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Ernste Situation auf Intensivstationen

Luftwaffe fliegt Corona-Patienten aus Bayern ins Münsterland

Münster/Greven

Wegen der Überlastung der Krankenhäuser in einigen Regionen hat am Freitag erstmals die Luftwaffe bei der Verteilung von Corona-Patienten geholfen - und sechs Erkrankte aus Bayern zum Flughafen FMO geflogen. Währenddessen spitzt sich im Münsterland die Lage in den Kliniken zu.

Von Gunnar A. Pier, Marion Fenner und Dorothea Hülsmeier

Operation im Nieselregen bei vier Grad Celsius: Am Freitagabend wurden die ersten sechs Corona-Patienten nach Greven geflogen und mit Krankenwagen in umliegende Kliniken gebracht. Foto: Gunnar A. Pier

Um 17.23 Uhr kommt aus Richtung Ladbergen ein heller Airbus und setzt auf der finsteren Rollbahn des Flughafens Münster/Osnabrück auf: Unter großem öffentlichen Interesse wurden am Freitag erstmals sechs Covid-19-Patienten von Bayern ins Münsterland gebracht. Drei wurden nach Informationen unserer Zeitung in Krankenhäuser nach Münster, die anderen nach Steinfurt, Bünde und Bielefeld gebracht.

Möglich gemacht hatte den Flug nach Greven der NRW-Landtag mit einer neuen Verordnung. „NRW wird im Rahmen seiner Möglichkeiten Übernahmen für Patienten aus den betroffenen Bundesländern ermöglichen und Solidarität üben“, heißt es aus der NRW-Staatskanzlei, die in dieser Sache für die Kommunikation zuständig ist, auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Verlegungen werden über das Kleeblatt-System und das internationale Patientenmanagement des Universitätsklinikums Münster gesteuert. Darüber werden die NRW-Krankenhäuser angewiesen, nach medizinischer Abwägung planbare Operationen zu verschieben, um Platz für schwer kranke Corona-Patienten von außerhalb zu schaffen.“

Temperaturen kurz über Gefriergrenze

Die Ankunft in Greven lief allem Anschein nach konzentriert und geordnet ab. Mit einem Spezialfahrzeug wurden die Patienten einzeln aus der Maschine geholt und am Boden abgesetzt, wo sie sofort in bereitstehende Krankenwagen verladen wurden. Das alles geschah bei aufkommendem Nieselregen und Temperaturen kurz über der Gefriergrenze. Gegen 18.30 Uhr fuhren die ersten Wagen mit Blaulicht ab.

„Bei uns ist die Situation so, dass wir helfen können, und das tun wir“, hatte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Nachmittag gesagt. „Das ist für Nordrhein-Westfalen selbstverständlich.“ Wüst verwies darauf, dass damit auch planbare Operationen bei vielen geimpften Menschen verschoben werden müssten. „Es ist eine gigantische Solidarleistung, die wir diesen Menschen jetzt abverlangen“, sagte er. „Es liegen schwierige Wochen vor uns.“ Laut Staatskanzlei stellt sich NRW darauf ein, dass es in den nächsten Tagen und Wochen zu weiteren Verlegungen kommen kann.

Unterstützung durch die Bundeswehr

Auch im Münsterland spitzt sich die Lage in den Kliniken langsam zu. Am Freitagmittag wurden 166 Menschen mit einer Covid-19-Infektion in Krankenhäusern behandelt – 16 mehr als eine Woche zuvor. Das geht aus Zahlen hervor, die die Bezirksregierung Münster zur Verfügung gestellt hat. 44 der Patienten lagen auf der Intensivstation, 18 mussten künstlich beatmet werden. Am vorangegangenen Freitag waren es 33 Intensivpatienten, von denen ebenfalls 18 beatmet wurden. Kurzfristig bereitgestellt werden könnten 37 Intensivbetten – eine Woche zuvor waren es noch 57.

Die Bundeswehr hilft damit erstmals dabei, Krankenhäuser in Regionen mit besonders vielen Corona-Patienten zu entlasten. Die Luftwaffe hält zwei Flugzeuge für den Hilfseinsatz bereit.

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