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Konzert des Nordwestdeutschen Kammerensembles im „Haus des Gastes“

Temperament und Leidenschaft

Lienen

Das traditionelle Neujahrskonzert des Nordwestdeutschen Kammerensembles musste im Januar Corona-bedingt ausfallen. Um die Musikfreunde in Lienen nicht zu enttäuschen, präsentierten die vier Musiker aus Osnabrück ein mitreißendes Herbst-Programm.

Von Brigitte Striehnund

Foto: Brigitte Striehn

Unter der Überschrift „Von Barock bis Foxtrott – von Duo bis Quartett“ startete am Sonntagabend im fast vollbesetzten Haus des Gastes eine musikalische Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte und Genres.

Hansdieter Meier (Violine), Gunilt Gehl (Viola), Felix Meier (Violoncello) und Andreas Groll (Klavier) spielen in dieser Besetzung seit 2016 zusammen. Sie zogen das Publikum mit großer Spielfreude und meisterlicher Beherrschung ihrer Instrumente in den Bann. In Duo-, Trio- oder Quartett-Formation servierten sie musikalische Leckerbissen in einem abwechslungsreichen Potpourri bekannter Melodien aus Klassik, Musical, Chanson, Jazz oder Swing. Die eigenen Arrangements verwischten Grenzen zwischen ernster und unterhaltender Musik, die große Komponisten ohnehin oft leichtfüßig überschreiten.

In der Barockzeit waren Tänze wie die französische Bourrée sehr beliebt. Das Kammerensemble hatte dafür zwei Beispiele von Johann Adolph Hasse (1699- 1783) und Johann Sebastian Bach (1685-1750) ausgewählt, die mit den gleichen Tonfolgen begannen und die Gedanken zu Festen an europäischen Fürstenhöfen schweifen ließen. „Hasse war ein Schöpfer berühmter Opern, während Bach lange warten musste, bis seine kunstvoll verschachtelten Fugen Würdigung fanden“, erzählte Hansdieter Meier. Er moderierte das Konzert mit Informationen und Anekdoten über die Komponisten, ihre Werke oder Lebensumstände. „Tanz- und Spielmusik“ für gesellige Stunden war auch für Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) eine Form des Gelderwerbs. Das Rondo seiner „Serenade C-Dur“ versprühte Lebensfreude pur. Astor Piazzolla gilt als Meister des „Tango Argentino“, an der Darbietung des Stückes „La Fortezza Dei Grandi Perchè“ unschwer zu erkennen.

Nach einer kurzen Pause zum Lüften wurden die Klänge aktueller. Die Epochen von Barock, Klassik und Romantik machten Platz für Welthits wie „Mr. Sandman“ von Pat Ballard aus dem Jahr 1954. In den Jazzstandard „Lullaby of Birdland“ von George Shearing hatte Felix Meier eine Fuge eingebaut. Einen Tupfer französisches Flair lieferte Henri Betti mit dem Chanson „C’est si bon“, bei dem die Musiker den heiteren Charakter wunderbar zum Ausdruck brachten. Aus dem Erfolgsmusical „West Side Story“ erklang das Liebesduett „Tonight“, das Generationen von Teenagern zum Schluchzen brachte. Der Ragtime-Titel „The Entertainer“ von Scott Joplin, erschienen 1902, fand 1973 Verwendung als Filmmusik in der Gauner-Komödie „Der Clou“.

Schwungvoll, mit kühnem Bogenstrich und Tastenkunst verabschiedete sich das Ensemble von dem begeistert applaudierenden Publikum. Deshalb blieb der Czardas „Leidenschaft“ von Vesco d’Orio nicht das letzte Stück des Abends. Nach drei Zugaben - dem dezent frivolen Song „Let’s do it“ von Cole Porter, einem Shuffle-Boogie von Markus Dreyer und Hansdieter Meier sowie dem „Lullaby of Birdland“ - gingen die Besucher beschwingt nach Hause.

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