1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lienen
  6. >
  7. Mit dem Hammer Zigaretten holen

  8. >

Einbrecher scheitert an Eingangstür einer Tankstelle

Mit dem Hammer Zigaretten holen

Lienen

Mit einem Hammer wollte am 3. August 2019 ein heute 35-Jähriger die Tür zu einer Tankstelle aufschlagen, um sich mit Zigaretten zu versorgen. Der Lienener scheiterte und musste sich jetzt für seinen versuchten schweren Einbruch vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten.

Das Amtsgericht Tecklenburg. Foto: Michael Baar

Ein Fall von versuchtem schweren Einbruch beschäftigte am Mittwoch das Amtsgericht Tecklenburg. Ein 35-jähriger Mann aus Lienen soll in der Nacht des 3. August 2019 versucht haben, in die Raiffeisen-Tankstelle in Lienen einzubrechen.

Bereits an der Eingangstür scheiterte das Vorhaben. Als er versuchte, mit einem Hammer das Glas der Eingangstür zum Verkaufsraum zu zertrümmern, wurde die Alarmanlage ausgelöst und der Täter flüchtete. Die Tat wurde von den Überwachungskameras der Tankstelle gefilmt.

Bei der Auswertung des Videos erkannte die Marktleiterin in dem Täter einen Stammkunden, der fast täglich bei ihr Schnaps und Zigaretten kaufte. Wie von der Verkäuferin vermutet, erschien der Mann am nächsten Morgen, um seinen üblichen Einkauf zu tätigen. Sie rief die Polizei und der 35-Jährige wurde verhaftet.

Da der Täter einen Hammer, also ein Werkzeug, für seinen Einbruchversuch benutzte, wurde er von der Staatsanwaltschaft wegen gefährlichen versuchten Diebstahls angeklagt. Dabei handelt es sich um ein Verbrechen, das in seinem Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr geahndet wird. Im Unterschied zum „einfachen“ Diebstahl, der ein Vergehen darstellt und milder bestraft werden kann.

Gleich zu Beginn legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Der schwer drogenabhängige Deutsche erklärte, dass es nur zu der Tat gekommen sei, weil er an diesem Tag seinen Bus zur kontrollierten Drogenabgabe verpasst habe. Deshalb habe er sich „Stoff“ besorgen müssen, aber statt Heroin wäre nur Kokain verfügbar gewesen.

Nach der Einnahme sei er auf diese dumme Idee gekommen. „Ich bin kein Dieb, ich wollte nur Zigaretten holen.“ Eine Aussage, die er in der Verhandlung mehrfach wiederholte.

Zur Wahrheit gehört auch, dass der Täter unter einer Psychose leidet und sich in psychiatrischer Behandlung befindet. Er ist nicht geschäftsfähig und schon deshalb ist ihm ein Betreuer beigestellt worden. Die als Zeugin geladene Marktleiterin der Tankstelle erklärte dem verblüfften Richter, dass der Mann auch heute noch – trotz Betretungsverbot – regelmäßig im Shop auftauche, um dort Zigaretten und Alkohol zu kaufen.

Das Gericht ordnete die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens an, um die Schuldfähigkeit des Angeklagten festzustellen. Die Verhandlung wird zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt.

Startseite