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Zeitzeugen berichten

Vor Studium ist Arbeitsdienst Pflicht

Lienen

„Arbeitsdienste im Dritten Reich“. Unter diesem Thema fand ein Gesprächs- und Vortragsabend des Heimatvereins Lienen (Arbeitsgruppe „Zeitgeist“) im Haus des Gastes statt. Als Zeitzeugen berichteten Hanna Schmedt und Heinz Kammann.

Christof Spannhoff

Den Auftakt dieser Reihe, die im Oktober mit dem Thema „Das Landjahr im Dritten Reich“ fortgesetzt wird, machte ein Ehrenmitglied des Vereins: Hanna Schmedt. Sie berichtete anhand privater historischer Fotos über die Zeit im Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) beziehungsweise Reichsarbeitsdienst (RAD, seit 1935), die ihr Bruder Heinz Echelmeyer (1933), ihr Ehemann Fritz Schmedt (1937) und sie selbst (1938) ableisteten.

Nach dem Abitur 1938 wollte Hanna Schmedt studieren, um Lehrerin zu werden. Deshalb musste sie ein halbes Jahr Arbeitsdienst verrichten, der sie nach Büren bei Paderborn führte. Dort wurden die jungen Frauen zur Arbeit auf den umliegenden Höfen und zur Unterstützung in kinderreichen Familien eingesetzt.

Der Arbeitsdienst wurde vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise als „Freiwilliger Arbeitsdienst“ 1931/32 eingeführt. Mit dem Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935 wurde er (nun als „Reichsarbeitsdienst“ bezeichnet) für männliche Jugendliche zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr zur Pflicht und auf sechs Monate festgelegt.

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der RAD für alle Mädchen verpflichtend.

In der Diskussion berichtete auch der Ehrenvorsitzende Heinz Kammann über seine Erlebnisse im RAD während des Zweiten Weltkriegs. Damals musste der männliche RAD der Wehrmacht als Wach-, Bau- und Pioniertruppe behilflich sein. RAD-Einheiten wurden aber auch direkt zum Kriegseinsatz herangezogen, insbesondere in der Flugaufklärung und als Flakhelfer. Die Unterscheidung zwischen RAD und Wehrmacht 1945 wurde aufgehoben.

RAD-Divisionen waren Teil des letzten Aufgebots. Diese Erfahrung musste auch Heinz Kammann machen, der vom RAD zum Fronteinsatz überstellt wurde. Dadurch geriet er bei Kriegsende (Mai 1945) in russische Gefangenschaft, aus der er glücklicherweise im September 1945 wieder entlassen wurde.

Der 1. Vorsitzende des Heimatvereins, Friedel Stegemann, bedankte sich bei den beiden Referenten für ihre Ausführungen.

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