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Bürgermeister Arne Strietelmeier im Interview

„Menschen miteinander verbinden“

Lienen

Am 13. September sind die Bürger in Nordrhein-Westfalen aufgerufen, ihre Räte und Bürgermeister zu wählen. In Lienen tritt Amtsinhaber Arne Strietelmeier ohne einen Gegenkandidaten für eine zweite Amtszeit an. WN-Redaktionsmitglied Michael Schwakenberg sprach mit dem Bürgermeister über seine erste Amtszeit, die sich dem Ende neigt, über das Verhältnis zur Politik und darüber, was er als Verwaltungschef in den kommenden Jahren noch für Lienen erreichen möchte.

wn

Tritt bei der Wahl am 13. September ohne Gegenkandidaten an: Bürgermeister Foto:

Knapp fünf Jahre sind Sie jetzt Bürgermeister. Erste Anzeichen von Amtsmüdigkeit oder nach wie vor voller Tatendrang?

Strietelmeier: Ich bin von dem Job begeistert und nach wie vor voller Tatendrang. Zumal ich in der besonders reizvollen Situation bin, für meinen Heimatort etwas bewegen zu können.

Gab es zwischendurch mal einen Zeitpunkt, an dem Sie am liebsten aufgehört hätten?

Strietelmeier: Nein, zu keiner Zeit.

Blicken wir auf die Amtszeit zurück: Was würden Sie als die größten Erfolge verbuchen?

Strietelmeier: Wir haben einiges erreicht: Glasfaser bis in jedes Haus, der neue Zwischentrakt für die Grundschule Lienen, der Kunstrasenplatz am Sportzentrum, der Bürgerbus, neue Fahrzeuge für die Feuerwehr, eine Zweidrittel-Förderung für die Erneuerung von Dorfteich und Barfußpark, die Aktivierung des Gewerbeparks Kattenvenne, der Erhalt des Halbstundentakts am Bahnhof Kattenvenne und die bevorstehende Renovierung des Bahnhofsgebäudes, der Ankauf von Ernas Garten und gemeinsam mit Lengerich und Tecklenburg die Gründung der Gesamtschule, um nur einige Projekte zu nennen. Und nicht zu vergessen die Bewältigung der Flüchtlingssituation mit der Unterbringung der Menschen zu Beginn meiner Amtszeit. Das hat hier in Lienen in Zusammenarbeit mit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe wirklich gut funktioniert. Die Probleme, die andere Kommunen in diesem Bereich haben, haben wir hier nicht.

Gibt es etwas, was in den ersten fünf Jahren als Bürgermeister noch gerne erreicht hätten?

Strietelmeier: Auf jeden Fall den Weiterbau der Dorfentlastungsstraße – da bleibe ich aber dran.

Da es keinen Gegenkandidaten gibt, muss man kein Hellseher sein, um Ihnen eine weitere Amtszeit zu prophezeien. Was steht in den kommenden fünf Jahren ganz oben auf der Agenda für Lienen?

Strietelmeier: Falls Ihre Prophezeiung stimmt (lächelt), dann möchte ich mich für die Fahrradwege an den Ausfallstraßen und die Instandsetzung der Wege im Außenbereich einsetzen, außerdem die Erweiterung der Kindergarten-Kapazitäten und die Schaffung von Bau- und Gewerbegrundstücken. Und natürlich, wie schon angesprochen: der Durchbau der Entlastungsstraße. Wobei das nicht so einfach ist. Als Gemeinde führen wir mit allen Beteiligten intensive Gespräche, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Gibt es weitere wichtige Themen, die Sie mittelfristig in Angriff nehmen wollen?

Strietelmeier: Der Öffentliche Personennahverkehr zum Beispiel. Da haben wir zusammen mit dem Bürgerbusverein zwar schon Wichtiges erreicht. Eine alltägliche Busverbindung von Lengerich über Lienen nach Bad Iburg wäre noch wünschenswert. Und wenn um Münster herum ein S-Bahn-Netz entwickelt werden soll, dann gehört da auch Lienen mit dem Bahnhof Kattenvenne hinein. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Barrierefreiheit in den Ortskernen, an der wir weiter arbeiten wollen. Außerdem haben wir unsere Gemeinde in den letzten Jahren mit dem Glasfaserausbau und internen Umorganisationen hervorragend aufgestellt. Das bietet enormes Entwicklungspotenzial bei der zukünftigen Digitalisierung, der Gesundheitswirtschaft und natürlich beim Umwelt- und Klimaschutz.

Gibt es eigentlich ein Motto, unter das Sie Ihr Handeln und Wirken als Bürgermeister stellen?

Strietelmeier: Es gibt sicher viele Sprichwörter oder Mottos, die man sich zurecht auf die Fahne schreiben kann. „Menschen miteinander verbinden“ – das ist der Anspruch, den ich an mich selbst habe und von dem ich leiten lasse.

Zurück zur ablaufenden Amtszeit: In den vergangenen Jahren mussten Sie und die Fachbereichsleiter manches Mal in Ausschuss- und Ratssitzungen öffentliche Schelte seitens der Politik einstecken, wobei die Kritiker nicht gerade zimperlich, geschweige denn diplomatisch vorgingen. Wie vermittelt man so etwas den Mitarbeitern in der Verwaltung?

Strietelmeier: Berechtigte Kritik muss man akzeptieren und wenn möglich auch umsetzen. Zumal wir als Verwaltung ja auch im Auftrag der Politik und der Bevölkerung handeln. Wir sind aber nicht der Sandsack, an dem sich jeder mal abreagieren kann. Und wenn Kritik unangebracht, unverhältnismäßig oder sogar gänzlich unberechtigt ist, dann ist es meine Aufgabe, mich vor meine Mitarbeiter zu stellen. Und das tue ich dann auch. Grundsätzlich finde ich es wichtig, als Verwaltung immer das Gespräch zu führen – sowohl mit der Politik als auch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Denn nur gemeinsam kommt man weiter und kann die Ziele für Lienen und Kattenvenne erreichen.

Als Außenstehender hat man sich – gerade in der ersten Hälfte ihrer ersten Amtszeit, wenn die Verwaltung unter Beschuss war – manches Mal die Frage gestellt, warum der eine oder andere Punkt nicht schon zu früheren Zeiten abgearbeitet wurde. Haben Ihre Vorgänger im Amt das eine oder andere Thema schlichtweg schleifen lassen?

Strietelmeier: Zur Arbeit meiner Vorgänger kann und möchte ich mich grundsätzlich nicht äußern.

Sie haben es eingangs bereits erwähnt: Sie sind Lienener. Demzufolge kennen Sie die Gemeinde mehr oder weniger in- und auswendig. Was zeichnet Lienen und Kattenvenne aus ihrer ganz persönlichen Sicht besonders aus?

Strietelmeier: Ganz sicher der Zusammenhalt in der Bevölkerung. Das hat sich in der Flüchtlingskrise ebenso gezeigt wie nach der verheerenden Gasexplosion. Und auch in der gegenwärtigen Corona-Krise: Die Verwaltung hat die Einhaltung der Corona-Verordnungen kontrolliert und musste in der ganzen Zeit nicht ein einziges Ordnungsgeld verhängen, da sich die Menschen vorbildlich an die Regeln gehalten haben. Nicht umsonst waren wir zu Beginn der Krise der letzte Ort im Regierungsbezirk, der ohne Verdachtsfall war. Natürlich zeichnet Lienen aber auch das gesellschaftliche Miteinander von Alt und Jung sowie die reizvolle Lage am Teuto mit der Nähe zu Münster und Osnabrück aus. Und die bereits angesprochene flächendeckende Versorgung mit Breitband. Welche Kommune hat das schon? Damit können wir punkten, wenn es darum geht, neue Betriebe und junge Familien nach Lienen zu locken.

Kommen wir zum Thema Kalkabbau, ein Thema, das wie kein zweites im Ort polarisiert. Bei Calcis hat der Rat auf Vorschlag der Verwaltung das gemeindliche Einvernehmen für weitere 9,9 Hektar erteilt, bei Dyckerhoff der Entfristung im westlichen Teil des Höster Steinbruchs das Einvernehmen versagt. Wie stehen Sie persönlich zum Kalkabbau in Lienen, wo sollte die Reise hingehen?

Strietelmeier: Grundsätzlich habe ich großes Verständnis für beide Interessentenseiten beim Thema Kalkabbau, denn beide haben sicherlich ihre Berechtigung. Ich freue mich auch, dass selbst dieses kontrovers diskutierte Thema weitestgehend sachlich und mit dem gebührenden Respekt behandelt wird. Deshalb ist mein Standpunkt ein sozialverträglicher Ausstieg in absehbarer Zeit. So sind alle Beteiligten aus meiner Sicht berücksichtigt.

Was macht eigentlich ein Bürgermeister, wenn er nicht am Schreibtisch sitzt oder anderweitig für die Gemeinde unterwegs ist?

Strietelmeier: In meiner knappen Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit der Familie. Insbesondere meine beiden Jungs freuen sich über jede freie Minute ihres Papas. Dann gehen wir meistens direkt in den Garten und spielen Fußball.

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