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Experte informiert Politik über die marode Mühlenwehr-Anlage

Klappe halten reicht nicht

Metelen

Einen Komplettaustausch des Mühlenwehrs schlägt ein Gutachter vor. Vor dem Bauausschuss erläuterte er, dass die Sanierung der mittlerweile über 50 Jahr alten Anlage zu viele Risiken berge. Ob die im Etat festgeschriebenen Kosten von 130 000 Euro ausreichen, ist fraglich.

Von Dieter Huge sive Huweund

Die aktuelle Wehranlage ist abgängig. Der Gutachter schlägt vor, die sogenannte Fischbauchklappe zu ersetzen, marodes Mauerwerk zu sanieren und die Technik aus dem Baujahr 1970 auszutauschen. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Nichts mehr zu retten ist am Metelener Mühlenwehr. Die Anlage unmittelbar neben Plagemanns Mühle ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert alt und kann nur noch bedingt ihre Aufgabe erfüllen. Wesentliche Funktionen sind nicht mehr gegeben.

Dies ist die zusammengefasste Analyse des Ist-Zustandes, die der Diplom-Ingenieur Stefan Koenen vom Büro Tutthas & Meyer aus Bochum am Montagabend dem Bauausschuss der Gemeinde vorlegte. Die Expertise bildete zugleich den Auftakt zu Überlegungen mit Blick auf die Sanierung des Stauwehrs.

Angesichts der Zustandsbeschreibung ist es erstaunlich, dass das Wehr überhaupt noch funktioniert. Unterrostungen, eine verformte Zahnleiste, Verformungen im Rückenblech und verschlissene Dichtungen aufgrund maroder Gleitwände – so beschrieb Koenen das Staublech.

Das Hydraulikaggregat entspricht nicht mehr der geforderten DIN-Norm. Der Notablass ist nicht mehr möglich, da das Ventil defekt ist. Kontinuierlich muss nachgeregelt werden, um die Stauklappe zu halten, da Hydraulikzylinder undicht sind. Bisweilen tritt sogar Öl aus – was zuletzt zu einem Einsatz der Feuerwehr führte. Das Spezialöl ist zwar biologisch abbaubar, aber dennoch muss das gesamte Aggregat erneuert werden, so Koenen.

Eine Sanierung der vorhandenen Anlage sei – gerade auch mit Blick auf mögliche Hochwasser während der Ausbauphase – mit Risiken behaftet. „Der Wasserspiegel muss erhalten werden“, führte der Diplom-Ingenieur aus – vor allem auch für die Fischaufstiegsanlage der Neuen Vechte.

Eine Schadensaufnahme durch die Herstellerfirma von vor drei Jahren hatte Sanierungskosten von rund 84 000 Euro ergeben, eine Erneuerung, ebenfalls mit technischen Anpassungen, war seinerzeit mit rund 121 000 Euro veranschlagt worden. „Die erforderlichen baulichen Sanierungen sind hier aber nicht erhalten und auch nicht Kosten für den provisorischen Absperrdamm“, warnte Koenen vor Mehrkosten, die mit Blick auf gestiegene Materialkosten eh zu erwarten seien.

Vertreter des Angelsportvereins und des Heimatvereins verfolgten im Bürgersaal die klare Aussage des Ingenieurs, dass es auch bei einem Neubau eine massive Versandung vor dem Wehr geben werde. 330 Tage im Jahr gebe es keinen Abfluss über das Wehr. Eine Option: Die Klappe ab und zu runterzufahren, um Sandablagerungen fortschwemmen zu lassen.

130 000 Euro sind im Etat 2021 für die Erneuerung der Anlage eingeplant. Der Rat muss Ende Juni entscheiden.

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