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Musiktheater „Frauen: Liebe und Leben“

Mal schroff, mal schwärmerisch

Metelen

Zu Beginn sind die Zuhörer am Samstagabend im Foyer 1 des Bürgersaals geradezu ausgeschlossen – von den Irrungen und Wirrungen des Lebens und der Liebe. Diese werden sie später im großen Saal, nachdem sich die Tür dorthin endlich geöffnet hat, unmittelbar erleben.

Martin Fahlbusch

Die Verzweiflung ist groß bei den beiden Frauen (Juliane Dennert und Frederike Weritz). Foto: Martin Fahlbusch

Auch wenn Juliane Dennert und Frederike Weritz noch keinen Ton gesungen haben und Daniel Rudolph, der musikalische Leiter am Flügel, noch nicht einen Akkord gegriffen hat, ist der Gast sofort mittendrin. Wie zu Wachs erstarrt harren da die beiden Aktricen – und die Zuhörer und Zuschauer sind in ihren Bann gezogen.

Verwirrend wirken am Anfang die Posen, die spärliche Beleuchtung. Man muss sich erst wie in einem dunklen Raum zurechtfinden. Die sitzende Sängerin scheint auf dem Stuhl gefesselt, der Blick der hinter ihr Stehenden geht ins Weite, Hoffnungsvolle.

Als die Stummen anfangen zu singen, entfalten sich Szenen, die gegensätzlicher nicht sein können. Auch in den völlig unterschiedlichen Musikstilen von Robert Schumann und Francis Poulenc wird dies schroff und eindrücklich betont. Da ist die Frau, die immer noch durch eine gewisse Unterwürfigkeit hofft, den längst verlorenen Geliebten erreichen zu können. Das Telefon (mit der langen, sich ständig verheddernden Schnur) soll diese trügerische Vision aufrechterhalten. Aber sinnbildlich genug bricht die Leitung immer wieder zusammen, wird gestört. Ein schrilles Klavierklingeln befeuert die Hoffnung wieder aufs Neue. Aber dieser Strohhalm taugt nicht. Alles versinkt in Schwermut und Verzweiflung. Die Musik von Francis Poulenc malt diese Ausweglosigkeit einzigartig und kantig.

Was dagegen Robert Schumann an Schwärmerei und aufkeimender Sehnsucht musikalisch anrührend entgegensetzt, scheint zu versöhnen. Aber auch hier besteht das Problem von Schein und Realität. Nicht von ungefähr tauschen die fulminant singenden und ebenso agierenden Juliane Dennert und Frederike Weritz durch einen Kleidertausch (Trenchcoat gegen Pastellkleid) die Rollen und führen mit nur winzigen Nuancen die beiden gegensätzlichen Frauentypen mit ihren vermeintlich eigenen Geschichten exzellent fort. Genauso souverän agiert Daniel Rudolph am Klavier, markiert den eckigen Poulenc und (zer-)fließt in Schumann. Die kluge Regiearbeit von Axel Heil findet in den Aktionen der Hauptakteurinnen beste Entsprechung.

Die nachhaltige Verschränkung der Musik von unterschiedlichen Komponisten aus verschiedenen Zeiten mit nur auf den ersten Blick unterschiedlichen Schicksalen von vereinsamten Frauen führt jeweils ins unterschiedlich Ausweglose, vielleicht in den Tod, auf jeden Fall in gähnende Leere.

Die Kulturinitiative Metelen (KIM) hatte mutig zu einem anstrengend-dichten Musiktheater mit vier bemerkenswerten Künstlern geladen. Bravo!

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