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Polizei klärt über Schockanrufe auf

Kombination von Betrugsmaschen – wie verhält man sich richtig? 

Lienen

Enkeltrick, Schockanruf und falsche Polizisten: Die Betrugsmaschen werden immer häufiger kombiniert. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Schockanrufe, Enkeltrick und Foto: Dario Teschner/Polizei NRW

Das Thema Betrugsmaschen bleibt auch im neuen Jahr brandaktuell, und weil das so ist, demonstrierte Ralf Groothus von der Kreispolizeibehörde Steinfurt am Mittwochnachmittag im gut besuchten Clubhaus von Schwarz-Weiß Lienen, mit welchen Tricks es den Kriminellen immer wieder gelingt, an die Wertsachen der ahnungslosen Opfer zu gelangen.

Die Gefahren lauern beispielsweise an der Haustür, am Telefon, beim Einkaufen, beim Bus- oder Bahnfahren und im Internet. „Prävention ist ein tolles Thema, das mir sehr am Herzen liegt“, berichtet Groothus. Gleich zu Beginn rät er seinen rund 43 Zuhörern: „Wählen Sie im Zweifel lieber einmal zu viel die 110“.

Schockanrufe und Enkeltrick: Opfer sind häufig Ältere

Bei Frauen und älteren Menschen ab etwa 60 Jahren sei die Angst, Opfer einer Straftat außerhalb ihrer vier Wände zu werden, am größten, so der Kriminalpolizist. Dies sei paradox, denn die Kriminalstatistik zeige, dass vor allem Jüngere betroffen sind, wenn es um Straßenkriminalität gehe. Beim Enkeltrick oder den sogenannten „Schockanrufen“ würden sich die Betrüger hingegen gezielt gutgläubige Seniorinnen und Senioren als Opfer aussuchen.

Bei einem „Schockanruf“ geben sich Betrüger am Telefon als Verwandte (meist Tochter/Sohn oder Enkel) aus und täuschen eine Notsituation vor. Sie wollen die Angerufenen zu spontanen Handlungen überreden und dazu bringen, Geld oder Wertsachen, wie teuren Schmuck, an sie zu übergeben.

Schockanruf: Rentnerin übergibt fünfstelligen Geldbetrag

Ralf Groothus berichtete von einem „Schockanruf“, bei dem eine 84-Jährige aus Rheine von unbekannten Anrufern kontaktiert worden war. Die Täter schilderten einen angeblichen Unfall, in dem ihre Tochter verwickelt worden sei. Dabei sollte, so die Betrüger, auch ein Mensch zu Tode gekommen sein. Die Rentnerin wurde daraufhin aufgefordert, eine Kaution in Höhe von 50 000 Euro zu überweisen, um ihre Tochter vor einem Gefängnisaufenthalt zu bewahren. Das Opfer glaubte den Betrügern und händigte ihnen einen fünfstelligen Geldbetrag aus. In Steinfurt gab es kürzlich einen weiteren Fall von Telefonbetrug. Opfer wurde dieses Mal eine 75-jährige Frau, die ebenefalls einen fünfstelligen Geldbetrag verlor.

„Die Betrüger setzen bewusst auf einen Schockmoment und setzen ihre Opfer zeitlich unter Druck, um sie zu unüberlegten und schnellen Entscheidungen zu drängen“, klärt Groothus auf. Er rät dazu, sich am Telefon niemals zu kurzfristigen Handlungen drängen zu lassen. Um den Schwindel so gut wie möglich zu verschleiern, setzen die Täter mitunter auch auf die Kombination verschiedener Betrugsmaschen: So folgt auf den Anruf eines offensichtlichen Enkeltrickbetrügers ein Anruf eines vermeintlichen Polizeibeamten, der nach dem betrügerischen Enkel fahndet.

Ralf Groothus von der Kreispolizeibehörde Steinfurt informiert Ältere über Schockanrufe und wie diese sich schützen können. Foto: Dario Teschner

Wie schützt man sich gegen die Betrugsmaschen? 

Um sich gegen die vielen Betrugsmaschen wirksam schützen zu können, muss man diese erst einmal erkennen. Oft reiche es den gesunden Menschenverstand einzuschalten, so der Kriminalhauptkommissar. „Die Polizei ruft sie nicht unter der Notrufnummer 110 an und fragt auch nicht nach den vorhandenen Wertsachen oder Geldverstecken im Haus“, erklärt Ralf Groothus seinen Zuhörinnen und Zuhören und nennt folgende Verhaltenstipps, die beispielsweise bei einem Schockanruf oder Enkeltrick Schlimmeres verhindern können: 

  • Legen Sie am besten auf, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen. 
  • Rufen Sie Angehörige unter der Ihnen bekannten Nummer an. 
  • Sprechen Sie am Telefon nie über persönliche und finanzielle Verhältnisse.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Verständigen Sie über den Notruf 110 die Polizei (nicht die Rückwahltaste benutzen)

Im Falle der betroffenen Frau aus Rheine ergänzt der Experte: Niemals ist die Behandlung eines Unfallopfers von einer vorherigen Geldzahlung abhängig.  Es würden auch Anrufe getätigt, bei denen vorgegeben wird, dass Geld und Wertsachen im Bankschließfach nicht mehr sicher seien und zur Verwahrung an die Polizei übergeben werden müssten. In einem weiteren Betrugsfall war sogar von angeblichem Falschgeld die Rede, welches durch die Polizei beschlagnahmt und überprüft werden müsse. In allen Fällen sei es unbedingt notwendig auch die Polizei mit ins Boot zu nehmen. Groothus persönliche Einschätzung ist, dass von 100 derartiger Straftaten gerade einmal zehn zur Anzeige kommen.  

Enkeltrick wird zum Sohn- oder Tochtertrick

Mit einem wichtigen Hinweis zu einer neuartigen Betrugsmasche, die gerade vor allem über WhatsApp und andere Messenger-Dienste in Umlauf gebracht wird, kommt Groothus zum Ende seines Vortrags. Hierbei werde aus dem Enkeltrick der Tochter- beziehungsweise Sohntrick.

Kriminelle geben sich zum Beispiel bei Whats-App für Kinder aus, die ihre Handynummer gewechselt haben und ihre Eltern bitten, die neue Nummer abzuspeichern. Im nächsten Schritt versuchen die Betrüger, eine Geld-Überweisung anzuzetteln. Der Kriminalhauptkommissar rät auch in diesem Fall, unter keinen Umständen auf die Geldforderung einzugehen und mit der Tochter oder dem Sohn persönlich zu sprechen.

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