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Aussaat mit pfiffiger Maschine

Blühstreifen: Drei auf einen Streich

Metelen

Erfindungsreichtum zeigte der Lohnunternehmer Thomas Wolbeck, als er den Auftrag bekam, Blühstreifen anzulegen. Er entwickelte ein Anbaugerät, dass gleich drei Arbeitsschritte in einem Zuge erledigt. Aktuell ist Wolbeck im Auftrag der Gemeinde Metelen unterwegs.

Dieter Huge sive Huwe

Diese Maschine mit ihren bissigen Zähnen macht drei Arbeitsschritte auf einmal: Die Grasnabe wird gefräst, die Samen danach ausgesät und schließlich auch noch gewalzt. Foto: Dieter Huge sive Huwe. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Es ist ein mächtig schweres Gerät, das Thomas Wolbeck für ganz zarte Pflanzen einsetzt. Oben auf dem wuchtigen Traktor ist an diesem Donnerstagmorgen sein Arbeitsplatz. Vor sich hat er den Radweg auf der alten Bahnlinie Burgsteinfurt Heek und dazu den Auftrag der Gemeindeverwaltung, hier einen Blühstreifen anzulegen – auf insgesamt zwei Kilometern Länge.

„Es gibt immer wieder Radfahrer und Spaziergänger, die mich fragen ,Was wird das?“, berichtet der Metelener Lohnunternehmer und blickt neben seinem Traktor, der im Leerlauf vor sich hinbrummelt, auf die aufgerissene Grasnabe neben dem Radweg. Das soll einmal ein Blühstreifen werden?

Wer ganz genau hinschaut, erkennt auf der Oberfläche der angewalzten Erde winzige Samen. Bereits im Juli wird hier alles blühen, das Auge der Passanten erfreuen, vor allem aber Insekten und Bienen reiche Nahrung bieten. Vor allem deshalb hat die Gemeinde Metelen Wolbeck den Auftrag erteilt.

Dieser bringt nicht nur Erfahrung bei der Anlage von Blühstreifen mit, sondern hat auch das notwendige Know-how, damit die Saat auch aufgeht. Jahrelang experimentierte der Metelener, um ein effizientes und zugleich umweltschonendes Verfahren zu entwickeln. Bei 2000 Metern Blühstreifen allein längs dieses Radweges ist herkömmliche Technik nämlich nicht das Optimale.

„Ich habe ja Schlosser gelernt und es hat mich gereizt, eine neue Maschine zu entwickeln“, beschreibt Wolbeck viele Stunden der Tüftelei und des Experimentierens. Das Ziel war, gleich drei Arbeitsschritte in nur einem Arbeitsgerät zu vereinen: fräsen, säen und walzen.

Das war zunächst leichter gedacht als umgesetzt. Die Fräse gibt es zwar als handelsübliches Gerät für den langen Ausleger des Traktors. Doch schon bei der Säeinrichtung musste viel ausprobiert werden. „Üblicherweise sind die hinter den Traktoren angebaut und verteilen Samen für den Feldanbau nur über kurze Schläuche“, berichtet Wolbeck über den Standard-Einsatz in der Landwirtschaft. Für die Kombi-Maschine mussten die federleichten Samen indes gleich über mehrere Meter und auch noch über zwei Bögen hinweg punktgenau in den gefrästen Streifen geblasen werden. Der leistungsfähige Radiallüfter am Trichter mit der Saatmischung liefert dazu die nötige Power. „Das muss genau passen, denn für jeden Quadratmeter sind nur wenige Gramm Saatmischung gedacht“, weiß Wolbeck, dass auch bei allem ökologischen Anspruch auch die ökonomische Ausbringung wichtig ist.

Arbeitsschritt drei schließlich ist das Walzen der Fläche. „Bei der Samenmischung handelt es sich um Lichtkeimer wie Buchweizen oder Gelbsenf. Die dürfen nur leicht angewalzt werden“, erläutert Wolbeck, dass das Verfahren mit der Neuanlage einer Rasenfläche durchaus vergleichbar ist. Und zu der gehört schließlich auch das Wässern – gerade bei den aktuellen Wetterbedingungen.

Durch sein Kombigerät hat der Unternehmer mindestens einen Arbeitsschritt und damit auch die entsprechende Menge Diesel, die er sonst verfahren müsste, eingespart. Den Traktor wird er in den kommenden Tagen dennoch starten müssen, um den 110 Zentimeter breiten Streifen mit dem notwendigen Nass zu versorgen.

Im Juli wird es dann bunt am alten Bahndamm. „Und das bis in die kalte Jahreszeit hinein“, erfreut sich auch Wolbeck an den Blühstreifen. Vor allem im August, wenn sein Unternehmen sich auf Unterhaltungsarbeiten an den Vorflutern konzentriert, fällt so immer wieder der Blick auf die bunten Flächen am Wegesrand, auf denen zarte Blumen blühen die hier dank robuster und pfiffiger Technik ausgesät wurden.

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