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Stolperstein für Ruth Marx

Wider das Vergessen

Metelen

Sie hatten bereits Patina angesetzt, die beiden Stolpersteine, die in Erinnerung an Emmy Löwenberg und Johanna Horn im Gehsteig vor dem Haus Schilden 15 verlegt sind. Jetzt glänzen sie wieder. Ebenso wie ein neuer Stein, der am Donnerstagmorgen dazu gekommen ist. Künstler Gunter Demnig hat ihn in Gedenken an Ruth Marx gesetzt. Sie war als jüdisches Hausmädchen von 1938 bis 1939 bei den Salomons angestellt. Nach einem Leben voller Angst und vielen Umzügen wurde sie 1941 von den Nationalsozialisten deportiert und in Riga ermordet.

Ralph Schippers

Zu den bereits 2007 von ihm verlegten Steinen für die Salomon-Schwestern Emmy Löwenberg und Johanna Horn hat Künstler Gunter Demnig gestern einen Stolperstein für Ruth Marx gesetzt. Foto: rs

Routiniert setzt der Künstler den kleinen Betonstein mit dem Messingaufsatz, in den der Name von Ruth Marx zusammen mit ihren Lebensdaten eingraviert ist. Die seit Sommer 2007 im Pflaster liegenden Stolpersteine für die beiden Salomon-Schwestern hat er zuvor aufgenommen und gereinigt. Während Demnig die drei Steine in neuer Anordnung vorsichtig in die Erde legt, schaut ihm eine große Gästeschar über die Schulter. Viele Metelener haben sich am Schilden eingefunden – Vereinsvertreter, Politiker, Mitarbeiter aus der Verwaltung, aber auch Schüler und Lehrer der Droste-Hülshoff-Hauptschule. Es sind Mitglieder der Geschichts-AG der Schule.

Nico Looks trägt die Lebensgeschichte von Ruth Marx vor – in der Ich-Form. Die Worte kommen so sehr authentisch herüber, die Blicke der Anwesenden zeigen Betroffenheit. Immer wieder war Ruth Marx vor dem braunen Mob geflüchtet, letztlich aber vergebens. Nach vielen Stationen im Münster- und Rheinland wird sie 1941 in Köln von den Nazis aufgespürt, nach Riga verschleppt und ermordet. Wann genau, das weiß niemand.

Niko Looks ist nervös, seine Rede nicht immer flüssig. Er entschuldigt sich dafür, aber Helmut Brüning winkt ab: „Deine Worte waren sehr ergreifend, da macht es nichts, dass Du zwischenzeitlich gestockt hast.“ Zuvor hatte der Bürgermeister die Gäste der kleinen Feierstunde begrüßt. Er dankte „allen, die an der Vorbereitung aktiv mitgewirkt haben.“ Die Gemeinschaftsaktion habe die Beteiligten zusammengeführt, stark gemacht und Kräfte freigesetzt. Seine Ansprache beendet Brüning mit einigen Zitaten aus dem Buch „Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“ des brasilianischen Autors Paulo Coelho.

Einen würdevollen Rahmen verleihen der Feierstunde zudem Jenny Krude, die aus dem Gedicht „Raben“ von Hermann Adler rezitiert sowie Fabian Nemes, der aus dem Werk „Todesfuge“ von Paul Celan liest. Auch Angelika Pier von der Gemeindeverwaltung trägt vor: Sie rezitiert aus dem Gedicht „Engel“ von Heinrich Böll.

Zwischenzeitlich hat Gunter Demnig seine Verlegearbeit abgeschlossen. Eine Besucherin legt eine weiße Rose an die Steine. Die Gäste halten noch ein wenig inne, ehe Helmut Brüning alle Teilnehmer ins Alte Amtshaus zu einem kleinen Frühstück einlädt. Demnig ist nur kurz dabei: Der Künstler, der schon in über 700 Kommunen deutschlandweit Stolpersteine in Erinnerung an das Schicksal jüdischer Mitbürger während der NS-Zeit verlegte, hat an diesem Tag noch weitere Termine. Es geht noch nach Münster und Freckenhorst. Am Abend wird er in Neustadt/Holstein zu einer Vortragsveranstaltung erwartet.

Seine Arbeit in Metelen indes ist für heute getan. Die Messingplatten vor dem Haus Schilden 15 strahlen – und sorgen so dafür, dass Emmy Löwenberg, Johanna Horn und Ruth Marx nicht vergessen werden.

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