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Buch beschreibt ländliche Gesellschaft

„Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen“

Lienen

Wer weiß noch, was ein Heuerling war? Einige ältere Mitbürger erinnern sich sicherlich noch genau, denn die letzten Ausläufer des Heuerlingswesens verschwanden erst in den Jahren des Wirtschaftswunders in den 1950er und 1960er Jahren.

Christoph Spannhoff

Heuerlingshäuser oder Heuerhäuser waren kleine Gebäude, die zu einem Bauernhof gehörten. So manches Heuerhaus wurde zu einem schmucken Wohngebäude umgebaut. Foto: ws

In der Vergangenheit bestand die ländliche Gesellschaft aus keiner einheitlichen sozialen Schicht, sondern war in mehrere Gruppen gegliedert. Neben den größeren und mittleren Bauern und Köttern, den Knechten und Mägden auf den Höfen und den Tagelöhnern gab es die große unterbäuerliche Schicht der sogenannten „Heuerleute“.

Diese Familien bewohnten „Heuerhäuser“, kleine Gebäude, die zu den Bauernhöfen gehörten, zu denen auch ein paar geringwertige Ackerflächen gehörten. Im Gegenzug für die „geheuerte“, also gemietete Wohnung und das Land, waren die Heuerleute zu jeder Zeit zur unentgeltlichen Hilfeleistung auf dem Hof verpflichtet. Fast 400 Jahre bestand dieses System in Nordwestdeutschland und war ein elementarer Teil der ländlichen Gesellschaft.

Doch wie entstand das Heuerlingswesen? Wie lebten, arbeiteten und wohnten die Heuerleute? Welche Schwierigkeiten hatten sie in ihrem Leben zu meistern und welche Leistungen vollbrachten sie? Diese und viele weitere Fragen werden in dem jüngst erschienenen Buch von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensing, „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen! Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland“, beantwortet.

Der Titel des Buches stapelt allerdings tief, denn in dem reich bebilderten, 288 Seiten umfassenden Buch findet der Leser nicht nur ausgewählte Aspekte des Themas, sondern einen umfassenden und ausführlichen Überblick. Das informative Buch stellt die spannende Gesamtgeschichte des Heuerlingswesens von seinen Anfängen bis zu seinem Ende dar.

Neben dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Bauer und Heuerling, das bei vielen Angehörigen ehemaliger Heuerlingsfamilien noch heute negative Erinnerungen weckt, werden die Probleme Markenteilung, die Leistungen in Landesausbau und -kultivierung, der Nebenerwerb Textilherstellung und Vermarktung, die Holland-Gängerei und Auswanderung, die Selbstversorgung, die Rolle der Heuerlingsfrau, die Volksmedizin, die Schulbildung und vieles mehr beschrieben.

Die Verfasser präsentieren dabei nicht nur nüchterne Fakten, sondern lassen Zeitzeugen mit ihren Berichten zu Wort kommen. So ist ein historisches Lesebuch entstanden, das zu stundenlangem Schmökern einlädt und dabei noch äußerst lehrreich ist. Die Autoren des sehr lesenswerten Buches haben ganz Nordwestdeutschland im Blick ihrer Betrachtungen. So kommen natürlich der Kreis Steinfurt und speziell das Tecklenburger Land zu ihrem Recht. Mithilfe eines zuverlässigen Personen- und Ortsregisters lässt sich der Band leicht erschließen und der eigene Wohnort auffinden. Auch Tecklenburg, Lienen und Lengerich finden des Öfteren Erwähnung.

Zum Thema

Das Buch von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensing „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen! Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland“, Haselünne 2014, ist beispielsweise im Buchhandel unter der ISBN 978-3-9814041-9-7 zum Preis von 24,90 Euro erhältlich.

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