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Reaktionen von Eltern auf erneuten Distanzunterricht

Wenig Verständnis für die Schließung

Metelen

Mehr als ein Jahr schon müssen Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern mit den Corona-Vorgaben umgehen. Von den Schwierigkeiten, Homeschooling und Beruf unter einen Hut zu bringen, berichten zwei Elternvertreterinnen der Grundschule im Interview. Sie beschreiben die gute Organisation der Schule aber auch, dass die jüngsten Entscheidung über die Rückkehr zum Distanzunterricht viel Kritik erntete.

Von und

Leere Fahrradständer vor dem Pausenhof der St.-Vitus-Grundschule. Seit gestern müssen die Mädchen und Jungen wieder im Distanzunterricht lernen. Nur die Kinder aus der Notbetreuung kommen zu ihrer Schule. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Seit mehr als einem Jahr müssen Eltern mit dem Thema Corona umgehen, das Homeschooling ihrer Kinder organisieren und ihren Arbeitsalltag an die Vorgaben anpassen. Seit gestern sind auch die Schülerinnen und Schüler an der Metelener Grundschule wieder im Distanzunterricht. Redakteur Dieter Huge sive Huwe sprach mit der Schulpflegschaftsvorsitzenden der St.-Vitus-Grundschule, Catrin Wellermann, und ihrer Stellvertreterin Meike Hoogstoel über die aktuelle Situation und die Belastungen für die Eltern.

Schauen wir zurück auf das vergangene Jahr und die Belastungen durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Verordnungen. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Catrin Wellermann: Der Beginn der Pandemie bedeutete für alle Eltern eine gänzlich neue Situation. Es galt dabei zunächst, eine große Anzahl an Neuerungen zu verarbeiten. Die Eltern haben in diesem Jahr gelernt, mit dem Thema umzugehen. Die Erfahrungen haben allerdings auch gezeigt, so der Tenor aus der Elternschaft, dass die Mütter und Väter lernen mussten, kurzfristig zu handeln. Sie haben gelernt, mit den Veränderungen umzugehen.

Meike Hoogstoel: Für die Eltern war Homeschooling ja etwas gänzlich Neues. Das hat sich auch entwickelt. Anfangs haben wir Aufgabenpakete in der Schule abgeholt, doch die Kinder haben sehr schnell den Weg zur Digitalisierung gefunden. Die Grundschule hat dabei sehr gute Arbeit geleistet, indem sie während der Präsenzphasen etwa den Umgang mit Videokonferenzen mit den Mädchen und Jungen geübt hat. Das hat dann eine deutliche Entlastung gebracht, so der Eindruck, den viele Eltern schildern. Dennoch wird es zunehmend schwerer, die Motivation bei den Kindern durch den häufigen Wechsel aufrechtzuerhalten.

Grundschüler können jedoch nicht oder nur kurzzeitig alleine gelassen werden. Wie schafften und schaffen es die Eltern, den Beruf und die Betreuung ihrer Kinder unter einen Hut zu bringen?

Wellermann: Da gibt es sicherlich keine allgemeingültige Antwort. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Ist man in der glücklichen Lage und kann seine Arbeitszeit flexibel gestalten, fällt einem die Organisation des Homeschoolings leichter, als wenn man terminierte Aufgaben zeitgleich zu der Betreuung der Kinder erledigen muss. Die Möglichkeit seine Kinder durch Großeltern oder Freunde betreuen zu lassen, wird nur in sehr wenigen Fällen genutzt, da man auch im privaten Bereich auf Kontakte verzichten muss oder möchte. Für viele Familien ist es nicht möglich, die Betreuung mit der Arbeit zu vereinen, so dass die durch die Schule angebotene Notbetreuung genutzt werden muss.

Was sind für Eltern, neben der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Homeschooling, die größten Sorgen mit Blick auf die schulische Entwicklung ihrer Kinder?

Hoogstoel: Sie machen sich schon viele Gedanken. Auch wenn die Kinder im Distanzlernen mit dem Unterrichtsstoff weiterkommen, fragen sich die Eltern, ob ihre Kinder genauso viel Inhalte bearbeitet haben, wie im klassischen Unterricht. Gerade mit Blick auf die weiterführende Schule wird da die Frage gestellt, ob sie genügend vorbereitet sind.

Das betrifft vor allem die Viertklässler. Wie aber nehmen die Erstklässler den Unterricht wahr?

Hoogstoel: Den Erstklässlern fehlt der Vergleich und das Wissen um die klassische Situation im gemeinsamen Unterricht. Dennoch gehen die Kinder das bemerkenswert gut an und genießen die Tage, an denen sie zur Schule dürfen. Bei den Mädchen und Jungen aus den älteren Jahrgängen fehlen die gewohnten Schultage mit den sozialen Kontakten, den außerunterrichtlichen Aktivitäten, wie etwa Bundesjugendspiele, Sportfeste, Klassenfeste, Ausflüge – all die besonderen Ereignisse, an die man sich auch noch später gerne erinnert.

Die Vorlaufzeit für den Distanzunterricht, der seit gestern gilt, war so kurz wie noch nie. Wie reagieren die Eltern darauf?

Wellermann: Zunächst einmal wird nicht der Schule ein Vorwurf gemacht. Im Gegenteil: Sie informiert umfassend und schnell, kann aber auch erst reagieren, wenn sie selber die Informationen bekommen hat. Im aktuellen Fall des Inkrafttretens der Notbremse wurde uns bereits am Freitag vorher durch die Schulleitung mitgeteilt, dass der erneute Fall des Distanzlernens eintreten könne. Und wieder einmal musste rasch mit dem Arbeitgeber und der Familie eine Lösung gefunden werden, was nicht immer einfach war.

Hoogstoel: Deutlich wird aus Äußerungen vieler Eltern, dass sie zwar die Notbremse verstehen können, aber aufgrund der vielen Maßnahmen, die für die Schulen eingeführt wurden, wenig Verständnis für die Schließung aufbringen. Die Kinder werden zweimal wöchentlich getestet, sie tragen Masken, gehen auf einem ausgeklügelten Einbahnsystem in die Klassenräume und auf den Pausenhof und sie werden im Wechselunterricht in halbierten Klassenverbänden unterrichtet. Das alles genügt aber nicht – und das kostet die Eltern Nerven.

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