1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Metelen
  6. >
  7. „Nich töhmig sitten. . .“

  8. >

Geburtstag: Änne Lewing wird 100 Jahre alt

„Nich töhmig sitten. . .“

Metelen

Die Metelenerin Änne Lewing hat schon sehr viel gesehen in ihrem langen Leben. Genau 100 Jahre alt wird die Jubilarin am heutigen Freitag. Das soll mit Kindern, Enkeln und den vielen Urenkeln natürlich groß gefeiert werden. Zu den großen Hobbys von Änne Lewing zählt das Stricken, zudem beschäftigt sich die rüstige Rentnerin nach wie vor mit dem aktuellen Tagesgeschehen.

Von Martin Weßeling

Änne Lewings Hobby ist das Stricken. Geheiratet wurde im Jahr 1946, links ein Foto des ersten Treckers auf dem Hof – eines MAN. Foto: Martin Weßeling

Eine mysteriöse Tinktur aus einem Geheimlabor? Genmanipulation oder geheimnisvolle Formeln, die die ältere Gernation jung halten? Nichts dergleichen. „Nich töhmig sitten“ – „nicht müßig herumsitzen“, lautet ein ganz heißer Tipp, wenn es darum geht, bis ins hohe Alter fit zu bleiben. Änne Lewing aus Metelen muss es schließlich wissen. Sie wird am heutigen Freitag sage und schreibe 100 Jahre alt. Oder jung – das bestimmt allein der Blickwinkel. Die zehn Jahrzehnte sieht man der rüstigen Rentnerin jedenfalls nicht wirklich an.

Was wohl daran liegt, dass die 100-Jährige jeden Tag ziemlich viel um die Ohren hat. Hier muss noch eine Decke für die Enkelkinder zu Ende gestrickt werden, dort wartet das Kreuzworträtsel auf eine weitere Bearbeitung. Und mindestens drei Runden Rummikub stehen noch auf dem Plan – täglich natürlich. Zudem hat Änne Lewing über viele Jahre an ihren Büchern mit dem Titel „Oma, erzähl mal. . .“, gearbeitet, die sie an ihre Enkel weitergibt und in denen bäuerliche Geschichte weitergegeben wird. „Natürlich“, sagt die Jubilarin ganz sachlich: „Wenn man so alt wird wie ich, dann langt es irgendwann. Aber man muss ja einfach am Ball bleiben. Die Zeit bleibt nicht stehen.“

So fit die gebürtige Ochtruperin wirkt, so lebenslustig ist sie auch. Was allerdings nicht mit einem lockeren und leichten Leben zusammen hängt – ganz im Gegenteil. Änne Lewings Hände erzählen von einer Kindheit und einer Jugend, die von Arbeit geprägt war. Morgens den drei Kilometer langen Weg zur Volksschule in Holzschuhen bewältigt, danach im elterlichen Betrieb bis in den späten Abend hinein geholfen. Morgens um 5.30 Uhr die Kühle gemolken, dann die Äcker für die Ernte vorbereitet, zwischendurch den Haushalt geführt – Müßiggang ist nun wirklich nicht das, was sich die Metelenerin unter einem reichen Leben vorstellen mag.

„Und dann kam natürlich auch noch der Krieg mit all seinen Entbehrungen. Die Bombennächte, die Tiefflieger, die vielen Kriegsgefangenen und Flüchtlinge. Und der Hunger. Das war schrecklich“, erinnert sich die Bauernhof-Tochter genau an Zeiten, die in mancherlei Hinsicht eine Gratwanderung waren.

Immerhin, als die Wirren des zweiten Weltkrieges endlich überstanden waren, ging es langsam wieder bergauf. 1946 stand die Hochzeit mit Ehemann Bernhard Lewing an, als dieser aus der Kriegs-Gefangenschaft heimgekehrt war. Der Verbindung entsprangen sieben Kinder, 13 Enkelkinder und 25 Urenkel. Mittlerweile ist die Familie Lewing über die gesamte Republik verteilt, hat eine Heimat gefunden vom hohen Norden bis in den tiefen Süden. Am heutigen Freitag jedoch werden viele von ihnen in Metelen erwartet, um zu feiern und gemeinsame Erinnerungen zu teilen. Mittendrin die Jubilarin, die nur einmal umgezogen ist – nämlich von Ochtrup in die Gemeinde Metelen. Und die sich auf viele nette und friedliche Gespräche im Kreise der Familie freut. „Nich töhmig sitten“ eben – nicht müßig herumsitzen und sich am Leben erfreuen. Getreu diesem Motto dürften hoffentlich noch viele weitere Feiertage auf Änne Lewing warten.

Startseite
ANZEIGE