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Öffentlichkeitsfahndung nach Totschlag

Anwohner sind erschüttert: „Schlimm, was passiert ist“

Lienen-Kattenvenne

Still ist es am Freitagmorgen am Kattenvenner Bahnhof, wo am Mittwoch ein 55-Jähriger ums Leben gekommen ist. Nach dem dringend Tatverdächtigen wird inzwischen öffentlich gefahndet - die Polizei veröffentlichte ein Foto des Mannes.

Von Dietlind Ellerich

Der Tatort: der Bahnhof Kattenvenne Foto: Dietlind Ellerich

Still ist es am Freitagmorgen am Kattenvenner Bahnhof. Wenige Pkws und Fahrräder stehen auf dem Parkplatz an der Ladberger Straße, eine Radlerin biegt gerade in die Siedlung ein, eine Familie mit zwei Kleinkindern kommt mit ihren Fahrrädern aus dem Tunnel. Dort wo am Mittwochnachmittag ein Mann ums Leben gekommen ist, erinnern rund 42 Stunden später nur noch ein Blumenstrauß und eine Kerze an das Geschehen, das sich dort zugetragen hat.

Laut Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Münster und der Polizeibehörden Kreis Steinfurt und Münster war es am Tunnelausgang zu einem Streit zwischen zwei Männern gekommen, bei dem ein 55-Jähriger Mann durch Messerstiche starb (WN berichteten). Der Tat dringend verdächtigt wird ein 45-Jähriger aus Lienen, der nach der Tat geflüchtet ist. Laut Obduktionsbericht soll er dem Mann mehrfach in Hals und Oberkörper gestochen haben. Gegen ihn wurde inzwischen Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Laut Mitteilung der Ermittlungsbehörden, die öffentlich nach ihm fahnden, handelt es sich um Abdul Rahman K. Er ist syrischer Staatsbürger, 1,75 Meter bis 1,80 Meter groß und schlank, hat graue Haare mit Geheimratsecken und war zur Tatzeit mit einer beigen Hose und einem weißen Hemd bekleidet. Er könnte mit einem grauen Opel Zafira mit dem Kennzeichen TE-AK 1777 unterwegs sein.

Das Foto zeigt den Tatverdächtigen. Foto: Polizeipräsidium Münster

Erste Ermittlungserkenntnisse der Polizei

Erste Erkenntnisse, dass sich die beiden Männer gekannt hätten und dass das Motiv im privaten Bereich liege, haben sich inzwischen ebenfalls bestätigt. Laut Mitteilung der Ermittler soll es schon in der Vergangenheit zu Streitigkeiten und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern gekommen sein.

Die Meldung einer Nachrichtenagentur, der Tatverdächtige sei am Mittwochabend festgenommen worden, nachdem die Polizei ein Haus in Quakenbrück gestürmt habe, hatte für Wirbel gesorgt. Am Freitag stellte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt erneut nachdrücklich klar, dass das nicht stimme. Es habe einen Einsatz gegeben, der mit der Tat in Zusammenhang stehen könne. Eine Person sei in Handschellen mitgenommen, aber nicht festgenommen worden.

Reaktionen der Anwohner

Die Menschen in Kattenvenne sind erschrocken über die furchtbare Tat. „In so einem kleinen Kaff erwartet man das nicht“, sagt ein 58-Jähriger Anwohner, der am Mittwochabend vom Großeinsatz mit Polizei, Rettungskräften und Hubschrauber aufgeschreckt worden war. Angst hat er indes nicht. „Es soll sich ja um eine Beziehungstat handeln, da mache ich mir keine Sorgen“, stellt er fest. Seine Frau arbeitet in einer Bäckerei ganz in der Nähe und ist entrüstet über die Gerüchte, die ins Kraut schießen. „Da muss man doch erst einmal abwarten, was tatsächlich stimmt“, fährt sie fort. Sie kannte das Opfer und erinnert sich an einen sehr freundlichen und höflichen Mann. „Das ist schlimm, was passiert ist“, so die 56-jährige. Noch am Abend sei sie an dem Blut vorbeigegangen, das wegen der Regenfälle in der folgenden Nacht inzwischen nicht mehr zu sehen ist.

Um ihre eigene Sicherheit macht sich die Anwohnerin keine Sorgen. Ebenso wenig wie die Angestellte eines anderen Geschäftes. An einer Tankstelle in Ladbergen sei vor Jahren jemand ermordet worden, und das sei ja gar nicht so weit weg von Kattenvenne. Ein bisschen mulmig sei ihr schon, räumt hingegen eine 50-Jährige Radlerin ein. Sie habe ein komisches Gefühl, dass so etwas Furchtbares in dem kleinen Ortsteil passiert. Sorge hat sie vor allen Dingen, sollte sich herausstellen, dass sie den Tatverdächtigen kennt.

Die Jungs, die am Freitag mit ihren Rädern durch den Tunnel und auf dem Parkplatz cruisen, sind unbekümmert, sie genießen ihren schulfreien Tag.

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