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Haus Brundiek macht Platz für Neubauten

Wo die Zeit stehen geblieben war

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Es gibt Gebäude, die wirken nicht nur aus der Zeit gefallen, die sind es auch. Und es gibt welche, die sind zwar außergewöhnlich, aber die nimmt man gar nicht mehr so richtig wahr – bis sie plötzlich weg sind. Beides trifft wohl auf das Haus Brundiek zu.

Von Michael Schwakenberg

Das ging alles ziemlich schnell: Nach dem Abriss des Haupthauses (kleine Bild) Foto: ws/Baulmann

Es gibt Gebäude, die wirken nicht nur aus der Zeit gefallen, die sind es auch. Und es gibt welche, die sind zwar außergewöhnlich, aber die nimmt man gar nicht mehr so richtig wahr – bis sie plötzlich weg sind. Beides trifft wohl auf das Haus Brundiek zu, das in den vergangenen Tagen ziemlich plötzlich dem Erdboden gleichgemacht wurde. Jenes urige Fachwerkgebäude an der Iburger Straße, bei dem irgendwann einfach die Zeit stehen geblieben war. Sogenannte „Lost Places“-Fotografen hätten vermutlich ihre wahre Freude daran gehabt, sich auf der Suche nach verwunschenen Ecken und Winkeln einmal dort umzuschauen. Zu spät.

In der Gemeindeverwaltung sind in den vergangen Tagen mehre Anrufe wegen des Abrisses eingegangen, berichtet Bauamtsleiter Nico Königkrämer im WN-Gespräch: „Wir waren informiert, aber dass das so schnell gehen würde, das hat uns auch überrascht.“ In der Sitzung am kommenden Montag (20. Dezember) habe man den Rat über den geplanten Abriss unterrichten wollen. Gleichwohl: Belange des Denkmalschutzes seien nicht betroffen und der Abriss auch nicht genehmigungspflichtig gewesen. Königkrämer: „Das Haus war in seiner Substanz wohl verbraucht.“ Es habe in der Verwaltung dennoch gelegentlich Anfragen von Kaufinteressenten gegeben, die das Anwesen renovieren wollten. „Wir wissen aber nicht, wie ernsthaft das Interesse wirklich war.“

An der Stelle sollen Mehrfamilienhäuser gebaut werden

Und was kommt nun an die Stelle des abgebrochenen Fachwerkgebäudes? Nach Auskunft von Königkrämer existiert für die Fläche bereits ein Bebauungsplan, wonach dort zweistöckige Mehrfamilienhäuser errichtet werden dürfen, wie das in der Nachbarschaft bereits ge- schehen ist. Der Käufer des Areals stehe als Investor bereits bereit. Königkrämer rechnet damit, dass er Politik und Verwaltung schon Anfang kommenden Jahres seine Pläne unterbreiten und womöglich in einer Ausschusssitzung vorstellen wird.

Käufer und Investor ist die Firma Biber-Bau aus Ostbevern, die auf WN-Anfrage bestätigt, dort tatsächlich zwei Mehrfamilienhäuser errichten zu wollen. Das Vorhaben befinde sich aber noch „in der Projektierung“, sodass man zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr sagen könne.

Haus diente oft als Kulisse

Einer der täglich einen Blick auf den alten Kotten hatte, ist Norbert Baulmann vom gegenüberliegenden Seniorenheim, im dem der letzte Bewohner von Haus Brundiek übrigens seinen Lebensabend verbringt. Baulmann weiß, dass die urige Giebelfront hin und wieder als Kulisse herhalten durfte. „Ich habe öfter gesehen, dass Motorrad- oder Oldtimerfahrer angehalten und sich vor dem Haus fotografieren lassen haben.“

Im Vorfeld des Abrisses hatte die Gemeindeverwaltung darum gebeten, den alten Inschriftbalken zu bergen, damit er gegebenenfalls später mit eingebaut werden kann, um an den Kotten zu erinnern. Das ist nach Auskunft von Biber-Bau auch geschehen. Was den Zustand des Anwesens betrifft, stellt das Unternehmen klar: Dort sei nichts mehr zu retten gewesen. Es grenze an ein Wunder, dass das Haus überhaupt so lange gestanden habe. „Da war alles morsch, was morsch sein konnte.“

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