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Letzter Jahrgang der Gemeinschaftshauptschule Lotte geht

„Schon ein komisches Gefühl“

Lotte

Mit der Entlassfeier für die letzten Zehntklässler der Gemeinschaftshauptschule Lotte läuft diese Schulform in der Gemeinde endgültig aus. Welche Pläne haben sie? Welche Perspektiven? Und welches Rüstzeug hat ihnen die Hauptschule mitgegeben?

Angelika Hitzke

Ein bisschen Wehmut ist auch dabei (von rechts): Nadia Portale und Finn Mentrup berichten im Beisein des kommissarischen Schulleiters Michael Vörckel über ihre Zukunftspläne. Foto: Angelika Hitzke

„Ich mache ab 1. August eine Ausbildung als Zimmermann“, erzählt Alex Woyciechowski stolz und betont: „Ich fand einen handwerklichen Beruf schon immer interessant.“ Sein Vater sei auch Zimmermann; ihn habe er für das Drei-Wochen-Praktikum in der 9. Klasse nach einem geeigneten Betrieb gefragt. Nach dem Praktikum dort habe er da auch drei Wochen in den Ferien gearbeitet. Jetzt hat es dort auch mit dem Ausbildungsplatz geklappt.

Wie der kommissarische Schulleiter Michael Vörckel erläutert, fing der enge Kontakt zur Berufswelt für die Hauptschüler bereits in der 7. Klasse an. Angefangen von einem zweitägigen Test, wo die persönlichen Stärken und Schwächen liegen, über Coaching durch Klassen- und Vertrauenslehrer, Schnupper-Praktika, Zwei-Wochen-Praktikum und den Career Day in der 8. Klasse, die Drei-Wochen-Praktika in der 9. Klasse bis zum Langzeitpraktikum – ein Jahr lang jede Woche einen Tag im Betrieb für alle Schüler der 10a und 10b – könnten sich die Jugendlichen frühzeitig orientieren und entscheiden.

Welche Rolle für die eigene berufliche Orientierung spielte der Career Day? Für Alex eher keine, weil er schon wusste, was er wollte: „Ich hab mich auf das Praktikum konzentriert.“ Der 17-Jährige möchte möglichst bald auf eigene Füßen stehen und in seinem angestrebten Beruf auch Geld verdienen, weshalb er auch nicht auf die Walz, also die traditionellen Wanderjahre von Handwerksgesellen nach Abschluss der Lehrzeit, gehen möchte: „Das dauert mir zu lange!“

Die 16-jährige Nadia Portale hat schon immer gern gezeichnet, aber auch ein Faible für Naturwissenschaften. Zahlen, Physik und Chemie faszinieren sie. Ihr Vater hat eine Pizzeria, und da sie auch gern im Büro arbeiten würde, habe sie auch daran gedacht, diese später einmal zu führen. Das wäre aber für sie nur „Plan B“. Früher wollte sie auch schon mal Postbotin oder Konditorin werden. Über Mediengestaltung habe sie sich beim Career Day ebenfalls informiert. Auch eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin hatte sie ins Auge gefasst, aber im Praktikum gemerkt, „das passt nicht so ganz“.

Jetzt möchte sie zunächst auf der IGS in Eversburg das Abitur machen und dann Mathe und Kunst fürs Lehramt an der Sekundarstufe I studieren: „Das sind zwei Fächer, die ich gut kann und sogar auch mag“, sagt sie und erklärt, dass sie ein Abi ohne Schwerpunkt anstrebe. „damit ich mehr Möglichkeiten habe, wenn ich mich doch noch mal umentscheide“.

Finn Mentrup aus Lotte brauchte keine Berufsorientierungsmesse. „Ich wusste von Anfang an, was ich wollte“, berichtet der 16-Jährige. Nämlich sein Hobby, die Fotografie, zum Beruf machen: „Ich mache eine Ausbildung zum Foto- und Medienfachmann.“ In dem Bereich hat er nicht nur sein Praktikum absolviert und in den Ferien gearbeitet, sondern auch samstags im Schülerjob schon Kunden bedient, Kamera-Akkus geladen und „alles, was so anfällt“. Am liebsten, so verrät er auf Nachfrage, fotografiert er Tiere.

Freuen sie sich denn schon auf ihre Entlassfeier? Einerseits schon, andererseits geht damit ja unwiderruflich etwas zu Ende, was sie in den letzten Jahren geprägt hat. Auch wenn Alex meint, dass er in Bezug auf die Berufswahl eher seine Eltern als die Lehrer gefragt habe. Nadia erklärt: „Es ist schon ein komisches Gefühl, dass wie der letzte Jahrgang sind, weil, die Schule gibt es dann nicht mehr.“

Der Abschied am Freitag, 28. Juni, mit Gottesdienst und der Zeugnisübergabe am Nachmittag um 17 Uhr wird wie in den Vorjahren in feierlichem Rahmen stattfinden. „Das ist hier Usus“, so Vörckel. Dazu gehörten auch festliche Kleidung und die Spendensammlung für einen guten Zweck. Über das Programm der Abschlussfeier, das von einer Vorbereitungsgruppe zusammengestellt wird, will aber noch niemand etwas verraten.

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