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Behandlung von möglicherweise infektiösen Menschen

Container als neue Anlaufstelle

Metelen

Ein weißer Container ersetzt seit vergangener Woche das provisorische Zelt vorder Hausarztpraxis Weritz und Brinschwitz. Die Ärzte wollen dort infektiöse Patienten behandeln, damit die medizinische Versorgung in der Praxis ganz normal weitergehen kann. Vom Ablauf her funktioniert die neue Anlaufstelle ähnlich einer Fieberambulanz, erklären die Ärzte beim Ortstermin.

Anne Spill

Vom Auto direkt zum Container: Das weiße Häuschen ist eine Anlaufstelle für potenziell infektiöse Menschen. Foto: Anne Spill

Umgeben von rot-weißen Schranken und Baken steht seit vergangener Woche ein neuerContainer auf dem Parkplatz vor der Hausarztpraxis Weritz und Brinschwitz. Wird hier etwa eine neue Baustelle eingerichtet? Nein, damit hat das Häuschen nichts zu tun: Bei dem Modul handelt es sich vielmehr um die künftige Anlaufstelle für Patienten, die möglicherweise infektiös sind. Diese wurden bisher in einem Zelt vor der Hausarztpraxis empfangen.

Normalisierung

„Das hat nun aber keineswegs zu bedeuten, dass wir uns eine Krisenstufe höher befinden“, stellt Clara Beutler, eine der Praxismanagerinnen, klar. „Im Gegenteil: Der Container steht sogar für eine Normalisierung.“ Denn dieser neue, eigenständige Behandlungsbereich mache es möglich, dass die reguläre medizinische Versorgung in der Praxis möglichst normal weiterlaufen könne.

Ärztin Louise Weritz wird die Patienten am Container vornehmlich betreuen. Foto: Anne Spill

Im Grunde funktioniert das Ganze wie bei einer Fieberambulanz: Hat ein Patient Symptome einer (Corona-)Infektion wie zum Beispiel eine hohe Temperatur, Husten und Schnupfen, wendet er sich telefonisch an die Hausarztpraxis. Im Gespräch wird dann schnell klar, ob ein Besuch bei einem Experten nötig ist oder nicht. „Vieles lässt sich dann schon klären, aber wenn Unsicherheiten bestehen, können die Patienten natürlich auch kommen“, bestätigt Ärztin Annette Schön. Dem Erkrankten wird ein Zeitfenster mitgeteilt, in dem er die Praxis aufsuchen kann. Betreten darf er diese aber erst einmal nicht – es heißt warten auf dem Parkplatz: einfach im Auto sitzen bleiben. Wer zu Fuß oder mit dem Rad kommt, muss natürlich den Mindestabstand zu anderen Patienten einhalten. „In der Regel rufen wir dann auf dem Handy an“, beschreibt Ärztin Louise Weritz das Prozedere.

Gesonderte Behandlung

Der so einbestellte Patient betritt ein Zelt, das in diesen Tagen noch vor dem Container aufgestellt wird und Diskretion gewährleisten soll. Dort empfängt ihn der Mediziner und gibt einen Mundschutz aus. Lunge abhören oder in den Rachen schauen – das alles ist am Fenster des Containers möglich. Braucht der Erkrankte aber zum Beispiel eine Infusion, darf er auf einer Liege im zweiten Raum des Häuschens Platz nehmen. „Auch ein EKG oder einen Ultraschall können wir hier machen – und auch für kurze Zeit Sauerstoff geben“, erläutert Louise Weritz, die in erster Linie in dem Container arbeiten wird. Rezepte und Bescheinigungen bekomme der Patient ebenfalls direkt dort.

Durch diese gesonderte Behandlung der potenziell infektiösen Menschen sollen andere Patienten sowie die Kollegen in der Praxis geschützt werden und die „normale“ medizinische Versorgung besser weiterlaufen können. Denn natürlich machen Herzinfarkte oder Blinddarmentzündungen in Zeiten der Coronapandemie keine Pause. Allerdings, das haben die Ärzte in Metelen festgestellt, suchen weniger Menschen mit schwächeren Beschwerden den Rat der Fachleute – aussitzen lautet hier offenbar die Devise: „Die Leute, die in die Praxis kommen, haben in der Regel etwas, mit dem sie selbst nicht mehr klarkommen“, weiß Martin Brinschwitz.

Unterstützung von der Gemeinde

Bei der Beschaffung des neuen Containers haben die Mediziner übrigens Unterstützung aus dem Metelener Rathaus erfahren. Vor gut drei Wochen saßen Vertreter der Gemeindeverwaltung und der Hausarztpraxis zusammen, um über die gegenwärtige Situation und den Umgang mit der Corona-Pandemie zu sprechen. Dabei sei die Idee eines solchen Containers – statt der bisher genutzten Zelt-Lösung – aufgekommen. „Wir haben über unsere Kontakte aus dem Bereich der Flüchtlingsunterbringung weiterhelfen können“, berichtet Bürgermeister Gregor Krabbe. Kurzerhand wurde ein Container reserviert – und schlussendlich fiel die Entscheidung der Praxis, diesen auch anzumieten. Mitarbeiter des Bauhofs packten tatkräftig mit an und stellten das Häuschen Ende vergangener Woche auf dem Parkplatz auf.

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