1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Metelen
  6. >
  7. Vom Zeugenstand auf die Anklagebank

  8. >

Fahrt in der Silversternacht hat Folgen für Fahrer und Beifahrer

Vom Zeugenstand auf die Anklagebank

Metelen/Steinfurt

Gleich zwei Vorladungen hatte ein 25-Jähriger Steinfurter am gleichen Tag für das Amtsgericht: Einmal stand er selber unter Anklage, einmal war er als Zeuge geladen. Es ging in beiden Fällen um denselben Vorfall in der vergangenen Silvesternacht in Metelen.

Gleich in zwei Anklagen beschäftigte sich eine Richterin des Amtsgerichts Steinfurt mit einem Vorfall in der vergangenen Silvesternacht. Foto: Norbert Hoppe

Vom Zeugenstand auf die Anklagebank wechseln musste jetzt ein 25 Jahre alter Steinfurter. Er war in der Silvesternacht des vergangenen Jahres in einen Streitverwickelt und hatte in stark betrunkenem Zustand Anwohner eines Metelener Wohngebietes beleidigt und versucht, diese zu attackieren, hieß es in der Anklage der Staatsanwaltschaft vor dem Amtsgericht Steinfurt

Auf der Anliegerstraße in Metelen habe das Auto, in dem er als Beifahrer saß, anhalten müssen. Er sei ausgestiegen und habe eine Anwohnerin übelst beleidigt. Außerdem habe er wild um sich geschlagen und versucht, dabei die Anwohner zu treffen, was auch auf einer Videoaufzeichnung zu sehen war. „Wir konnten seinen Attacken jedoch ausweichen“, sagte einer der Zeugen aus.

An Einzelheiten konnte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Er habe mehr als eine Flasche Wodka getrunken, dazu noch Bier und Cannabis konsumiert. „Ich war vollkommen zugedröhnt und stand völlig neben mir“, bekannte der 25-Jährige in seiner Einlassung. Sein Bekannter, der das Fahrzeug führte, hatte versucht, ihn in das Auto zurückzudrängen. Auch diese Szene war deutlich auf dem Video zu erkennen.

„In einem nüchternen Zustand wäre das alles nicht passiert“, so der Angeklagte, der die Vorwürfe nicht in Abrede stellte. Er bat alle Anwesenden für seine Taten um Entschuldigung.

Die Richterin verurteilte den 25-Jährigen zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro. Er habe ohne Grund emotional und aggressiv reagiert, was auf einen regelrechten Giftcocktail zurückzuführen sei, sagte sie in der Urteilsbegründung. „Geben Sie als dreifacher Familienvater Ihrem Leben eine Wendung“, wandte sie sich zum Schluss der Verhandlung an den Verurteilten.

Zuvor stand er als Zeuge in einem weiteren Verfahren auf der Liste des Gerichts. Darin ging es um das Verhalten des Fahrers in besagter Silvesternacht. Dieser 35 Jahre alter Mann aus Steinfurt war angeklagt einen Anwohner der Metelener Siedlung angefahren zu haben, um sich vom Ort der Auseinandersetzung zu entfernen.

Bestätigt wurde im Laufe dieser Verhandlung, dass der Fahrer versucht hatte, seinen randalierenden Bekannten zu beruhigen und zur Mäßigung zu bewegen. Außerdem scheiterten seine Versuche, ihn ins Auto zu bringen. Daraufhin informierten die Anwohner die Polizei. Gleichzeitig nahm eine Bewohnerin das ganze Geschehen mit ihrem Smartphone auf. Dieses Video sollte in der Beweisaufnahme noch eine Rolle spielen.

Der angeklagte Fahrer wollte die Straße in Metelen verlassen. Dabei hätten ihm drei Anwohner den Weg versperrt, indem sie sich vor dem Auto des Angeklagten postierten. Dennoch startete der Steinfurter den Wagen und touchierte beim Anfahren mit dem Kotflügel einen der Männer an der rechten Körperseite, der daraufhin zu Boden stürzte, aber keine nennenswerten Verletzungen davontrug. „Ich wollte Sie nicht verletzen und es tut mir sehr leid“, sagte der Angeklagte zum Geschädigten und bat um Entschuldigung, die der Metelener noch im Zeugenstand annahm.

Wie der angeklagte Fahrer betonte, sei er schwer an Diabetes erkrankt. Er reagiere in Stresssituationen mitunter unüberlegt und unangemessen. Dieses Krankheitsbild wurde in einem ärztlichen Attest, das dem Gericht vorgelegt wurde, genau so bestätigt. „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort und mit der falschen Person zusammen“, so die Erklärung des Steinfurters in der Verhandlung.

Insgesamt sieben Zeugen wurden vernommen, außerdem konnten alle Verfahrensbeteiligten das Geschehen noch einmal in dem Videofilm der Anwohnerin nachvollziehen. Hier stellte sich zweifelsfrei heraus, dass der Mitfahrer die Auseinandersetzung provoziert hatte und der Angeklagte versuchte, die Situation zu entschärfen.

Nach der Beweisaufnahme stand für die Richterin fest, dass beim Beschuldigten der Vorwurf des Vorsatzes nicht zutraf. Sie stellte sie fest, dass das Auto nicht als Tatwaffe für eine vorsätzliche Körperverletzung in Frage komme.

So verurteilte sie den Steinfurter zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je zehn Euro. Da der Verurteilte seit dem Vorfall den Führerschein abgeben musste und deshalb seinen Beruf als Auslieferungsfahrer nicht ausüben konnte, wurde dieses bei der Festsetzung des Strafmaßes berücksichtigt.

Startseite