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Gülle-Ausbringung mit Hilfe aus dem Weltall

Per Satellit direkt an die Wurzel

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Die passgenaue Gülle-Düngung und die volle Ausnutzung möglicher Potenziale stehen für Carsten Spieker im Vordergrund. Deshalb nutzt der Landwirt in diesem Jahr erstmals das Schlitzverfahren, bei dem der Boden v-förmig aufgeschlitzt wird, um die Gülle in eine Tiefe zwischen einem und fünf Zentimetern einzubringen. Die Zusammenarbeit der Maschinen mit Satelliten und Sensoren macht‘s möglich.

Von Luca Pals

Andreas Pohlmann, Carsten Spieker und Reinhard Wiggenhorn sind überzeugt von den Vorzügen der effizienten Gülle-Ausbringung. E Foto: Luca Pals

Andreas Pohlmann zeigt sich angesichts der vielen Knöpfe und Bildschirme in seiner Fahrerkabine begeistert. Unter anderem eine digitale Karte zeigt dem Lohnunternehmer die Beschaffenheit der zu befahrenden Flächen an: Wo gab es in den vergangenen Jahren viel und wo gab es eher wenig Ertrag? Daraus schließend gelingt eine passgenaue Düngung und laut Carsten Spieker ein „immenser Effizienzzuwachs“ für alle Beteiligten. Dieser steht für den Lienener auch in diesem Jahr im Vordergrund – bei der Gülle-Ausbringung im Frühjahr.

Zum ersten Mal nutzt Spieker in diesem Jahr das Schlitzverfahren, bei dem der Boden V-förmig aufgeschlitzt wird, um genau dort die Gülle in eine Tiefe zwischen einem und fünf Zentimetern einzubringen. Durch einen Sensor, der über Signalwellen mit bis zu fünf Satelliten im Weltall verbunden ist, halten die Maschinen bei der Ausbringung der Gülle automatisch die gewünschte Spur, erklärt Spieker vor Ort. Bei soviel Unterstützung könnte sich der Fahrer theoretisch entspannt zurücklehnen. Durch die Software werden Linien gezogen, die es ermöglichen, auf bis zu zwei Zentimeter genau Spur um Spur zu befahren.

„Dadurch kann eine Doppeldüngung verhindert werden. Außerdem kommt es auch nicht dazu, dass kleine Flächen gar nicht gedüngt werden“, erläutert Reinhard Wiggenhorn von der Landwirtschaftskammer NRW. Diese Zusammenarbeit über Sensoren und Signale gebe es bereits seit vielen Jahren, besonders bei den großen Lohnunternehmen liege die Nutzung nahezu bei 100 Prozent. Durch die steigende Nachfrage sind in der Vergangenheit die Kosten für eine Anschaffung gesunken, und damit ist das Produkt auch für viele Landwirte erschwinglich: „Im Münsterland fährt bereits jeder vierte mit der Technik“, so Spieker. Wiggenhorn berät ihn seit etwa sieben Jahren. Die passgenaue Düngung und die volle Ausnutzung möglicher Potenziale steht für die beiden im Vordergrund.

Angesichts steigender Energiekosten und sich stets verschärfender Düngeverordnungen sei die ohne Zweifel immer kostspielige Technik ein Segen. Statt den Boden ganzflächig mit Gülle zu bedecken, wird diese mit den Scheibenscheren auf einer Arbeitsbreite von 15 Metern streifenförmig an die Pflanzenwurzel herangebracht. Dabei wird so wenig Oberfläche für die Verdunstung der Gülle geschaffen, wie es gerade geht, damit möglichst wenig Stickstoff, den die Pflanze besonders in der Streckungsphase braucht, entweichen kann. Zuvor findet jährlich die Ermittlung des Sticktoffdüngebedarfs statt. Ebenfalls gut für den Boden ist, dass anhand der Daten, die über den Acker bereitstehen, automatisch der Reifendruck beim ausbringenden Fass reduziert wird und dadurch die Punktbelastung sinkt. Im Nachgang der Ausbringung wird die Fläche mit einer Walze befahren. Somit sei auch der Anschluss der Wurzeln an den Boden wieder hergestellt.

Auf dem Hof Spieker wurde am Dienstagmorgen mit drei Zubringern gearbeitet, die die Gülle aus dem Silo vom eigenen Hof zum Acker brachten, dort das Fass betankten und wieder zurückfuhren. Der Nebeneffekt: „Die Zubringer fahren nicht auf den Acker und bringen dadurch auch keinen Schmutz auf die Straßen. Somit bleiben diese sauber“, erklärt Spieker. Das wird die Nachbarn genauso freuen, wie die Tatsache, dass die Düngung der Felder nicht wie früher länger als eine Woche dauert, sondern nur noch eine Angelegenheit von wenigen Tagen ist.

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