unserem Impfdesaster, in Berührung gekommen“, macht die Pädagogin im WN-Gespräch ihrem Ärger Luft. Einer der Gründe dafür: Da sie sich einen permanent hohen Risiko ausgesetzt sieht, möchte sie schleunigst geimpft werden, woraus aber nichts wird.

„Ich habe das Gesundheitsamt angerufen mit der Bitte, mir ein Impfangebot zu machen. Denn ich ich arbeite an einer Hauptschule und unterrichte seit zwei Wochen eine Abschlussklasse im regulären Unterricht“, erläutert die Lehrerin. „Regulär“ bedeute: jeden Tag in Klassenstärke. Doch gebe es nicht für jeden Schüler einen Einzelplatz. Einige säßen zu zweit direkt nebeneinander, ohne den Mindestabstand einhalten zu können. Außer Lüften und Maske gebe es keinen Infektionsschutz.

„Mir ist bewusst, dass diese Klasse Unterricht braucht, da bald die Abschlussprüfungen stattfinden. Allerdings ist mir nicht zu erklären, dass ich nicht geimpft werden kann. Auch ich bin in engem Kontakt mit den Schülern. Im praktischen Fächern kann man schlecht Distanz halten und auch in theoretischen wollen die Schüler persönliche Aufgaben zeigen und erklärt bekommen. Das geht nicht mit einem 1,5 Meter Abstand.“

Die Lehrerin moniert außerdem, dass insgesamt bislang viel zu wenig an den Schulen und speziell zum Schutz der Lehrer geschehen sei. „Es war bekannt, dass Schüler Ende Februar in die Schulen zurückkommen. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Nichts. Keine Lüftungsanlagen und, was noch schlimmer ist, keine Impfangebote für die unterrichtenden Lehrer. Jetzt dürfen sogar schwerbehinderte, über 60 Jahre alte Kollegen unterrichten, die im ersten Lockdown noch nicht mal in die Nähe der Schule durften. Wie ist das möglich? Warum schützt unser Arbeitgeber uns so wenig? Warum ist in anderen Ländern ein durchgreifenderes Impfsystem da? Es werden leider nur leere Versprechungen oder Totschlagargumente angeführt“, fällt die Kritik mehr als deutlich aus.

In der Pressestelle der Bezirksregierung Münster hat man durchaus Verständnis für die Sorgen der Lehrer. „Aber wir machen die Impf-Prioritätenliste nicht. Über die entscheidet das Ministerium in Düsseldorf“, sagte eine Sprechein gestern auf WN-Anfrage. Und Hauptschullehrer seien – anders als Erzieher, Grundschul- oder Förderschullehrer – nicht in Stufe II erfasst. Was die Organisation der Impfungen betrifft: Dafür seien die Kreise zuständig. Was die Ausstattung der Schulen betrifft: „Die liegt in der Zuständigkeit des Schulträgers. Zuschüsse für Lüftungsunteralgen zum Beispiel können die Kommunen bei uns beantragen“, erläutert die Sprecherin.

Wenn jetzt wieder viele Schüler in die Schule kommen und dazu die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, werde der Infektionsdruck wieder größer und die Inzidenzzahlen werden steigen, ist sie überzeugt. „Welche Antwort gibt es dann? Sicherheitsabstand plus Masken?“ Die Lehrerin stellt noch einmal klar: „Für mein Sicherheitsbedürfnis an meinem Arbeitsplatz ist das zu wenig – ebenso angesichts der Ansteckungsgefahr für Schüler, Lehrer und auch für Eltern.“

Startseite