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Irene Becker baut in jedem Jahr ihre Kofer-Krippe auf

Ausdrucksvolle Schnitzkunst aus dem Passionsspielort

Metelen

Aus Bayern kommt eine besondere Holzkrippe, die Irene Becker immer in der Weihnachtszeit in der Diele ihres Hauses aufbaut.

Dieter Huge sive Huwe

Die Heilige Familie steht im Zentrum Foto: Dieter Huge sive Huwe

Oberammergau kennen die Allermeisten wegen der Passionsspiele, die alle zehn Jahre Tausende ins Theater des Städtchens in den bayerischen Alpen lockt. Oberammergau, das ist für die Metelenerin Irene Becker aber vor allem der Ort, aus dem ihre Krippe stammt. Handgeschnitzt aus Lindenholz und liebevoll bemalt sind die gut 15 Zentimeter großen Figuren, die in jedem Jahr in der Diele des Hauses aufgestellt werden. Denn Irene Becker mag Krippen.

Seit vielen Jahren schon engagiert sie sich in der Krippengruppe der katholischen Pfarrgemeinde Ss. Cornelius und Cyprianus. Hier hilft sie zum Beginn des Advents beim Aufbau mit, dekoriert mit geschickter Hand zusammen mit ihren Mitstreitern den Stall und die großen Holzfiguren, die die Menschwerdung Christi darstellen.

Daheim waren es früher eher schlichte Figuren aus Ton, die zu Weihnachten aufgestellt wurden. „Die Kinder spielten ja immer mit ihnen, so dass die nach und nach zu Bruch gingen“, erinnert sich die 83-Jährige. Vor sechs Jahren dann erfüllte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Willi einen langgehegten Wunsch und hielt Ausschau nach einer wertigen Krippe, die auch im eigenen Haus das Geschehen von Bethlehem darstellten sollte.

„Wir haben uns dabei von den Fachleuten bei Kuhlmann in Münster beraten lassen“, schildert die Metelenerin. Das Kerzenfachgeschäft an Münsters Salzstraße, das übrigens in diesen Tagen nach 133 Jahren schließt, bot eine große Auswahl an Krippen an.

Die Wahl der Eheleute fiel schließlich auf eine Kofel-Krippe aus Oberammergau – Schnitzkunst, die über viele Generationen tradiert wurde und die den Figuren eine Ausstrahlung gibt, die zum genaueren Betrachten einlädt.

Maria wird als junge Frau, ja fast noch als Mädchen, dargestellt, Josef schaut ein wenig verloren aufs Kind in der Krippe, das mit seinen leicht geröteten Wangen ein wenig pausbäckig ausschaut. Doch ist die Darstellung der Heiligen Familie weit entfernt vom barocken Kitsch, der oftmals Krippenfiguren aus dem Alpenraum prägt. Nein, die Oberammergauer Schnitzer orientieren sich da doch eher an der traditionellen Volkskunst.

„Wir haben uns zunächst die Heilige Familie gekauft, dazu den Stall und den Engel“, beschreibt Irene Becker, dass anspruchsvolles Kunsthandwerk durchaus seinen Preis hat. Eine Truhe, die ebenfalls im Eingangsbereich des Hauses steht, trug die anfangs noch kleine Krippe. Ein Holzbrett mit Moos bildete die Basis.

In den folgenden Jahren wuchs das Ensemble. Leider erlebte Willi Becker, der 2016 starb, nicht mehr die jetzige Ausgestaltung. Hirten mit ihren Schafen kamen hinzu und auch die Heiligen Drei Könige. Irene Becker hat sie für den Termin mit der Zeitung mit aufs Tableau gestellt. „Die baue ich sonst immer erst am 6. Januar auf“, berichtet die Seniorin.

Einen Wunsch hat die Metelenerin mit Blick auf ihre Krippe noch: „Der Schäferhund – ja, der würde noch gut dazu passen.“

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