1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lienen
  6. >
  7. Schulfreundinnen sehen sich nach 79 Jahren wieder

  8. >

Völlig unverhofft

Schulfreundinnen sehen sich nach 79 Jahren wieder

Lienen-Kattenvenne

Der Krieg hat die Lebenswege der beiden Schulfreundinnen Elfriede Endrigkeit und Auguste Blom getrennt. 79 Jahre später ist die Freude der beiden älteren Frauen groß. Unverhofft haben sie sich im Wohnpark Kattenvenne wiedergesehen, als Auguste Blom dort einzog.

Groß war die Freude bei Elfriede Endrigkeit (links) und Auguste Koch über das Wiedersehen nach 79 Jahren. Foto: Eckhard M. Klaassen

Ein Wiedersehen nach 79 Jahren, mit dem keine der beiden älteren Frauen gerechnet hatte, hat es jetzt im Mehrgenerationenhaus des Wohnparks Kattenvenne gegeben. Auguste Koch, geborene Blom, und Elfriede Endrigkeit, geborene Schmalbein, waren bis zur Schulentlassung von Elfriede im Jahr 1942 Freundinnen. Der Krieg trennte dann die Lebenswege für fast acht Jahrzehnte.

Natürlich hatten sich die beiden Frauen sehr viel zu erzählen. Eckhard M. Klaassen, Neffe von Auguste Koch, hat einige Eckpunkte notiert, die einen guten Einblick in das Leben der vergangenen Jahrzehnte geben.

Elfriede Schmalbein durfte nach der Schulentlassung ihr Pflichtjahr beim Bauern Huckriede in Hohne ableisten. Anschließend begann sie eine Ausbildung im Lienener Rathaus und blieb dort bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 1949 als Angestellte tätig. Nachdem ihre einzige Tochter „aus dem Gröbsten heraus war“, wie sie es sagt, arbeitete sie von 1952 bis 1969 bei Bettwäsche Krumme in Lengerich (die Firma existiert nicht mehr) und anschließend bis zum Eintritt in den Ruhestand 1988 in der Hauptstelle der münsterschen Provinzialversicherung.

Auguste Blom arbeitete nach der Schule in der elterlichen Landwirtschaft, dann bei Bauer Bögel in Ringel und bei Dölling in Lienen-Dorfbauer. Von einer Pflegetochter der Familie Dölling wurde sie 1953 zu Verwandten nach Lage im Lipper Land vermittelt. Dort blieb sie, mit einer Unterbrechung, bis Juni dieses Jahres wohnen. Von Lage aus beschickte die Familie in den 1950er Jahren die Wochenmärkte in Bielefeld und Umgebung.

Über die Pflegetochter lernte Auguste Blom Günter Koch kennen, den sie 1965 heiratete. Die Ehe blieb kinderlos, ihr Mann verstarb 2006. Auguste Koch blieb bis Juni in ihrer Wohnung in Lage, versorgte sich noch selbst. Seit Jahresbeginn litt sie unter zunehmenden Schmerzen beim Gehen. Nach Intervention ihrer Neffen und Nichten stellte sich bei einer Untersuchung heraus, dass sie schon vor längerer Zeit ihre Hüfte gebrochen hatte. Nach Operation und Reha ist sie wieder schmerzfrei und war auch bereit, in die Nähe ihrer Verwandtschaft zu ziehen, schreibt Eckhard M. Klaassen.

Bei der Herrichtung der Wohnung in Kattenvenne – die Verwandtschaft erbrachte viel Eigenleistung – wurde Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern geknüpft. Als Elfriede Endrigkeit den Geburtsnamen der aus Lienen stammenden Mitbewohnerin hörte, sagte sie nur: „Die kenne ich.“ Wenige Tage später kam es dann zum Wiedersehen.

Zuvor schon war Eckhard M. Klaassen beim Arbeitseinsatz in der Wohnung seiner Tante von einem Bewohner angesprochen worden. „Nach 40 Jahren hatte mich mein damaliger Ausbilder wiedererkannt und angesprochen“, freut sich der Ladberger. Mit Günter Kambach, damals Altgeselle bei Windmöller & Hölscher, hatte er natürlich viel zu besprechen. Schließlich lag die Lehre als Modelltischler lange zurück.

Freuen würden sich Elfriede Endrigkeit und August Koch, wenn es noch weitere lebende Schulkameradinnen und -kameraden geben würde. Sie wären am Schwarzen Weg in Kattenvenne willkommen, versichert der Neffe Eckhard M. Klaassen.

Startseite